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Die WahrheitPsychologie der Einkaufswagen

Endlich gibt es eine Antwort auf die Frage aller Fragen für Konsumenten im Supermarkt: Warum bringe ich mein rollendes Metallvehikel nicht zurück?

W as im Nachbarschaftssupermarkt des Publizisten Nils Minkmar erst seit Kurzem neu zu sein scheint, ist in meinem Rewe schon lange möglich: die Nutzung der Einkaufswagen, ohne sie vorher per Münze oder Chip auslösen zu müssen.

Minkmar feierte dieses „Ende der Ketten“ neulich in seinem Newsletter als Revolution. Endlich sei Schluss mit dem „Wahnsinn“, sich vor jedem Einkauf der Frage ausgesetzt zu sehen: „Werde ich das passende Geldstück dabeihaben?“ Vorbei auch dieser ganze „Huddel“: „Nach Münzen kramen, sie tauschen, die Kassiererin nerven.“ Wie gesagt: Für mich alles längst kein Thema mehr. Nur diese Frage ist geblieben: Warum bringe ich meinen Einkaufswagen nicht zurück?

Nach den Daten, die die New Yorker Psychologin Hannah Waldfogel für eine Feldforschung über kooperatives Verhalten gesammelt hat, reagieren frisch ertappte Einkaufswagenstehenlasser auf Supermarkt-Parkplätzen mehrheitlich mit „Mir doch egal“, gefolgt von „Die bezahlen hier doch jemanden dafür“ oder „Andere lassen ihre Einkaufswagen auch stehen“.

Nicht wenige geben an, dass sie sie nur mal ausnahmsweise stehen ließen. Oder dass sie einfach zu beschäftigt seien fürs Wegstellen. Oder noch kryptischer: dass sie früher selbst in einem Supermarkt gearbeitet hätten und deshalb jetzt keine Einkaufswagen zurückbringen müssten. Darauf muss man erst mal kommen.

Miese Möglichkeiten

Meine Antwort taucht in dem Datensatz der „Einkaufswagen-Psychologin“, wie sich Waldfogel in einem Tagesspiegel-Interview unwidersprochen bezeichnen ließ, nicht auf. Sie lautet: Wenn ich meine Einkäufe mit dem Auto erledige, bringe ich den Wagen zurück, wenn mit dem Fahrrad, nicht. Warum? Die miesen Fahrradabstellmöglichkeiten! Sie lassen mir keine Wahl.

Während ich als Autler meine Einkäufe denkbar bequem zum überall parkbaren Kfz und quasi direkt in seinen Kofferraum hineinschieben kann, muss ich als Radler erst über den halben Parkplatz eiern, weil ich mein Bike nur an diesem einen, weit entfernten, einsamen Lichtmast dahinten einigermaßen diebstahlsicher anketten kann.

Am Rad angekommen, muss ich es abketten, um es aufständern und meine Sachen in den Satteltaschen verstauen zu können. Wenn ich dann den Einkaufswagen zurückbringen wollte, müsste ich mein Fahrrad erst wieder umständlich anschließen. Oder es eine geschlagene halbe Minute lang unbewacht zurücklassen. Dass das nicht geht, muss ich keinem Radler erklären.

Bei meinem Zweit-Rewe, wo man ebenfalls schon lange nichts mehr in den Schlitz prokeln muss, sind es vom Fahrradparkplatz nur wenige Meter zum E-Wagendepot. Weshalb ich hier meistens den Wagen zurückbringe. Allerdings überkommt mich dann immer dieser kaum zu bändigende Zwang, die ganze Flotte an kettenlosen Einkaufswagen hoch zur viel befahrenen Straße zu schieben, um sie dort, einen nach dem anderen, die leicht abschüssige Fahrbahn hinuntertrudeln zu lassen: Voll die Einkaufswagen-Psychologie vermutlich.

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Fritz Tietz
Autor & Spezialist
Seit zig Jahren Wahrheit-Autor, schreibt, filmt und macht Radio für verschiedene Medien.
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3 Kommentare

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  • Verirrte sich ein Einkaufwagen



    In Bremen in die Wallanlagen...?



    www.weser-kurier.d...e4j793p06plefvc1sp

    • @Mondschaf26:

      "Vor dem Edeka des Grauens



      Wo wer freundlich ist verliert



      Halt ich jeden Abend Wache



      Auf dem Container für Papier" (1)

      Ausgetrickst!

      (1) Aus "Straßenbahn des Todes" von *element of crime*

  • Psylologie



    Nie