Drastische Maßnahme gegen Europäer: USA, ein Katastrophengebiet

Trumps Einreisesperre lenkt von den eklatanten Schwächen des Gesundheitssystems ab. Diese werden in Corona-Zeiten nicht nur die Armen treffen.

Ein wießer Plastikhandschuh liegt auf Asphalt

Ein Schutzhandschuh liegt auf dem Boden in Kirkland, Washington, wo es mehrere Coronafälle gab Foto: David Ryder/reuters

Wenn der US-Präsident nicht weiter weiß, macht er Ausländer verantwortlich. So hat er es mit „muslimischen Ländern“ gehalten, mit Mexiko, mit China und jetzt mit den Schengen-Staaten der EU. Das Coronavirus, so sagt er tatsächlich, sei ein „ausländisches Virus“.

Das hat nichts mit einem rationalen Vorgehen gegen die Pandemie zu tun, sondern ist schiere Fremdenfeindlichkeit. Sie folgt immer demselben Muster: Trump lenkt vom eigentlichen Thema ab. Wirft seiner Basis ein Feindbild vor. Und suggeriert so, dass er etwas unternimmt, das außergewöhnlich, radikal und im nationalen Interesse sei.

Tatsächlich hat Trump seinem Land mit seiner Ansprache am Mittwochabend keinen Dienst erwiesen. Er warnt nicht vor den Gefahren – den bekannten und den unbekannten – des Virus, sondern er macht Stimmung. Nachdem er dem Vorgehen seiner eigenen Behörden und der internationalen Koordination bei der Bekämpfung der Pandemie wochenlang mit Fehlbehauptungen und Verharmlosungen im Weg gestanden hat – „in den meisten Fällen kann man weiter arbeiten“ und „wir werden schnell einen Impfstoff bereitstellen“ – behauptet er jetzt, „Europa“ wäre schuld, weil es sich nicht gegen China abgeschottet habe. Und versteigt sich dazu, sein Land als „besser vorbereitet“ als jedes andere für die Bekämpfung des Virus darzustellen.

Eine Pandemie kennt keine sozialen Unterschiede

Das ist reine Fiktion. Während Trump gestikuliert, bereitet sich das Virus genauso schnell, aber sehr viel unbeobachteter als andernorts in den USA aus. Während China, Japan, Südkorea und europäische Länder längst in großem Umfang testen und dadurch zumindest einen gewissen Überblick darüber haben, wie der aktuelle Stand der Pandemie ist, haben die USA erst in dieser Woche Testkits in größerem Umfang verteilt. Durch das Ausbleiben von Tests entstand der gefährlich falsche Eindruck, dass es in den USA zwar mehrere Dutzend Tote, aber nur verhältnismäßig wenige Infizierte gab.

Wie keine Gesundheitskrise zuvor enthüllt das Virus die Schwächen, Unzulänglichkeiten und Ungerechtigkeiten des US-amerikanischen Systems. Das Land ist sozial und gesundheitspolitisch ein Katastrophengebiet. Die Kosten des Gesundheitswesen der USA sind die höchsten der Welt. 70 Millionen Menschen haben dazu – weil sie entweder gar keine oder nur eine ungenügende Krankenversicherung haben – keinen Zugang. Und das Recht auf Krankschreibung und auf Lohnfortzahlung ist inexistent.

Normalerweise treffen diese Schwächen des US-Systems vor allem Menschen mit geringem Einkommen und mit wenigen Rechten. Aber im Fall des Coronavirus wird das auf alle Bewohner der USA zurückfallen. Denn eine Pandemie kennt weder soziale Unterschiede noch Staatsangehörigkeiten.

Seit seinem Amtsantritt hat Trump versucht, die zaghaften Reformen des Gesundheitssystems zunichte zu machen. Zusätzlich hat er die Institutionen für die Medizin und Forschung – mit Budgetkürzungen und mit wissenschaftsfeindlichen Behauptungen à la „der Klimawandel ist ein Schwindel“ – geschwächt.

Der US-Präsident macht Corona noch schlimmer.

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Kommt aus Köln. Ihre früheren journalistischen Stationen waren Mexiko-Stadt, Berlin und Paris. Seit 2010 ist sie taz-Korrespondentin in den USA. Sie lebt in New York.

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