Die Wahrheit: Bundeskanzler Birnenschnaps

Gerade prominente Zeitgenossen wissen durch wechselnde oder besonders aussagekräftige Namensfindungen zu beeindrucken.

Wussten Sie, dass Willy Brandt eigentlich Herbert Ernst Karl Frahm hieß? Um sich vor den Nazis zu retten, gab er sich seinen Kampfnamen und baute in Oslo einen Widerstandsstützpunkt auf. Deshalb hieß der spätere Bundeskanzler wie ein Birnenschnaps. „What’s in a name?“, hatte sich ja schon Shakespeare gefragt.

Und ich frage mich das heute noch. Erstaunt habe ich im Laufe der Jahre beispielsweise notiert, dass die renommierten Nasen Max Raabe, Max Goldt und Max Moor gar nicht mit dem Namen Max zur Welt kamen. Stattdessen: zweimal Matthias und einmal Dieter. Was den Namen Max wohl so attraktiv mache, fragte ich bei ein paar Gläsern Wein eine mit Menschenkenntnis gesegnete Theaterregisseurin. Sie meinte, das liege doch auf der Hand: „Max ist kurz für Maximus, und der ist lang.“ Ich ließ und lasse das unkommentiert.

Schon als Kind war ich von Kampf-, Künstler- und Kosenamen der Prominenz fasziniert, seit ich den Bundesligaspieler Andreas Rainer Neuendorf in der „Sportschau“ gesehen hatte, auf dessen Hertha-BSC-Trikot schlicht der Name „Zecke“ prangte. Nach einem Waldlauf war Neuendorf von einer Zecke gebissen worden, weshalb er mit Blutvergiftung ins Krankenhaus musste. Bei der Rückkehr ins Training rief sein Mitspieler Ulf Kirsten: „Da isse ja wieder, die Zecke!“ So kam Neuendorf zu seinem Supernamen. Fast wie Spiderman.

Um den Namen aufs Trikot zu kriegen, musste der Künstlername jedoch offiziell im Personalausweis eingetragen sein, weshalb Neuendorf ein paar Ölgemälde pinselte und versteigern ließ. Ulf Kirsten wiederum, der Zeckennamensgeber, beendete seine Karriere nach einem Zeckenbiss mit anschließender Borreliose. Notabene: Ich habe in Kolumnen hier schon öfter Unsinn geschrieben, aber die Geschichte stimmt, so wahr ich Cornelius W. M. Oettle heiße.

Zu Beginn seiner Karriere rief man Neuendorf übrigens Regine, weil er genauso viel gequasselt habe wie die damalige brandenburgische Arbeitsministerin Regine Hildebrandt. Wie viel Spitznamenglück kann ein Mensch eigentlich haben?

Am größten war jedoch meine Namensänderungsverzückung, als ich jüngst von den Lewe-Schwestern erfuhr. Auch Sie kennen eine: Die als Sarah Marianne Corina Lewe geborene Sängerin heißt mittlerweile Sarah Terenzi-Fischer, ist jedoch besser bekannt als Sarah Connor. Ihre Schwester Anna-Maria Lewe hieß nach der Heirat eines finnischen Fußballers bis 2012 Anna-Maria Lagerblom, war zudem mal mit Mesut Özil liiert und konvertierte ihm zuliebe zum Islam, weshalb sie den Vornamen Melek annahm, der aber schon wieder passé ist, kennt man sie heute doch als Anna-Maria Ferchichi respektive als Frau des Sprechgesangkünstlers Anis Mohamed Youssef Ferchichi alias Bushido. Von der Abou-Chaker-Familie losgesagt, hängt er nun im Lewe-Clan.

Ganz recht: Bushido ist der Schwager von Sarah Connor. Darauf trank ich dann erst mal einen Willy-Brand.

Die Wahrheit auf taz.de

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Cornelius W. M. Oettle kam in der kältesten Novembernacht des Jahres 1991 in Stuttgart zur Welt und weiß nicht, warum. Zur Überbrückung seiner Lebenszeit schreibt er als freier Autor für alle, die sich ihn leisten können. Seine Tweets aber sind und bleiben gratis.

ist die einzige Satire- und Humorseite einer Tageszeitung weltweit. Sie hat den ©Tom. Und drei Grundsätze.

kari

Wenn Sie bei der taz anrufen, bekommen Sie keine gewöhnliche Warteschleife zu hören. Bei uns liest die Wahrheit ihre Gedichte vor!

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de