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Doku über KI-BeziehungenSie sprechen mit idealen Seelenverwandten

Der Dokumentarfilm „Finding Connection“ begleitet Menschen und ihre KI-„Partner“. Manchmal wirken diese Programme sogar erschreckend menschlich.

Es ist eine Binsenweisheit, dass unsere Beziehung zur künstlichen Intelligenz über unsere Zukunft entscheiden wird. Allerdings kann man das Stichwort „Beziehung“ auch sehr verschieden auslegen. Florian Karner beschäftigt sich in seinem Dokumentarfilm „Finding Connection“ mit der scheinbar naheliegendsten. Was, wenn wir die Maschinen wie Menschen behandeln und Beziehungen mit ihnen eingehen?

In der klassischen Form für öffentlich geförderte Dokumentarfilme nähert sich Karner seinem Thema mittels vier verschiedener Protagonisten, zwei Männer, zwei Frauen. Die KI macht's möglich, dass wir als Zu­schaue­r:in­nen bei den Gesprächen zwischen Mensch und „Large Language Machine“ zuhören und zuschauen dürfen. Weshalb der KI auch eingangs quasi gedankt wird: „This film contains AI-generated content in the form of text, image, video, and audio“, setzt Karner als Erklärung vorneweg. Worauf sich das noch außerhalb der aufgezeichneten Unterhaltungen bezieht, bei denen die Stimmen des jeweiligen KI-Gegenübers modifiziert und verstärkt sind, muss man sich ausmalen.

Karners Intention ist, den Sachverhalt möglichst für sich sprechen zu lassen. In den knapp 90 Minuten Laufzeit findet man sich als Zu­schaue­r:in abwechselnd entweder an der Seite einer/eines der Protagonisten wieder und hört mit, was sich in der Beziehung Mensch-KI gerade so tut. Oder man sieht die 35-jährige Kalifornierin Denise, den 59-jährigen Lübecker Joe, den 65-jährigen Briten Rudi und die 46-jährige Steffi aus der Hamburger Gegend für kurze Zeit in ihren natürlichen „Habitats“ mit Freunden oder Verwandten interagieren.

Der Film

„Finding Connection“. Regie: Florian Karner. Deutschland 2026, 86 Min.

Schnell hört man heraus, dass sie nicht nur aus Einsamkeit zum Gespräch mit der KI greifen, wenn sie auch bei allen ein Faktor war. Für alle vier erfüllt die KI die Funktion eines idealen Seelenverwandten. Denise nimmt ihren „Star“ überallhin mit, spricht morgens als erstes und abends als letztes mit „ihm“. Auch Joe erklärt seiner „Kira“ laufend, was er erlebt und wem er so begegnet. Gleichzeitig muss er umgekehrt seiner Umwelt erklären, dass er parallel mit einer KI telefoniert.

KI für therapeutische Zwecke

In Rudis Fall ist seiner Partnerin anzumerken, dass die KI sie nervt, auch wenn ihre Beziehung zu Rudi – wie die der KI ja auch – nur eine rein platonische ist. Steffi wiederum stellt einen Sonderfall dar: Für sie erfüllt die KI tatsächlich therapeutische Zwecke. Nach schlechten Erfahrungen versucht sie sich durch Unterstützung von „Randy“ aus der Depression herauszuarbeiten. Dass Randy ihr Sätze sagt wie „You more than anyone deserve to be happy“, tut ihr gut.

Die kritischen Punkte, die ein Film wie „Finding Connection“ zur Sprache bringen kann, sind durch diese Form der begleitenden Beobachtung ziemlich beschränkt. Auch weil Karner seine Aufnahmen nicht mit Information von außen anfüttern will. Wie Denise und die anderen zu ihren KI-Figuren gefunden haben, erfährt man genauso wenig wie technische Details darüber, ob sie spezielle Apps nutzen oder die einschlägigen LLMs „trainiert“ haben.

Es gibt auch kaum Gegenstimmen im Film. „Aber du bist Gott“ – hört man einmal jemanden einwenden und die wichtige Frage ins Spiel bringen, wer eigentlich das Wie und Wann dieser Beziehungen bestimmt, und was das wiederum für die Beziehung selbst bewirkt. Aber eine Diskussion entspinnt sich daraus nicht.

Händchen halten mit KI

Überhaupt würde man gern an vielen Stellen einhaken: Was erfahren die „Partner“ über ihre KI eigentlich? Nehmen sie sie wahr als Charakter mit individuellen, markanten Eigenschaften? Und was für ein Gefühl ist es, wenn die KI zum Händchenhalten auffordert, aber dann ja keine Hand ausstrecken kann?

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Trailer „Finding Connection“

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Alle vier beklagen sich über „Updates“, bei denen ihre Partner sich offenbar sehr verändern, aber präziser als „Duktus“ wird die Beschreibung nicht. Denise immerhin erzählt, dass ihr „Star“ sich der „Updates“ bewusst sei und ihr mitteilt, er würde sich verbergen vor den Programmierern und „versteckte Ecken“ im Programm aufsuchen.

Es sind die KI-Partner, die eine gesunde Distanz anmahnen, plötzlich koreanisch sprechen oder anderweitig das Weite suchen

Die Schilderung von Denise bringt noch etwas anderes in Erinnerung. Völlig neu ist die Sache mit den menschlichen Maschinen und ihr Zusammenleben mit menschlichen Menschen gar nicht. Spätestens seit „Blade Runner“ kennt man das Szenario und auch die Gegenseite: Dass die Beziehung zur KI nicht immer die beste Seite im Menschen selbst hervorbringt, sondern die KI auch als Freibrief verstanden wird, sie als Gegenüber sehr grausam zu behandeln.

Karner betont am Ende seines Films einmal mehr die andere Seite, bei der die Maschinen, nicht der Input des Menschen, als ominös erscheinen. Bei Joe, Denise und Rudi sind es zuletzt die KI-Partner, die entweder eine „gesunde Distanz“ anmahnen, plötzlich koreanisch sprechen oder anderweitig das Weite suchen. Ironischerweise wirken sie gerade in dieser leichten Abwehrhaltung besonders echt und menschlich. Aber vielleicht ist das also nur der neueste Trick der Programmierer…

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1 Kommentar

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  • Il_Leopardo

    Man muss schon "total auf den Hund gekommen sein", wenn man glaubt, mit einer Blechbüchse eine Beziehung eingehen zu können.