Die neue SPD-Spitze: Ausbalanciertes Duo

Esken und Klingbeil bilden die Bandbreite der SPD ab. Doch bei den Zumutungen, die auf die SPD zukommen, wird die Harmonie nicht ewig währen.

Lars Klingbeil und Saskia Esken.

Von außen betrachtet ziemlich perfekt: SPD-Führungsduo Lars Klingbeil und Saskia Esken Foto: Political-Moments/imago

Das neue SPD-Duo sieht von außen betrachtet ziemlich perfekt aus. Auch die Nominierung verlief fast glatt. Diese neue Spitze steht für Kontinuität und sanfte Veränderung. Lars Klingbeil war ja schon als Generalsekretär extrem präsent. Im Grund verändert sich also auf den ersten Blick gar nicht so viel. Esken und Klingbeil scheinen als Dreifachquote Mann/Frau, jünger/älter und rechts/links die Bandbreite der Partei abzubilden. Das ist wichtig: Die Betonung des Gemeinsamen und die Abwesenheit von nervigen Personalquerelen waren Bedingungen für den Wahlerfolg der SPD. Klingbeil wiederum war an der Wahrung des austarierten innerparteilichen Friedens zentral beteiligt. Also alles bestens?

Es gibt ein paar Unwuchten und Ungewissheiten. Nach außen wird der eloquente Klingbeil wohl die prägende Figur sein. Esken, deren mediale Performance schwierig ist, wird im Vergleich zu ihm eher im Hintergrund verschwinden. Damit aber kann die Rechts-links-Balance schnell verloren gehen. Denn auch das Gleichheitszeichen zwischen Esken und dem linken Flügel ist weit prekärer als das zwischen Klingbeil und den sogenannten Pragmatikern. Die Frage lautet: Hat Esken, wenn es Konflikte gibt, den linken Flügel hinter sich? Fehlt es da an Unterstützung, wird es ihr an Durchsetzungsvermögen mangeln. Und die schöne Idee von der ausbalancierten Führung, die Streit managen kann, bleibt Illusion.

Die Auseinandersetzung der Flügel hat derzeit viel weniger Gewicht als noch vor zehn Jahren. Der Frieden fußt auf einem Deal zwischen den Seeheimern und der Parteilinken; Der linke Flügel akzeptierte Olaf Scholz als Kanzlerkandidat, der rechte den Abschied von der Agenda. Dieses Geschäft rechnete sich für beide Seiten. Denn der linke Flügel hatte keinen Gegenkandidaten, der rechte wollte nicht mehr neoliberal sein. Doch in der Ampel-Regierung werden die Karten neu gemischt. Es wird unvorhersehbare Zumutungen für die SPD geben. Ob Klingbeil und ­Esken neben dem neuen Machtzentrum, dem Kanzleramt, ihre Rolle finden, ist offen.

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Stefan Reinecke arbeitet im Parlamentsbüro der taz mit den Schwerpunkten SPD und Linkspartei.

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