Doku Chiles Marktwirtschaft: Die ewige Diktatur
Pinochet machte den Weg frei, um Chile neoliberal umzumodeln. Die Arte-Doku „Chile oder die Diktatur des freien Marktes“ seziert den Wahnsinn.
Es gibt kein Land, in dem die Lehre des reinen Marktes so exekutiert wurde wie in Chile. Mit dem Putsch am 11. September 1973, der sich in wenigen Tagen zum 40. Mal jährt, bekamen die Jünger des wirtschaftsliberalen Ökonomen Milton Friedman und der Nobelpreisträger himself in dem südamerikanischen Land den roten Teppich ausgerollt. Diktator Augusto Pinochet machte – via Folter und Verhaftungen – den Weg frei, um Chiles Gesellschaft einmal komplett neoliberal umzumodeln.
Anlass für die Filmemacherin Diana Seiler hinzuschauen, wie Wirtschaft und Gesellschaft des Landes heute, über 20 Jahre nach dem offiziellen Ende der Diktatur, funktionieren. Ihre Dokumentation „Chile oder die Diktatur des freien Marktes“, die Dienstagabend bei Arte läuft, seziert gelungen den alltäglichen Wahnsinn, der bis heute in der „Chile AG“ herrscht.
Beispiel Wasser: Das Diktaturregime verschenkte kostenlos die Wassernutzungsrechte, den größten Teil an die Industrie. Da es bis heute keine regulierende Instanz gibt und sich der Preis des Wassers ganz allein über den Markt bestimmt, gräbt der expandierende Kupferbergbau in der trockenen Atacamawüste die Trinkwasserversorgung ab – weil er eh schon auf den Wasserrechten sitzt oder sie zu horrenden Marktpreisen dazukaufen kann.
Die Dokumentation „Chile oder die Diktatur des freien Marktes“ läuft am Dienstag, 3.9. 2013, um 23.25 Uhr auf Arte.
Seiler erklärt die komplexen Strukturen des Raubritterkapitalismus gekonnt an weiteren Beispielen wie der privatisierten Bildung, der Energieversorgung und des Bergbaus, benennt Nutznießer und Architekten eines Systems, das seit 2011 auf den hartnäckigen Protest von Jung und Alt, der Unter- und Mittelschicht trifft. Der Dokumentarfilm hilft zu verstehen, warum das so ist: die alltäglichen Zumutungen der wohlhabenden „Chile AG“ sind gar zu obszön und zerstörerisch für das südamerikanische Land.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 330 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert