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Die WahrheitDas Schweißen der Hämmer

Die Affäre Klöckner-Pilawa wird jetzt fürs Fernsehen verfilmt – mit Anthony Hopkins. Ein tränenreicher und nervenzehrender Schmachtfetzen im ZDF.

Anthony Hopkins aka Hannibal Lecter aka Georg Hurtz Foto: dpa

Die Fernsehsensation des Jahres kommt vom Mainzer Lerchenberg. Das ZDF verfilmt für seine Reihe mit Sonntagabendschmonzetten die Affäre Klöckner-Pilawa. Wie der Sender am Donnerstag mitteilte, wird es um eine von der Öffentlichkeit angegriffene Liebelei gehen. Julia Klöckner heißt in der TV-Romanze Judith Glöckner und wird selbstverständlich von Veronica Ferres gespielt. Jörg Pilawa hingegen erhält den Namen John Pilates und wird von Heino Ferch verkörpert – allerdings mit Perücke.

Er – so viel ist vom Inhalt bereits bekannt – lernt sie bei einem Urlaubstrip nach Cornwall kennen, wohin sie vor der rüden Presse geflohen ist, die sie bis in die Idylle verfolgt. Sie hat ein dunkles Familiengeheimnis, das beide fast ihre Liebe kostet. Aber nach viel Wein und Weinen besiegelt ein Kuss vor dem Sonnenuntergang an der Küste Cornwalls das Happy End. End-Emo gut, alles gut.

Das Besondere an dem Filmprojekt: Drehbuch, Regie und Produktion übernimmt der berühmte Berliner Witz-Anwalt Christian Schertz, was auch der Grund dafür ist, dass die Filmfigur des berühmten Berliner Anwalts Georg Hurtz die eigentliche Hauptrolle ist. Hurtz bewahrt Glöckner vor der Bloßlegung ihrer wahren Wein-Identität und besiegt schließlich vor den Schranken der Justiz seinen ewigen Gegenspieler Jens Weichtal, einen rüden Winkeladvokaten aus dem Großstadtdschungel.

Dargestellt wird Hurtz – und das ist die eigentliche Sensation – von dem britischen Hannibal-Lecter-Mimen Anthony Hopkins, der sich dem ZDF zufolge „freue, den wichtigsten Juristen unserer Zeit geben zu dürfen“. Das Honorar der Hollywood-Ikone zahlt Schertz aus eigener Tasche, um „eine Versachlichung der Darstellung meiner Person in der deutschen Öffentlichkeit herbeizuführen“, so der neue Fernsehmogul.

Gedreht wird ab September 2025 im Hunsrück, in Cornwall und in Berlin. Ausgestrahlt wird die RomCom zu Ostern 2026, selbst wenn das Traumpaar Klöpi dann nicht mehr zusammen ist, wie der Mainzer Sender versichert. Das Kukidentpublikum des ZDF darf sich jedenfalls auf einen tränenreichen und nervenzehrenden Schmachtfetzen zwischen Rosamunde Pilcher und Thomas Harris freuen. Der vorläufige Arbeitstitel lautet: „Das Schweißen der Hämmer.“

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6 Kommentare

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  • Und das findet die taz neuerdings lustig ?

  • Ob DAS eine Affäre ist, liegt wohl im Auge des Betrachters.



    Wäre Frau Klöckner, wie auch immer, nicht in dieses Amt hineingerutscht worden, könnte man es unter P. Lombardi ff. abhaken.

  • Nach dem Lesen dieser harmlosen Glosse habe ich an Wiglaf Droste gedacht. Was hätte dessen Ingrimm hier und heute hervorgebracht?

  • Das Privatleben von Politikern war einmal tabu für die "Qualitätsmedien". Zu denen sich die taz ja auch zählte. Das scheint sich in den vergangenen Jahren abgeschliffen zu haben, allerdings nur, wenn es um solche aus dem Mitte-Rechts-Spektrum handelt. Offensichtlich sind journalistische Werte nur dann von von Gewicht, wenn es sich um Linke oder Grüne handelt (und da auch nur, wenn sie nicht mit Angehörigen der Bundeswehr anbandeln). Im "Kampf gegen Rechts" ist halt alles erlaubt.

  • Oh ja!



    Und Martin Semmelrogge spielt Robert Habeck...

  • Regie anstatt Schertz,

    Fassbinder, no Mertz.