Distanz in der Philosophie: Meide die Masse

Philosophen aller Zeiten empfahlen die Distanz. Jetzt kommen wir diesem Ideal zwangsweise näher. Das kann aufregend sein und erhebend.

Ein Mann sitzt hinter einem Absperrband auf einer Bank in der Hamburger Innenstadt.

Hinter Absperrband: einsamer Café-Besucher in der Hamburger City Foto: Christian Charisius/dpa

Die Coronakrise stellt unser System vor ein Dilemma: Gerettet werden kann es nur (wenn man das denn will) mit Mitteln, die diesem System selbst nicht zu entnehmen sind. Das zeigt sich ziemlich deutlich, wenn man die gegenwärtige Situation mit einem anderen Extremphänomen vergleicht: mit den islamistischen Terroranschlägen. Zwei Wochen nach dem 11. September 2001 gab der damalige US-amerikanische Präsident George W. Bush die seither geltende Linie vor. Er ermahnte die amerikanische Öffentlichkeit nicht etwa zu Entbehrung. „Geht shoppen!“, rief er ihr zu und schwor sie auf die üblichen Formen des Vergnügens ein: „Fahren Sie nach Disney World in Florida. Nehmen Sie Ihre Familien mit, genießen Sie das Leben, so wie wir es genießen wollen.“

Disney World ist jetzt aber zu, genauso wie unsere tröstenden Tempel, die Shopping Malls. Selbst den großen Zeitvertreib-Maschinerien, der Olympiade und den Fußballspielen ist die Krise ins Getriebe gefahren, womöglich für lange Zeit, weil, wie die alte Weisheit geht, nach Corona vor Corona ist. Und nicht mal der kleine Konsum ist noch, was er mal war. Für mich vorerst vorbei: das schöne Gedränge auf dem Wochenmarkt, das kurze erregende Gefühl von Nähe, wenn nur eine Kiste rotwangiger Äpfel zwischen zwei Menschen steht … Auch weil der Markt meiner Nachbarschaft im wohlhabenden Hamburger Westen liegt, und ich den meisten Besuchern unterstelle, straight aus den Ischgl-Skiferien kommend ihn längst in eine der wirksamsten Virenschleudern der ganzen Republik verwandelt zu haben.

Wenn aber nicht Konsum und Zeitvertreib tröstet, was dann in dieser Situation? Die beste Antwort, die ich darauf gefunden habe, lautet: die Philosophen. Denn fast alle großen Denker haben uns vor zu viel Nähe gewarnt – und uns jene Distanz empfohlen, die wir nun zwangsweise praktizieren.

Seneca etwa ermahnte seinen Schüler Lucilius, wohlgemerkt in Briefen: „Meide die Masse“, und fügte hinzu: Jedes Mal, wenn er, Seneca, unter Menschen gehe, kehre er gemeiner heim. Blaise Pascal befand im 17. Jahrhundert: „Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen.“ Und Friedrich Nietzsche beschwor Ende des 19. Jahrhunderts im Walliser Sils Maria („6000 Fuß jenseits von Mensch und Zeit“) ein „Pathos der Distanz“, verstanden als „der Wille, selbst zu sein, sich abzuheben“.

Sein Ideal entdeckte Barthes auf dem griechischen Berg Athos. Die Einsiedler dort lebten ganz nach ihrem eigenen Rhythmus

Gewiss, sich zu isolieren, ruhig im Zimmer zu bleiben, muss man sich erst mal leisten können. Das war schon die Einsicht von Virginia Woolf, die in ihrem Essay „A Room of One’s Own“ skandalisierte, dass Frauen durch die Geschichte hindurch zwar das Haus führten, dort jedoch meist kein Zimmer ihr Eigen nennen durften: Wie hätten sie da ihr Leben der Philosophie oder der Kunst widmen können, die doch äußerste Konzentration erfordern, Abgeschiedenheit und Ruhe?

Heute, in der Coronakrise, sind es erneut überwiegend Frauen, denen ein Rückzug nicht möglich ist, weil sie im Gesundheitswesen arbeiten oder an Supermarktkassen sitzen. Und wer auf Hilfe angewiesen ist oder in engen räumlichen Verhältnissen lebt, dem hilft „der Wille, selbst zu sein“ auch nicht gerade weiter. Das gilt besonders in weniger privilegieren Ländern. In Delhi liegt die durchschnittliche Wohnfläche pro Person bei drei Quadratmetern. Den Berlinern fallen im Schnitt immerhin 40 Quadratmeter ­Decke auf den Kopf.

