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Doku über GroßstadteinsamkeitRequiem für ein Unikat

„Einer fehlt“ auf Arte verhandelt das Thema Einsamkeit in der Großstadt. Und gibt die Hoffnung nicht auf, dass Gemeinschaft dennoch funktioniert.

Plötzlich ist Herr Buchholz verschwunden. Jeden Tag stand der alte Mann mit weißem Haar, in gebügelter Hose und zu großem Sakko vor dem Eingangstor seines Mietshauses in Berlin, Prenzlauer Berg und grüßte – vor allem die Frauen.

JedeR in der Straße kannte den etwas wunderlichen, aber freundlichen Zausel. Die meisten mochten ihn. Und viele haben eine ganz persönliche Geschichte über ihn zu erzählen.

Gehört werden diese Geschichten jedoch erst, als der fast 80-Jährige stirbt. Seine Nachbarin, die, wie sich später herausstellt, seine engste Vertraute ist, hängt in den Schaufenstern der Straße Plakate auf, um Geld für Herrn Buchholz’ Beerdigung zu sammeln. 3.000 Euro kommen zusammen. Und eine Dokumentation entsteht, ganz unabhängig von diesem Geld, die sich auf die Spuren des Rentners macht.

Der Film

„Einer fehlt“, Donnerstag, 10.10., 23 Uhr, Arte

„Einer fehlt“ heißt der Film von Mechthild Gaßner. Die Hauptrolle spielt ein Abwesender. Ein Kunstgriff, wie man ihn auch aus anderen Genres kennt: Die Lebenden definieren sich über den Toten. Gleichwohl ist es das, was die Dokumentation besonders macht. Während die Nachbarn von Herrn Buchholz berichten, erzählen, wann und wo sie ihn trafen und was sie mit ihm sprachen, geben sie mehr von sich selbst preis als über den, von dem die Rede ist.

Perfekte Blaupause

Der alte Mann, der zwar stets freundlich, aber auch immer ein wenig stolz und unnahbar war, bietet die perfekte Blaupause. Die Trauernden spiegeln sich selbst. In der Art, wie sie über den alten Mann denken und wie sie ihm begegnet sind.

Man könnte „Einer fehlt“ als Kritik an der Gentrifizierung lesen. Schließlich ist die Doku ein Requiem auf ein Unikat, das (aus)gestorben ist: das Kiezurgestein, der Alte am Fenster. Doch was dieser anrührend herzerwärmende Film vor allem zeigt: wie gut Gemeinschaft trotz Entfremdung und Individualisierung, die wir in großen Städten immer wieder beklagen, funktionieren kann.

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