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Die Kunst der WocheDie Begegnung von Original und Bild

Das Bode-Museum setzt sich mit den fotografischen Beständen seiner Skulpturensammlung auseinander. Es geht um Verschiebung und Interpretation.

F otografie erzählt Skulptur“: Die Ausstellung im Bode-Museum hätte Constantin Brancusi gefallen. Wie in der jüngsten Schau der Neuen Nationalgalerie zu erfahren, war dem rumänisch-französischen Bildhauer der Moderne Brancusi bewusst, dass Fotografien ihre ganz eigenen Geschichten von Skulpturen schreiben – deshalb nutzte er selbst schon ganz früh Film und Fotografie, um sein bildhauerisches Konzept zu seinen Bedingungen zu verdeutlichen und reproduktiv zu vermitteln.

Tatsächlich kennen wir die meisten Skulpturen nicht aus Museen, sondern von Bildern. Und dabei ist eine der zentralen, gleichzeitig wenig thematisierten Erfahrungen, dass wir keine Ahnung von der Größe des Objekts haben. Der Einstieg in das Thema über die Vitrine mit der kleinen Schachfigur aus Elfenbein, die die Königin auf ihrem Thron zeigt, ist also goldrichtig. Zumal sich der Fotograf recht eigenwillig auf diesen virtuos ausgearbeiteten Thron konzentriert hat, der in der groß gedruckten Aufnahme als monumentales Prachtwerk erscheint. Die Königin ist nur an ihrer Krone sichtbar, die die massive Rückenlehne überragt.

Und dann verstärkt sich in André Malraux' „Imaginärem Museum“, das uns die Fotografie zur Verfügung stellt, ein Problem, das auch schon eines des realen Museums ist: Das Kunstwerk tritt nicht in seinem ursprünglichen Kontext in Erscheinung. Ursprünglich in Nischen stehend, sind die Skulpturen nun in der Raummitte platziert oder es werden Reliefs aus großer Höhe auf Augenhöhe heruntergeholt – so wie das Lesepult mit Giovanni Pisanos Engelspietà (1245/48-1318) von der mittelalterlichen Kanzel im Dom von Pisa.

Ursprünglich in Nischen stehend, sind die Skulpturen nun in der Raummitte platziert

Fotografien können und sollen zwar gerade im Kontext einer so berühmten Skulpturensammlung wie der des Bode-Museums dokumentarischen Zwecken dienen. Wie die Gegenüberstellung von Original und Bild anhand von acht Skulpturen aus unterschiedlichen Materialien vom 11. bis zum 17. Jahrhundert und ihren Aufnahmen aus dem Bildarchiv des Museums jedoch zeigt, sind sie vor allem eigenständige Interpretationen.

Die Ausstellung

Dieser Gesichtspunkt steht denn auch im Zentrum der Ausstellung. Deshalb kommt die Sprache auf die Fo­to­gra­f:in­nen wie die im Bauhaus-Umfeld aktive Ilse Schneider-Lengyel oder den Amerikaner Clarence Kennedy. Seine Nähe zum Neuen Sehen macht seine vor 1928 entstandene Großaufnahme der „Prinzessin von Urbino“ (2. Hälfte des 15. Jahrhunderts) deutlich. Mika Wißkirchen, seit 2025 Hausfotograf, betrachtet sie 2026 deutlich distanzierter, aber nicht weniger interessiert.

Ein Problem hat diese tadellose, innovative Kabinett-Ausstellung dann doch: Sie ist nur sehr schwer zu finden. Typisch für Berlin gibt es keine Hinweise auf dem Weg dahin. Das wäre den Be­su­che­r:in­nen gegenüber dann doch ein zu großes Entgegenkommen. Beim Raum 218 ist man dann richtig.

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Brigitte Werneburg

Brigitte Werneburg

war Filmredakteurin, Ressortleiterin der Kultur und zuletzt lange Jahre Kunstredakteurin der taz. Seit 2022 als freie Journalistin und Autorin tätig. Themen Kunst, Film, Design, Architektur, Mode, Kulturpolitik.
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