Also ja, Privilegien sind nie außer Acht zu lassen. Und doch halte ich es für eine gute Nachricht in düsteren Zeiten, dass die Philosophie so oft die Distanz gepredigt hat. Vielleicht lassen sich die Wochen sozialer Distanzierung ein klein wenig besser ertragen, wenn man weiß, dass uns die klügsten Köpfe zu dieser Lebensweise seit Jahrtausenden zu überreden versuchen.

Ein wenig liegt diese Sehnsucht nach Distanz dabei im Wesen der Philosophie selbst: Wer die Welt verstehen und beschreiben will, muss sie sich vom Leibe halten. Abstand kann die Erkenntnis fördern. Das bedeutet übrigens auch, dass wir aller Beobachtungsgabe scharfsinniger Virologen und Gesellschaftsanalytiker zum Trotz die Coronakrise erst dann angemessen verstehen können werden, wenn sie hinter uns liegt.

Genauso hilft uns der wachsende zeitliche Abstand, einige Philosophen besser zu verstehen. Zum Beispiel dieser Satz des Franzosen Maurice Blanchot: „Dort, wo sich eine vorübergehende Gemeinschaft zwischen zwei Wesen bildet, die füreinander geschaffen sind oder nicht geschaffen sind, baut sich eine Kriegsmaschine auf, oder besser gesagt, die Möglichkeit eines Desasters, die, wenn auch nur in infinitesimaler Dosis, die Drohung einer universellen Vernichtung in sich trägt.“

Als ich den Satz vor einigen Jahren las, malte ich ein großes Fragezeichen an den Rand, im Sinne von: Okay, zwischen zwei Leuten kann was schiefgehen – aber warum steckt darin, wenn auch nur in winzigster Größe, die Möglichkeit universeller Vernichtung? Jetzt jedoch, wo jede Berührung gemieden wird, scheint mir der Satz eine völlig korrekte und präzise Beschreibung des viralen Prinzips zu sein. Gelangt ein Virus durch die Begegnung zweier Wesen in einen neuen Wirtskörper, vermehrt es sich millionenfach – und bekommt bei jeder Ansteckung aufs Neue millionenfach die Chance, zu einem Erreger mit Killer-Potenzial einer ganz anderen Größe als jetzt zu mutieren.

Allein und doch zusammen

Blanchot schrieb seinen Satz 1983. Er bezog sich auf die Gewalterfahrungen des 20. Jahrhunderts, als (Volks-)Gemeinschaften wie im Nationalsozialismus oder Kollektive wie im Staatssozialismus das Individuum verschlangen. Blanchots Antwort darauf war die paradoxe Idee, dass es eine Gemeinschaft derer geben könne, die keine Gemeinschaft bilden. Allein und doch zusammen – beides zugleich, ohne Widerspruch!

Einen ganz ähnlichen Traum, der vielleicht heute aktueller ist denn je, hegte Blanchots Zeitgenosse Roland Barthes. Er widmete 1977 der Frage „Wie zusammenleben“ eine ganze Vorlesung, deren Manuskript reiches Anschauungsmaterial für alle Formen der Einsiedelei bietet.

Barthes unterschied zwischen dem Leben im Kloster und dem Eremitentum. Das Klosterleben lehnte er ab, er sah in dessen strikter zeitlicher Reglementierung die Fabrik und den modernen Schulbetrieb vorweggenommen. Das Eremitentum dagegen schätzte Barthes hoch. Es bedeutet ihm zufolge „nicht absolute Einsamkeit, sondern eher: Verknappung der Kontakte mit der Welt + Individualismus“.

Eingemauert für 40 Tage

Allerdings ist auch bei dieser Art der Einsiedelei nicht alles einerlei. „Wer sperrt sich am gründlichsten und längsten ein?“, fragte Barthes mit Blick auf die Geschichte des Eremitentums und schilderte eine regelrechte „Olympiade der Askese“. Da war zum Beispiel um das Jahr 400 der Säulenheilige Symeon Stylites. Einen ganzen Sommer verbrachte er bis zum Kopf eingegraben in einem Garten. Auf den Geschmack gekommen, ließ er sich für 40 Tage einmauern. Im Jahr 423 schließlich stieg er auf eine Säule, um fortan 20 Meter über seinen Mitmenschen und näher bei Gott zu leben.

