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Brücken im Görlitzer ParkErst kam der Zaun, jetzt brechen die Brücken ein

Die historische Brücke zwischen Treptow und Görlitzer Park soll geschlossen werden. Die Deutsche Bahn kündigt den Pachtvertrag wegen Korrosionsschäden.

Sie verbindet zwei Bezirke zu Fuß und per Rad: Blick auf die Görlitzer Brücke mit dem dahinter liegenden Görlitzer Park Foto: Jörg Carstensen / dpa

Wer im Grünen von Alt-Treptow nach Kreuzberg möchte, der stößt irgendwann auf den Kanal. Eine ehemalige Eisenbahnbrücke quert ihn auf Höhe des Görlitzer Parks, die Görlitzer Brücke. Vier Jahre nach dem Mauerfall hat die Deutsche Bahn sie an den Bezirk Treptow-Köpenick verpachtet. Da, wo vor dem Mauerfall der Todesstreifen war, sind heute Fahr­rad­fah­re­r*in­nen und Spa­zier­gän­ge­r*in­nen unterwegs.

„Wir wollen runter zu den Kirschblüten, hoffentlich blühen die noch“, erzählen zwei Spa­zier­gän­ge­r*in­nen auf Kreuzberger Seite im Görlitzer Park. Dafür müssten sie über die Görlitzer Brücke und dann runter an die Alt-Treptower Uferseite des Kanals Richtung Dreiländereck. Sie erzählen, dass sie auch an anderen Tagen gerne vom Görli aus den Kanal überqueren und dann einfach immer weiter auf der alten Eisenbahnbrücke bis zur Elsenstraße spazieren. Zwischen dicht stehenden Bäumen verläuft dort ein Weg knapp einen Kilometer lang parallel zur Kiefholzstraße, es ist fast wie im Wald.

Das Sand-Kies-Gemisch erschwert die Entwässerung und beschleunigt die Korrosion

Bahn-Sprecher

Der Knies knistert unter den Füßen und Rädern – und macht Probleme. Zumindest laut der Deutschen Bahn (DB): „Das Sand-Kies-Gemisch erschwert die Entwässerung und beschleunigt die Korrosion“, erklärt ein DB-Sprecher. Hauptursache sei der vom Bezirk Treptow-Köpenick auf den Brücken errichtete Radweg. Weil die DB die Verkehrssicherheit auf den vier denkmalgeschützten Brücken gefährdet sieht, hat sie den Pachtvertrag mit dem Bezirk zum 30. Juni gekündigt. Danach werden die Flächen von der Bahn gesperrt.

Jimmy's Falafelstand könnte dann nicht mehr dort stehen, zwischen Spielplatz und Lohmühlen-Wagendorf auf Alt-Treptower Seite gegenüber vom Görlitzer Park. Auf kleinen, blauen Campinghockern sitzen Leute und essen Halloumi-Falafel-Sandwiches – und das seit 2005. Auch die breite, lange Kinderrutsche dort wäre dann weg. Auf die Frage, wie es wäre, wenn die Görlitzer Brücke und der historische Bahndamm auf Treptower Seite gesperrt würden, ruft eine Fahrradfahrerin im Vorbeifahren: „Scheiße!“

Bahn würde den Bezirken die Flächen kostenlos übereignen

Inakzeptabel ist eine Sperrung auch für die Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, Claudia Leistner: „Die Görlitzer Brücken müssen möglichst durchgehend zugänglich bleiben. Das Land Berlin sollte daher kurzfristig eine Zwischenlösung mit der Deutschen Bahn vereinbaren und parallel die Übernahme der Flächen prüfen“, fordert sie.

Dabei sei die Bahn bereit, die Fläche kostenlos zu übereignen, sagt ein DB-Sprecher. Die Gespräche zur Übernahme der Brücken blieben bislang allerdings erfolglos, das sagt die DB der taz, der Bezirk Treptow-Köpenick äußert sich in einer Pressemitteilung ähnlich. Und auf Kreuzberger Seite beschäftigte sich die Bezirksverordnetenvollversammlung Friedrichshain-Kreuzberg am Mittwochabend mit der drohenden Schließung der Brücken und sprach sich in einer Resolution mit großer Mehrheit gegen die Schließung aus.

„Diese Brücke ist gelebte Verbindung zwischen zwei Bezirken. Wer sie sperrt, trennt Wege, die für viele Menschen längst selbstverständlich sind“, sagte Pascal Striebel, Fraktionsvorsitzender der Grünen in der BVV. „Wenn die Brücke einmal gesperrt ist, bleibt sie es im Zweifel jahrelang. Genau deshalb müssen wir jetzt alles daransetzen, dass es gar nicht erst so weit kommt.“ Die beiden Bezirke seien auch miteinander im Gespräch.

Doch anscheinend ist die entscheidende Verbindung auf anderer Ebene nötig. „In dem sehr verdichteten Gebiet wird der Bevölkerung eine wichtige Fläche entzogen. Es muss dringend auf höchster Senatsebene Gespräche zum Erhalt der Zugänglichkeit der Flächen für die Bevölkerung geben“, fordert Treptow-Köpenicks Bezirksbürgermeister. Er habe sich dahingehend schon an Finanzsenator Stefan Evers und Verkehrssenatorin Ute Bonde (beide CDU) gewandt. Womit wir bei einem bewährten Nicht-Erfolgsrezept in Berlin wären: dem Pingpong zwischen Senat und Bezirken.

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