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Deutscher Sieger Amanal PetrosHürdenlauf zum Marathon-Gold

Amanal Petros gewinnt als erster Deutscher EM-Gold im Marathon. Trotz Einreiseproblemen und schwieriger Strecke läuft er in Birmingham zum Meisterschaftsrekord.

Die Voraussetzungen waren nicht so, wie ein Profi es sich wünscht: Dennoch gewann der Deutsche Amanal Petros die erste EM-Goldmedaille über die Marathondistanz. Zuerst galt es, den bürokratischen Hürdenlauf zu bewältigen. Die englischen Behörden stellten sich quer. Es gab offenbar Probleme mit der für EU-Bürger bei der Einreise nach Großbritannien erforderlichen elektronischen Einreisegenehmigung. Erst einen Tag vor dem Start am Sonntag kam Petros in Birmingham an.

Hinzu kam eine komplizierte Strecke, die es den Läufern wegen des Gefälles und der vielen scharfen Kurven schwer machte, in einen Rhythmus zu kommen. Der 31-jährige Gewinner nannte es „den wahrscheinlich härtesten Marathon meines Lebens“. Nach 25 Kilometern konnte sich Petros von der Konkurrenz absetzen und dann mit 2:09:11 Stunden den Meisterschaftsrekord aufstellen.

Dass er sich von all den Widrigkeiten nicht aus dem Konzept bringen ließ, passt zu seinem Lebenslauf. Denn auch die Voraussetzungen für eine solch große Sportlerkarriere sahen zunächst nicht gut aus. Den Laufsport hat er erst als 16-Jähriger für sich entdeckt, nachdem er aus dem von Bürgerkriegen geplagten Äthiopien ohne Familie nach Deutschland geflüchtet war und in Bielefeld bei Pflegeeltern unterkam.

Wenige Monate nach seiner Ankunft nimmt er an einem Volkslauf in Espelkamp teil und gewinnt mit Streckenrekord. Sein Ausnahmetalent ist augenfällig. „Von da an wusste ich, was ich machen will“, hat er einmal gesagt. Von da an lief Petros von Erfolg zu Erfolg. Schnell kann er in seiner Altersklasse mit der nationalen Elite mithalten. Und als er dann 2015 die deutsche Staatsbürgerschaft bekommt, darf er auch international starten. Mit den Jahren wurde der unbegleitete Flüchtling zum Stolz und Vorzeigeathleten der deutschen Leichtathletik.

„Der Sport hat es mir nicht nur erleichtert, die Sprache zu lernen. Die Kontakte mit den Deutschen waren auch wichtig, um Mentalität und Kultur zu verstehen“, hatte Petros bereits früh festgestellt. Schon im Jahr 2020 unterbietet er erstmals den damaligen deutschen Marathonrekord. Bei der Weltmeisterschaft 2025 in Tokio verpasst er die Goldmedaille nur äußerst knapp.

Seine Erfolge erfreuen in Deutschland nicht alle. Im Alltag, berichtete Petros, als er nach dem Gewinn der WM-Silbermedaille von der Tageszeitung Welt zu seinen Rassismuserfahrungen befragt wurde, habe er weitgehend Glück gehabt. Aber ab und an gäbe es rassistische Kommentare, sogar von Läufern, die ihn provozieren wollten. Er erklärt: „Sie werden meine Aufmerksamkeit nicht bekommen. Ich weiß, dass es überall rassistische Leute gibt.“ Mit dem Erfolg, mutmaßte er damals, würden diese Anfeindungen gewiss zunehmen.

In all den Jahren seiner sportlichen Erfolge in Deutschland belastet Amanal Petros immer die große Sorge um seine Familie in Äthiopien. Im Alter von zwei Jahren, als sein Vater ermordet wurde, hatte er die Flucht von Eritrea nach Äthiopien miterlebt. Dort leben seine Mutter und seine zwei jüngeren Schwestern, in der Region Tigray flammen immer wieder bewaffnete Konflikte auf.

Im Jahr 2022 sagte Petros der Frankfurter Rundschau: „Ich habe seit mehr als zwei Jahren keinen Kontakt zu meiner Familie. Ich weiß gar nicht, wo sie sind. Es ist irgendwann eine Grenze erreicht, wo ich nicht mehr weitermachen kann.“

Doch trotz all dieser widrigen Bedingungen ist Petros nach monatelanger harter Vorbereitung auf der Hochebene von Kenia Europameister geworden. „Die letzten zwei Kilometer“, erklärte er am Sonntag, „habe ich versucht, die Atmosphäre zu genießen.“

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