Sein Ideal entdeckte Barthes aber auf dem griechischen Berg Athos. Dort hatte sich eine Form der Einsiedelei entwickelt, für die er den Begriff der Idiorrhythmie fand. Die Einsiedler dort lebten allein oder mit zwei, drei Ordensbrüdern ganz nach ihrem eigenen Rhythmus, waren aber dennoch durch sporadische Treffen in eine größere klösterliche Gemeinschaft eingebunden. Für ­Barthes war das die Utopie eines freien Lebens, das sich genau in der Mitte hält zwischen den repressiven Formen des Klosters, der Schule, der Fabrik und der gleichermaßen repressiven Form totaler Einsamkeit.

Den von Barthes gefeierten eigenen Rhythmus zu finden, ist sicherlich die größte Herausforderung, vor der die meisten von uns dieser Tage stehen. Für die Kinder ist es vielleicht die größte Chance: kein unsinnig frühes Aufstehen mehr! Und keine Dreiviertelstundung der Aufmerksamkeit, die doch auch Erwachsene kaum länger als zehn Minuten aufrechterhalten können, bevor die nächste Zigarette, die nächste Tasse Tee oder die nächste Episode einer Tagträumerei unziemlichen Inhalts fällig ist.

Individualisierter Lernrhythmus

Was die avancierte Pädagogik seit je gefordert hat – eine Individualisierung des Lernrhythmus für Schüler –, setzt das Coronavirus gerade durch. Mein kleiner Sohn hat sich gestern konzentriert von neun bis elf Uhr abends mit der Zahl Pi beschäftigt, immer wieder zwischendurch Liegestütze und Einprügeln auf einen Boxsack. Am Vormittag hat er zweiten Stunden Fortnite gedaddelt. Barthes hätte es gefreut.

Noch einen Schritt weiter ging dessen Kollege Jacques Derrida, indem er über die konkreten Lebensentwürfe hinaus die Kategorien der Nähe und der Distanz gleich ganz vermählte. Derrida tat das am Beispiel der Differenz zwischen Schrift und gesprochener Sprache. Üblicherweise werde angenommen, die Schrift sei nur ein abgeleiteter Ersatz der gesprochenen Sprache – Texte wirkten deshalb weniger kommunikativ als ein Gespräch. Derrida hielt das für ein Missverständnis und argumentierte: Es gebe beides nur zugleich, beides sei gleich viel wert und immer schon miteinander verflochten.

Erogene Distanz

Diesen Gedanken überträgt er in eine ganze „Logik des Supplements“, die darauf hinausläuft, dass der Ersatz genauso befriedigend sein kann wie die Sache selbst. Derrida denkt dabei tatsächlich auch an Masturbation. Ich denke lieber an Videokonferenzen, die neue, beglückende Formen von An- und Abwesenheit erlauben: Ich starre auf den Bildschirm, scheine dem sprechenden Kollegen zuzuhören, lese aber in Wahrheit dessen letzten Text – der interessanter ist als das, was er gerade sagt.

Wo wir aber gerade mit Derrida bei der Sexualität waren: Ganz sicher sind Distanzen wie Verbote erogen. Was wir weit weg und schwer zu erreichen wissen, erregt uns gemeinhin mehr als das Vertraute. Und der Aufschub, die Verzögerung – wer schon mal eine Fernbeziehung geführt oder gefastet hat, weiß davon zu berichten – macht den späteren Genuss oft umso schöner.

Bis es so weit ist, können wir wahlweise das Leben der Eremiten, der Philosophen – oder, wenn uns diese Figuren zu zauselig erscheinen, des Dandys leben. Denn der Dandy, so hat es der Dichter Charles Baudelaire prägnant definiert, „muss leben und schlafen vor einem Spiegel“, in exzessiver Selbstbezogenheit. Vielleicht gab es dafür nie einen geeigneteren Moment als jetzt, wo wir unsere Mitmenschen am besten schützen, indem wir unsere Zimmer nicht verlassen. Mit sich selbst befasst sein und zugleich für alle anderen da sein: Für ein paar Wochen ist das nun kein Widerspruch.

