Die Wahrheit: Versuch über die Mondfinsternis

Normalerweise ist Donnerstag der Gedichtetag. Aber außergewöhnliche Konstellationen der Himmelskörper verlangen nach Lyrik außer der Reihe.

Foto: Reuters

Blutschattig grau in Wolken hockt

der Mond getrübt im letzten Eck

als nebelfinstrer Schattenfleck.

Sein dämmrig glänzend Dunkeln lockt

die Menschen zum Trabanten hin,

der sich, gehüllt ins Zwielichtkleid,

ganz samten kränzt mit Dunkelheit.

Voll Andacht hebt sich manches Kinn

zum darbend Blick gen Satellit,

den man in prunkend schwerer Pracht

in purpurgoldner Himmelsnacht

erhaben blässlich thronen sieht.

Doch reimt man drüber, klingt’s en gros

nach Nippes, Kitsch und Rokoko

mit „dämmrig samtem purpurgo-

ldnem Wolken-Andacht“-Pipapo.

Echt schade, doch das muss wohl so.

Die Wahrheit auf taz.de

Einmal zahlen
.

ist die einzige Satire- und Humorseite einer Tageszeitung weltweit. Sie hat den ©Tom. Und drei Grundsätze.

Wenn Sie bei der taz anrufen, bekommen Sie keine gewöhnliche Warteschleife zu hören. Bei uns liest die Wahrheit ihre Gedichte vor!

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben