Die Wahrheit: Ikebana Happa Happa

Wenn man die hehre Kunst des Blumenarrangierens mit ganz alltäglichen Bedürfnissen verbindet, kann das erstaunliche Synergieeffekte zeitigen.

Als Wachstumskritikerin bin ich immer offen für Dinge, mit denen ich mir ohne Konsum oder Arbeit die Zeit vertreiben kann. Als ich neulich in einer Kiste mit der Aufschrift „Bitte mitnehmen“ das Buch „Die magische Welt des Ikebana“ entdeckte, schien es, als ließe sich hier ein Fliegenschwarm mit einer Klappe schlagen: Keine Penunze wechselt den Besitzer, ich beseitige Müll und darf endlich die magische Welt des Ikebana kennenlernen, anstatt zum Beispiel die Steuer zu machen.

Ikebana, die japanische Kunst des Blumenarrangierens, soll die Natur in das Leben der Menschen integrieren und dabei die kosmische Ordnung darstellen. Sie basiert auf den drei Linien Himmel, Erde und Menschheit. Es gibt verschiedene Formen der Gestecke, manche müssen bestimmte Winkel berücksichtigen, manche sollen farblich an den Kimono (es geht sicher auch das Etuikleid) der Arrangeurin angepasst werden, damit man später neben dem Gesteck nicht unpassend aussieht.

Ich startete mit ein paar Blättern aus dem Küchenbasilikum. Lange beschäftigte ich mich mit dem passenden Gefäß, in dem ich das Ikebana arrangieren wollte. Zunächst dachte ich an einen Schwamm, aber das Grün biss sich mit dem Topfreiniger-Gelb. Auch meine Vase stellte sich als unpraktisch heraus, weil die Basilikumblätter darin nicht zu sehen waren. Ich entschied mich für einen flachen, weißen Teller, auf dem sie sicher lagen und farblich viel kosmische Ordnung ausstrahlten.

Ich arrangierte sie in einem Kreis, hatte aber das Gefühl, dass noch etwas fehlte. Das Tatehana-Ikebana, las ich, wird traditionell von starken Farbkombinationen bestimmt. Ich entschied mich für Rot, um dem Grün einen komplementären Gegensatz zu geben, und schmückte das Basilikum mit einer Tomate, ebenfalls in Kreisform. Das sah schon viel besser aus, Tomate (Erde) und Basilikum (Himmel). Aber was sollte die Menschheit symbolisieren?

Ratlos fiel mein Auge auf den Kühlschrank. Wurden die Dinge im Kühlschrank nicht vom Menschen gemacht? Und sind nicht alle Wesen auf der Erde gleich viel Wert? Ginge also, dachte ich mit höchster asiatisch-philosophischer Anstrengung, vielleicht nicht auch etwas, das von einem Menschen in Zusammenarbeit mit einem Wasserbüffel hergestellt wurde?!

Ich arrangierte eine Mozzarellakugel nach Art des Rikka-Ikebanas, die aus dem buddhistischen Blumenopfer stammt, in fernöstlichen Scheiben unter den Rest des Gestecks, und goss ein paar Erde, Himmel und Mensch symbolisierende Olivenöllinien darüber. Da ich das fertige Ikebana nach Art des Morimono als Tisch-Arrangement nutzen wollte, stellte ich es direkt neben die kleine Gabel, die auf dem Küchentisch lag, und dekorierte es nach Art des Rikka Shimputai noch ein wenig mit Salz und Pfeffer.

Es passte hervorragend zu meinem rotgrünen Kleid. Allerdings hielt es weniger lange, als ich erwartet hatte. Morgen versuche ich eines aus Sauerkraut und Bratwurst.

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