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■ Das neuartige Coronavirus trägt die offizielle Bezeichnung SARS-CoV-2. Es ruft die Krankheit mit dem offiziellen Namen Covid-19 hervor. Der Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar.

Ab Januar 2020 hatte sich das Virus von der Stadt Wuhan in der chinesischen Provinz Hubei her ausgebreitet – inzwischen weltweit.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat die Ausbreitung des Coronavirus am 11. März 2020 zur Pandemie erklärt, also zu einer weltweiten Epidemie.

Alle Artikel der taz zum Thema finden sich im Schwerpunkt Coronavirus.

Eine Pandemie ist eine weltweite Epidemie, also regional nicht begrenzt. Bei einer Pandemie überträgt sich ein neuartiger Virus von Mensch zu Mensch.

■ Da es keine Grundimmunität gibt, keine spezifischen Medikamente und keine Impfung, führt das zu einer hohen Zahl an teils schweren Erkrankungen und Toten. Dies kann unter anderem zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen, wie es beispielsweise in Italien bereits regional zu beobachten war. Deshalb ist das Ziel, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, damit nicht zu viele Menschen gleichzeitig schwer erkranken.

Auf eine weitreichende Beschränkungen sozialer Kontakte hatten sich am 22. März 2020 die Bundeskanzlerin und Regierungschefs der Länder geeinigt. Damit sollte der Anstieg der Fallzahlen verlangsamt und eine Überlastung des Gesundheitssystems möglichst verhindert werden. In den vergangenen Monaten beschlossen Kanzlerin und Länderchefs dann schrittweise Lockerungen. Die Kontaktbeschränkungen bleiben grundsätzlich bestehen. Details regeln weiterhin die Länder. (Hier eine Übersicht der Bundesregiergung zu Regelungen in den Ländern). Im Fall regionaler schneller Anstiege der Infektionszahlen sollen die Behörden vor Ort sofort mit neuen Beschränkungen reagieren.

■ Einen Abstand von mindestens 1,5 Metern soll man weiterhin draußen zu allen anderen Menschen außer der Begleitung einhalten.

■ Ein Mund-Nasen-Schutz muss in ganz Deutschland beim Einkaufen und im Öffentlichen Personennahverkehr getragen werden.

■ Seit Anfang Mai gilt: Angehörige zweier Haushalte dürfen sich grundsätzlich treffen – beispielsweise also zwei Familien oder zwei Wohngemeinschaften. In einzelnen Bundesländern gibt es darüberhinaus Spezialregelungen.

Schulen und Vorschulen sollen unter Auflagen wieder für alle Kinder öffnen.

■ In Kliniken und Pflegeeinrichtungen wurden die Regeln gelockert: PatientInnen oder BewohnerInnen können wieder durch eine bestimmte Person besucht werden.

Alle Geschäfte in Deutschland dürfen unter Auflagen wieder öffnen – ohne Quadratmeterbegrenzung der Verkaufsfläche.

Im Sport ist das Training unter freiem Himmel wieder erlaubt. Freizeitsportler müssen sich aber an bestimmte Auflagen halten. So muss eine Distanz von mindestens 1,5 Metern gewährleistet sein.

Die Fußball-Bundesliga hat die Saison seit Mitte Mai mit Geisterspielen fortgesetzt – zumindest die erste und zweite Liga der Männer. Die Fußballbundesliga der Frauen bleibt hingegen zunächst ausgesetzt. Ab wann Spiele wieder vor Publikum stattfinden, ist noch nicht klar.

Großveranstaltungen bleiben bis zum 31. August verboten.

Bei Restaurants sollen die Bundesländer eine schrittweise Öffnungen selbst regeln. Auch für Kinos, Theater, Hotels oder Kosmetikstudios haben die Ländern die Lockerungen eigenständig zu verantworten.

■ Spielplätze sind unter Auflagen wieder geöffnet – darauf einigten sich Kanzlerin und Länderchefs bereits am 30. April.

Gottesdienste und Gebetsversammlungen sind wieder zugelassen – unter besonderen Anforderungen des Infektionsschutzes. Taufen, Beschneidungen und Trauungen sowie Trauergottesdienste sollen im kleinen Kreis möglich sein.

Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten, Zoos und botanische Gärten können unter Auflagen wieder öffnen.

Aktuelle Fallzahlen zum Coronavirus in Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI).

Eine ausführliche Darstellung der COVID-19-Fälle in Deutschland bis auf Landkreisebene hat das RKI in einem Corona-Dashboard zusammengestellt. Auch gibt es tägliche Situationsberichte heraus.

Internationale Zahlen hat unter anderem die Weltgesundheitsorganisation WHO in einer interaktiven Grafik aufbereitet.

■ Ebenso weltweite Fallzahlen stellt die Johns Hopkins University auf einer interaktiven Karte dar.

■ Die Unterschiede bei den Fallzahlen von RKI, WHO und Johns Hopkins University bedeuten nicht, dass die Zahlen falsch sind. Differenzen ergeben sich vielmehr aus Melde-Verzögerungen und unterschiedlichen Quellen: Dem RKI werden die Fallzahlen von den Gesundheitsämtern über das jeweilige Bundesland übermittelt. Es meldet die Zahlen nach einer Prüfung dann weiter an die WHO – so kommt es zu Verzögerungen. Die Daten der Johns Hopkins University kommen nach eigenen Angaben aus verschiedenen öffentlich zugänglichen Quellen und können daher von jenen Zahlen von RKI und WHO abweichen.

Eine Erkrankung an Covid-19 nach einer Infektion mit dem Coronavirus äußert sich laut Bundesgesundheitsministerium durch grippeähnliche Symptome, wie trockenem Husten, Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Durchfall sowie Schüttelfrost sei berichtet worden.

Die Inkubationszeit beträgt nach aktuellen Erkenntnissen wohl bis zu 14 Tage: Das heißt, dass es nach einer Ansteckung bis zu zwei Wochen dauern kann, bis Symptome auftreten.

■ Wichtig: Infizierte können den Virus schon übertragen, wenn sie selbst noch keine Symptome bemerken.

Der Coronavirus wird vor allem mit einer Tröpcheninfektion übertragen. Laut Robert-Koch-Institut sind theoretisch auch eine Schmierinfektion (über kontaminierte Oberflächen) und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen möglich. Nach bisherigen Erkenntnissen verlaufen mehr als 80 Prozent der Erkrankungen vergleichsweise mild. Wer meint, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollte unbedingt

zu Hause bleiben und zum Telefon greifen. Dann entweder

■ beim Hausarzt anrufen

oder beim

■ Ärztlichen Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117.

Telefonisch gibt es zudem noch weitere Stellen für Informationen:

■ Die Unabhängige Patientenberatung ist zu erreichen unter: ☎ 0800 – 011 77 22

Ein Bürgertelefon hat das Bundesgesundheitsministerium eingerichtet unter: ☎ 030 – 346 465 100

Für Gehörlose und Hörgeschädigte ist ein Beratungsservice des Gesundheitsministeriums per Fax zu erreichen: ☎ 030 – 340 60 66 07, sowie per Mail unter info.deaf@bmg.bund(dot)de und info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Ein Gebärdentelefon mit Videotelefonie findet sich unter: www.gebaerdentelefon.de/bmg/

Die aktuellen Risikogebiete für Ansteckungen hat das Robert-Koch-Institut bis zum 10. April 2020 veröffentlicht. Mittlerweile hat sich Covid-19 weltweit ausgebreitet. Ein Übertragungsrisiko bestehe daher „sowohl in Deutschland als in einer unübersehbaren Anzahl von Regionen weltweit“, schreibt das RKI.

Für Reisende gibt es weitere Informationen zu Covid-19 und Reisewarnungen beim Auswärtigen Amt.

■ Zum Infektionsschutz gibt es auf den Seiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) umfassende Anleitungen zum richtigen Händewaschen, zu den angemessenen Regeln beim Niesen sowie auch Merkblätter zu allgemeinen Hygiene- und Verhaltensregeln.

■ Niesen oder Husten soll man möglichst in die eigene Armbeuge und versuchen, sich seltener ins Gesicht zu fassen.

Händwaschen sollte man regelmäßig und zwar mindestens 20 Sekunden mit Wasser und Seife.

