Drogenhotspot im Kleinen Tiergarten: Vier Säulen gegen Crack
Der Kleine Tiergarten ist neuer Hotspot der Crackszene. Der Bezirk Mitte steuert mit Maßnahmen gegen, die sich am Leopoldplatz bewährt haben.
Foto: dpa | Jens Kalaene
Am frühen Dienstagnachmittag ist das Parkstück um den U-Bahnhof Turmstraße verhältnismäßig leer. Eine junge Frau mit schmutzverschmiertem Gesicht sitzt auf der Wiese und redet mit sich selber; ein älterer Mann zündet sich eine Crack-Pfeife an. „Das sind die absoluten Härtefälle. Da müssen die Sozialarbeiter ran“, sagt ein Parkläufer, der lieber anonym bleiben möchte.
Der Kleine Tiergarten, wie der Park offiziell heißt, ist zu einem neuen Hotspot der Crackszene geworden. Der Bezirk Mitte hat nun reagiert und das vom Leopoldplatz bekannte Parkmanagement eingeführt. Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger (Grüne) stellte das Konzept bei einem Pressetermin am Dienstag vor. „Mit der Parkbetreuung schaffen wir Präsenz und Ansprechbarkeit vor Ort“, sagt Remlinger.
Der Bezirk konnte 500.000 Euro jährlich aus dem Parkläufer-Programm des Senats für die Umsetzung sichern. Mit dem Geld wird ein Parkmanagement an drei zusätzlichen Orten eingeführt: am Kleinen Tiergarten, im Badstraßenkiez und der Heinrich-Heine-Straße.
An jedem Standort sollen zukünftig zwei Parkläufer und ein Parkmanager für Ordnung sorgen – dabei handelt es sich im Grunde um Sicherheitskräfte. Bei „unerwünschten Verhalten“ gebe es „zivilisierte Ansprachen“, so Remlinger. Kleinere Müllstellen, wie Spritzen, sollen die Parkläufer direkt beseitigen können. Auch dienen die Parkläufer als Ansprechpartner für verunsicherte Anwohner:innen. Kleine Bauwägen sollen als deutlich sichtbare Anlaufpunkte dienen, erklärt Remlinger das Konzept.
Vom Leopoldplatz verdrängt
Zusätzlich zu den Parkläufern soll auch ein Parkmanager vor Ort sein, der die Koordination mit Sozialarbeiter:innen, Bezirksamt, BSR und Polizei übernimmt. Die Betreuung erfolgt 10 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche.
Das Parkmanagement ist Teil des Vier-Säulen-Prinzips, mit dem Mitte schon die Crackproblematik am Leopoldplatz erfolgreich einhegen konnte. Weitere Bestandteile, so Remlinger, seien eine erhöhte Polizeipräsenz, um die organisierte Kriminalität in den Griff zu bekommen, und ein Hilfesystem, zum Beispiel durch sozialarbeiterische Angebote wie die Drogenhilfe Fixpunkt.
Das vierte Element ist die soziokulturelle Belebung: „Der größte Stabilisierungsfaktor ist, wenn sich viele normale Leute vor Ort aufhalten“, sagte Remlinger. Aber gerade dieser Punkt sei am Kleinen Tiergarten noch nicht umgesetzt worden, dafür reiche das Geld nicht.
Am Leopoldplatz haben sich zeitweise über 200 Drogennutzende gleichzeitig aufgehalten. Durch die Vier-Säulen-Maßnahmen konnte die Zahl deutlich verringert und die Aufenthaltsqualität für die Anwohnenden verbessert werden. Das bedeutet aber auch: Viele der Süchtigen konsumieren jetzt an anderen Orten wie dem Kleinen Tiergarten.
Das ist Remlinger durchaus bewusst. „Wir müssen die Leute von der Straße holen“, sagt Remlinger. Doch das sei eine stadtweite Anstrengung, für die es deutlich mehr als nur 500.000 Euro im Jahr brauche.
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