Die Wahrheit: Überraschungsparty fürs Ich
Manche Feste sind so feiernswert, dass der Anlass unerheblich und spätestens mit Beginn der Lustbarkeit auch schon vergessen ist.
W ir hatten vor einiger Zeit einen starken Moment. „Lass uns etwas tun, was wir noch nie getan haben!“, flötete ich dem Liebsten zu, der erfreut nickte, bis ich weitersprach: „Lass uns eine riesige Party schmeißen!“
Berauscht von unserer eigenen Kühnheit stürzten wir uns in die Vorbereitungen – und kaum sechs Jahre später war es dann soweit. Doch vor die Party haben die Götter die Discokugeln gelegt, die man aus dem Weg kicken muss. Suche einen geeigneten Ort! Begib dich direkt dorthin! Finde heraus, ob dort eine Band spielen kann! Sind genug Steckdosen vorhanden?
Ja, auch ob ausreichend Stühle und Tische auf die Gäste warten und genug leckeres Essen vorgehalten wird, sollte man penibel überprüfen. Freunden von uns wurde mal eine Woche vor ihrer Riesenparty kalt lächelnd gesagt: „Ihre Buchung? Oh, die haben wir vergessen! Da ist jetzt nichts mehr zu machen.“
Undercover im Wirtshaus
Deshalb konnte der Liebste mich in den vergangenen Monaten nur mit Mühe davon abhalten, täglich beim Wirtshaus unserer Wahl vorbeizufahren, um das gesamte Personal daran zu erinnern, dass eine sehr wichtige Person (ich) demnächst hier eine noch wichtigere Person sein möchte (ichichich!). Ab und zu war ich trotzdem undercover da (ein bisschen ich), um zu checken, ob der Laden nicht noch zur Unzeit in die Pleite segelt.
Der Liebste, der für die Musik zuständig war, kämpfte derweil mit unerwarteten Hürden. Denn wir wussten nicht, dass es für alle niedersächsischen Mixer (Musik, nicht Cocktails) Pflicht ist, am Jimmy Hendrix Revival Festival auf Fehmarn teilzunehmen, gerade dann, wenn sie in Niedersachsen besonders dringend gebraucht werden. Am Ende aber kannte jemand jemanden, der wiederum jemanden kannte, der die Hendrix-Regel noch nicht kannte. Das war knapp.
Aber die Erleichterung hielt nicht lange an, denn nun ging es mit den Gästen los: Die wollten zwar erfreulicherweise zu uns und nicht zu Hendrix, aber sie konnten sich an vieles nicht erinnern. Wo ist das? Ach, nicht in Berlin? Wann ist das? Wie kommt man da hin? Wo bleibt man dann? Ich werde mich demnächst bei den deutschen Hotelzimmer-Tetris-Meisterschaften anmelden und rechne mir gute Aussichten auf einen der vorderen Plätze aus.
Mit Liebe wählten wir vorab die Speisen aus, mit Liebe hatte ich dann alles vergessen, als es endlich losging. Überraschungsmenü für mich selbst! Ein Bonuspunkt in meiner Partyplanung. Unsere Freunde fanden schließlich doch zu uns, hatten gute Laune, haben sich prächtig amüsiert und waren die absolut besten Gäste der Welt. Ich kann sie weiterempfehlen, falls jemand feiern möchte, eine Band und einen Mixer hat, aber sonst noch gar nichts. Nur wenige blieben unangenehm hartnäckig und fragten: „Was feiert Ihr eigentlich?“ Das wussten wir allerdings nach sechs Jahren selbst nicht mehr. Wenn es uns wieder einfällt, feiern wir auf jeden Fall nach.
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