Die Wahrheit: Zum Ersten, zum Zweiten und …
Damit Rechtsextreme nicht Sachsen-Anhalt übernehmen, wird das Bundesland jetzt versteigert.
„Ich bin optimistisch, dass wir ein gutes Ergebnis erzielen“, ruft Bundesfinanzminister und SPD-Chef Lars Klingbeil. „Hochrechnungen zufolge könnte es zweistellig werden. Vielleicht sogar dreistellig. Also im Milliardenbereich. Damit dürfte feststehen: Die Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt fällt aus. Das Land gehört dann nicht mehr zu Deutschland. Das hat dann jemand anders an der Backe.“
Klingbeil steht im Foyer des Bitburger Auktionshauses Dürweiler, geführt von Alfons Dürweiler, zugleich Vorstand im Verein Freunde des Rieslings. In dem kleinen Familienbetrieb geht gleich die spektakulärste Auktion, seit es Auktionen gibt, über die Bühne: Deutschland versteigert Sachsen-Anhalt. Von Sotheby’s bis Christie’s, von normalgroßen bis Tiny-Auktionshäusern wollten alle dabeisein. Klingbeil ließ das Los entscheiden. So bekam Dürweiler, Bitburg, Bäckersgässchen 3, den Zuschlag.
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Inspiriert von Trump
„Wir haben in der Koalition lange debattiert, wie sich verhindern lässt, dass Sachsen-Anhalt nach der Landtagswahl als erstes Bundesland von Rechtsextremen regiert wird. Die Lösung heißt: verkaufen!“, teilt er den Medien mit. Bestätigten Gerüchten zufolge ließ sich die Regierung von US-Präsident Trump inspirieren, der ständig Gegenden kaufen will, von Grönland bis zu den Chagos-Inseln im Indischen Ozean. Motto: Neue Länder braucht der Mann. Das Bundesverfassungsgericht segnete die Auktion in einem sogenannten Heilverfahren ab: „Es geht um die Gesundschrumpfung von Deutschland“, betont der Vorsitzende Richter Henning Schnottke.
Dreißig Bietende füllen nun den Saal, einer ist telefonisch zugeschaltet. Alfons Dürweiler nutzt den Moment und versteigert als Erstes 17 ungespülte Weinhumpen der Rieslingfreunde. „Historisch. Top-Andenken an die Auktion des Jahrhunderts. Nur 30.000 Mäuse.“ Im Nu sind die Dinger unterm Hammer. Dann ruft er Sachsen-Anhalt auf.
Alle Interessenten mussten sich zuvor mit einer Powerpointpräse bewerben, aus der notariell beglaubigt hervorgeht, dass sie keine Gefahr für Restdeutschland darstellen – und Sachsen-Anhalt nicht sofort weiterverticken. Die schlimmsten denkbaren Käufer bewarben sich gar nicht erst. Wladimir Putin ließ sich mit den Worten zitieren: „Warum soll ich für ein Land zahlen, das ich mir eh bald kralle?“ Donald Trump teilte auf Truth Social mit: „Sagt Bescheid, wenn ihr Powerland, oder wie das heißt, verhökert, wo der Dummkopf Merz herkommt. Das kauf ich.“ Auch der aktuell Führende in der Weltrangliste der peinlichsten Figuren der Zeitgeschichte erteilte der Auktion eine Absage: „Mir gehört doch schon alles“, sagte Fifa-Boss Gianni Infantino.
So groß die Spannung ist, so mühsam kommt die Auktion zu Bitburg in Schwung. Im Raum steht der Schätzwert von 10 Milliarden Euro. Sachsen-Anhalt komplett, mit allem Drum und Dran. Niemand hebt die Hand. Dürweiler geht runter auf 1 Milliarde. Dann 500 Millionen. 300. Bei 100 Millionen klingelt sein Handy. Er geht ran, nickt und sagt: „Wir haben 100 Mios. Wer bietet mehr?“ Nun schaukelt sich die Sache hoch.
Lösung für Platzprobleme
Die Bietergemeinschaft Malediven/Philippinen, von Überflutung bedroht und an einem trockenen Exil interessiert, steigt bei 160 Millionen Euro aus. Kaum bietet jemand im Saal, erhöht die Person am Telefon. Der Tschad befürchtet wegen seiner rasant wachsenden Bevölkerung Platzprobleme und träumt von einer Kolonie in Westeuropa, wo der Kolonialismus erfunden wurde. Revanche! Für den Tschad ist bei 400 Millionen Schluss.
Der letzte der im Rennen verbliebenen Superreichen, die sich das Land just for fun gönnen wollen, um es zu vermieten, zu verpachten oder zu versiegeln, erhöht auf 750 Millionen. Dürweiler drückt sein Handy ans Ohr, legt die Stirn in Falten: „Wie bitte? Eine Milliarde – im Kombipack mit Mecklenburg-Vorpommern?“ Dürweiler blickt zu Minister Klingbeil, der in Reihe eins sitzt. Klingbeil nickt. Darauf Dürweiler: „Zum Ersten, zum Zweiten.... zuuuuuum … Dritten!“
Kurz darauf tritt Klingbeil vor die Weltpresse. „Ein einstelliges Ergebnis ist nicht das, was wir erhofft haben, aber was weg ist, ist weg“, sagt er. „Neuer Eigentümer ist Anant Ambani, Tierschützer und Sohn seines Vaters, eines indischen Multimilliardärs.“ Ambanis Plan: Er will die zwei ehemaligen Bundesländer, die sich durch geringe Bevölkerungsdichte auszeichnen, nachhaltig demokratieunschädlich besiedeln. Und das mit vom Aussterben bedrohten Tieren, darunter die Kriegerwespe und die Geburtshelferkröte. „Ein Herz für Tiere!“, ruft Klingbeil glückselig. Eine Lokaljournalistin kräht: „Ein Herz für Biere wär uns lieber.“ Auktionator Alfons Dürweiler verfügt daraufhin eine „Trinkpause“.
Im Anschluss beschließt sein Verein Freunde des Rieslings noch, ihm zum Dank für den Geldsegen aus dem Humpenverkauf ein Denkmal im Bäckersgässchen zu errichten. Bingo auf ganzer Linie.
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