■ Reduzieren sollte man den Kontakt zu anderen Menschen derzeit so stark wie möglich, empfiehlt die BGzA. Wenn man doch in der Öffentlichkeit unterwegs ist, soll man möglichst einen Abstand von zwei Metern zu anderen Menschen einhalten.

■ Das Infektionsschutzgesetz (IfSG) gilt bundesweit einheitlich und bisher richten sich die Maßnahmen der Behörden nach diesem Gesetz, schreibt unser rechtspolitischer Korrespondent Christian Rath in seinem Überblick zur Rechtslage.

■ Die Katastrophenschutzgesetze der Länder sind anwendbar, sofern sich die Lage zur Katastrophe zuspitzen sollte.

■ Die Bundeswehr kann im Rahmen der Amtshilfe heute schon tätig werden, etwa im Sanitätsbereich oder zur logistischen Unterstützung. Im Extremfall kann sie auch im Inland eingesetzt werden, um (gemeinsam mit der Polizei) die öffentliche Ordnung zu bewahren oder wiederherzustellen, etwa wenn geplündert wird oder Krankenhäuser belagert werden.

■ In den „Notstandsgesetzen“ ist das geregelt, zu denen die Artikeln 35, 87a und 91 des Grundgesetzes zählen. Die „Notstandsgesetze“ wurden 1968 gegen den Widerstand der Außerparlamentarischen Opposition (APO) beschlossen.

■ Gerüchte, Falschmeldungen und Verschwörungstheorien über das Coronavirus kursieren derzeit viele.

■ Aufklärung über viele Corona-Falschmeldungen bietet unter anderem der Verein Mimikama.at.

■ Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat in englischer Sprache eine eigene Seite zur Aufklärung von Mythen über den Coronavirus veröffentlicht.

■ Zu den häufigsten Fragen hat das Robert-Koch-Institut ein FAQ zu Corona veröffentlicht.

■ Weitere Fachinformationen finden sich ebenso auch auf einer Überblicksseite des Robert-Koch-Instituts.

■ Verhaltens- und Hygienetipps und ebenso in einem FAQ die häufigsten Fragen beantwortet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Corona-Übersicht auf infektionsschutz.de.

■ Umfassend informieren kann man sich auch beim Bundesgesundheitsministerium.

■ Eine weltweite Übersicht bietet die Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bundesweite Telefonnummern im Überblick:

Ärztlicher Bereitschaftsdienst: ☎ 116 117

Unabhängige Patientenberatung: ☎ 0800 011 77 22

■ Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

Beratungsservice für Gehörlose und Hörgeschädigte: Fax: 030 / 340 60 66 – 07 sowie per Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de / info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de

Gebärdentelefon (Videotelefonie): www.gebaerdentelefon.de/bmg

■ Bei Sorgen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr erreichbar unter: 116 123 sowie 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

■ Infos über Corona auf Türkisch hat die taz in ihrem Text „Koronavirüs Almanya'da“ zusammengestellt.

■ In weiteren Sprachen sammelt die taz Info-Texte under taz.de/coronainfo

■ Hygiene-Infos in weiteren Sprachen bietet die BZgA in Hygiene-Merkblättern unter anderem auf Türkisch “Viral enfeksiyonlar – hijyen korur!“ (PDF) sowie auf Englisch “Viral infections – hygiene works!“ (PDF)

Leichte Sprache: Informationen zum Coronavirus in Leichter Sprache stellt das Bundesgesundheitsministerium zur Verfügung.

Gebärdensprache: Das Bundesgesundheitsministerium beantwortet Fragen mittels Videotelefonie und ist dafür über ihr Gebärdentelefon zu erreichen. Dazu gibt es hier noch mehr Infos. Das Gebärdentelefon ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr sowie am Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar. Ebenso möglich sind Fragen per Fax: 030 / 340 60 66 – 07 oder per E-Mail: info.deaf@bmg.bund(dot)de oder info.gehoerlos@bmg.bund(dot)de.

■ Weitere Sprachen: Kurze Info-Flyer der Johanniter auf Englisch (PDF), Dari (PDF), Arabisch (PDF), Farsi (PDF), Türkisch (PDF), Russisch (PDF), Italienisch (PDF) und Französisch (PDF) hat der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bereitgestellt.

International: Informationen zum Coronavirus in verschiedenen Sprachen stellt zudem die Weltgesundheitsorganisation WHO bereit.

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