Deutsche Schiffbauer enttäuscht: Energiewende nützt Werften wenig

Die deutsche Schiffbauindustrie hatte auf Aufträge im Zusammenhang mit dem Ausbau der Offshore-Windräder gehofft. Bislang vergeblich.

Ein Hubschiff verlässt den Hafen Mukran auf Rügen

HAMBURG taz | Die politischen Pläne sind gewaltig. In acht Jahren sollen viermal so viele Windkraftanlagen in Nord- und Ostsee aufgestellt werden wie in den zwanzig Jahren zuvor. Vom erhofften Offshore-Boom wollen deutsche Schiffbauer profitieren. Doch noch gebe es keinen politischen Rückenwind, beklagte der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) auf seiner Jahrespressekonferenz am Montag in Hamburg. Angesichts der „riesigen Ambitionen“ der Europäischen Kommission und der Bundesregierung zeigte sich der Verband für die Zukunft eigentlich optimistisch.

Aber noch mangelt es für die Energiewende auf See an allem. „Selbst das einfachste Gerät fehlt“, etwa für den Transport von Mühlenflügeln, sagte VSM-Hauptgeschäftsführer Reinhard Lüken. Zukünftig werde eine komplette Infrastruktur benötigt: Einrichter- und Kranschiffe, Plattformversorger und Kabelleger. Auch für den Rückbau alter Anlagen benötige man Spezialschiffe und ausgebildete Seeleute.

Doch bislang tut sich wenig in den Auftragsbüchern. Zu ungewiss sind die politischen Rahmenbedingungen. Das Windenergie-auf-See-Gesetz steckt im parlamentarischen Prozess fest. Der VSM fordert eine Koppelung von staatlicher Förderung und Wertschöpfung innerhalb der EU. „Es kann doch nicht sein, dass wir den ganzen Mist aus Asien herschippern“, platzte Lüken der Kragen.

In der Vergangenheit gingen im Weltschiffbau immer mehr Aufträge nach Südkorea und China, die ihre Werften mit Abermilliarden subventionieren. Eine Folge: Aktuell hätten deutsche Reeder Neubauten im Wert von 4 Milliarden Euro bestellt, davon 55 Prozent in China und 44 Prozent in Korea. Obwohl die Reedereien durch erhebliche Steuermittel unterstützt werden, so der VSM, verbleibt gerade einmal ein Prozent der Neubauinvestitionen in der EU.

IG Metall aufgescheucht

Den jahrelangen „Substanzverzehr an Schiffbaukapazitäten“ – etwa in Emden und Hamburg – findet der VSM angesichts der erwarteten stark wachsenden Nachfrage besorgniserregend und fordert „eine dringende Korrektur politisch gesetzter Rahmenbedingungen“, um einen unwiederbringlichen Fähigkeitsverlust zu vermeiden. Um den sorgt sich auch die Gewerkschaft.

„Bund, Land und Investoren dürfen die Beschäftigten der MV Werften in Rostock, Stralsund und Wismar jetzt nicht hängen lassen“, fordert Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall. Die Beschäftigten der drei insolventen Werften bräuchten konkrete Zusagen für ihre Zukunft. Für Dienstag hat sich der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Staatsminister Carsten Schneider, zu einem Besuch in Wismar angekündigt.

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