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Do-It-yourself-Angebote in BerlinWerkeln als aktivistischer Ideengeber

Beim gemeinschaftlichen Reparieren, Basteln und Nähen kommt man auf die besten Ideen. Das zeigt: Auch Werkeln kann linker Aktivismus sein.

Auch in autonomen Jugendzentren kann man sich engagieren: Protest zum Erhalt der Potse 2019 Foto: Klaus Martin Höfer/imago

D ie aktuelle weltpolitische Lage lastet schwer auf dem Gemüt. Viele haben das Gefühl, dringend was tun zu wollen, wissen aber oft gar nicht mehr, was eigentlich. Das kann frustrieren und sogar lähmen. Auch der lange, dunkle und kalte Winter zehrt hart am Nervenkostüm und ist ermüdend.

Ein wenig Produktivität unter Gleichgesinnten in netter Atmosphäre kann den Winterblues möglicherweise etwas fröhlicher stimmen – und den Tatendrang aktivieren. Jetzt, wo der Frühling quasi schon vor der Tür steht, lohnt es sich zum Beispiel, den eigenen Drahtesel ohne funktionierendes Licht oder die zu weit genähte Secondhand-Übergangsjacke wieder fit zu machen – bestenfalls in Gesellschaft und bei Bedarf auch unter fachkundiger Anleitung.

In der Fahrrad-Selbsthilfe-Werkstatt kann jeden Montag das eigene Fahrrad wieder heil gemacht werden. Vorkenntnisse dafür braucht es keine, vor Ort in der kollektiv geführten Selbsthilfe-Werkstatt Plattenladen gibt es Unterstützung (Montag, 16. Februar, Neckarstr. 19, Souterrain im Hof, 18 Uhr).

Gartensaison startet

Wenn im März der Frühling beginnt, startet für die meisten Hob­by­gärt­ne­r:in­nen auch die lang ersehnte Gartensaison. Oft gibt es dabei so viel Ertrag, dass man gar nicht mehr weiß, wohin mit dem ganzen Gemüse und den unzähligen Früchten der Obstbäume. Das Gefühl kennt auch, wer keinen eigenen Garten hat, aber öfter mal größere Mengen an Obst und Gemüse aus einem Container rettet.

Ideal für solche Situationen sind Methoden wie das Fermentieren, Einkochen und Konservieren. Wer lernen möchte, wie so was geht, kann bei einem Workshop vom Torhaus KochKollektiv mitmachen. Nötig ist nur, eigene Gläser mitzubringen und sich vorab hier anzumelden. Beim Kurs im Torhaus werden Kimchi, Marmeladen und weitere Köstlichkeiten hergestellt (Montag, 16. Februar, Columbiadamm 10, 18 Uhr).

Das Näh’n’Nerd Cafe im Vetomat in Friedrichshain vereint zwei Welten: Beim Nerd-Cafe geht es um gemeinsames Fachsimpeln und barrierefreien Tech-Support. Beim NähCafe gibt es Unterstützung beim Nähen. Beide können die eine oder der andere fachkundige Unterstützung gebrauchen. Beim Reparaturcafé in Kneipenatmosphäre sind Lötstation und anderes Werkzeug vorhanden. Zum Nähen gibt es Maschinen und Garn, Stoffe dürfen gerne mitgebracht werden. Die Ver­an­stal­te­r:in­nen freuen sich über eine kleine Spende für die Anschaffung von Materialien (Donnerstag, 19. Februar, Wühlischstr. 42, 19 Uhr).

Bei der Chillgarage in der Zollgarage im alten Flughafen Tempelhof gibt es jeden Freitag Raum für jüngere Besucher:innen, um sich zu treffen, zu entspannen, zu organisieren, zu basteln, zu spielen, Filme zu schauen, zu politisieren und vieles mehr. Das ist auch eine gute Gelegenheit, das Kollektiv des autonomen Jugendzentrums Potse in der Zollgarage mal kennenzulernen. Gerne darf sich dort eingebracht werden. Alle Formen von Diskriminierung sind nicht erwünscht, ebenso wenig wie Drogen und Hochprozentiges (Freitag, 20. Februar, Columbiadamm 10, 16 Uhr)

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Desiree Fischbach
Jahrgang 1984, Magistra Artium Kunstgeschichte/ Theaterwissenschaft, FU Berlin. In der taz seit 2011: Webentwicklung Abteilungsleiterin. Hauptthemen Subkultur und soziale/ politische Bewegungen in Berlin. Foto: Maximilian König

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