Die Wahrheit: Wespenliebe, wilde Wut
Donnerstag ist Gedichtetag. Die geneigte Leserschaft darf sich diesmal an einem Poem über ein zur Pflaumenzeit umtriebiges Insekt erfreuen.
An dem Hause hinterm Efeu
hängt ein großes Wespennest.
Wespen sind fast ungefährlich,
wenn man sie in Frieden lässt.
Fliegt nur zu, ihr kleinen Racker!
Baut nur euer Nest recht groß,
mir seid herzlich ihr willkommen,
fühlt euch wie in Abr’ams Schoß!
Nützlich seid ihr – ja, ich weiß das!
Und recht hübsch auch noch dazu,
lustig, schwarz und gelb geringelt,
so – ich lass euch nun in Ruh.
Setz mich an den Gartentisch hier,
schaue zu, was ihr so schafft,
dabei ess ich Pflaumenkuchen
und trink süßen Apfelsaft.
Na, du liebes kleines Wespchen,
hast ein wenig dich verirrt?
Setzt dich auf mein Kuchenstückchen,
welch’s mit Zucker dick paniert?
Ach – sieh da, es kommt ’ne zweite
Wespe zu Besuch heran,
nippt erst kurz am Saft vom Apfel
nimmt sich dann des Kuchens an.
So, ihr Lieben, gerne hab ich
euch bei mir zu Gast gehabt.
Lasst mich bitte nun alleine,
habt genug euch jetzt gelabt.
He-he-he! Zum Donnerwetter!
Was ist los, was wollt ihr hier?
Ganze Wespenhundertschaften!
Los – haut ab, ihr Mistgetier!
Aua! Jetzt wird’s mir zu – aua!
Wart! Euch werd ich … tut das weh!
Was? Du stichst mich in den –
Waaaaarte! Wespenliebe: Nun passé!
Platsch! Der Schlag mit dem Pantoffel
auf den Kuchen mit viel Wucht
tötet zwanzig Stück auf einmal
und treibt andre in die Flucht.
Hol mir eine große Schaufel,
schlag das Nest damit zu Brei.
Mich stör’n keine Wespenstiche,
kämpfe wie ein Samurai!
Bald hab ich das Volk vernichtet
und zerstört das Wespenhaus.
Kehr die Trümmer dann zusammen,
seh wie Streuselkuchen aus.
Na, egal. Jetzt hab ich Ruhe
vor der wilden Wespenbrut.
Leg mich in die Gartenliege
und erhol mich von der Wut.
O, da höre ich Gebrumme!
Was ist das für ein Subjekt?
Ach – sieh da, eine Hornisse!
Grüß dich, edles Raubinsekt!
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