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Demonstration für OleschkyEine Stadt wartet auf Hilfe

In Berlin demonstrierten am Montagabend Hunderte für das von Russland besetzte Oleschky. In der ukrainischen Stadt herrscht eine Hungersnot.

Es waren die lauten und koordinierten Rufe nach der Rettung von Oleschky, die die Straße Unter den Linden füllten und den vergleichsweise kleinen Demonstrationszug kämpferisch wirken ließen. Etwa 350 Menschen zogen laut Ver­an­stal­te­r*in­nen am Montagabend vom Berliner Abgeordnetenhaus zur russischen Botschaft, um auf die humanitäre Katastrophe in der von Russland besetzten Stadt Oleschky im Süden der Ukraine aufmerksam zu machen. Aufgerufen hatte die Nichtregierungsorganisation Vitsche, die Ukrai­ne­r*in­nen in Berlin unterstützt.

In der Stadt Oleschky, die nun seit mehr als vier Jahren unter russischer Besatzung steht, herrscht Hungersnot. Es gibt weder Strom noch Gas, seit Monaten werden Lebensmittel und Medikamente nicht mehr geliefert. Auch mit der Trinkwasserversorgung gibt es Probleme. Die Behörden gehen aktuell von etwa 2.000 Menschen, darunter 50 Kindern aus, die unter der humanitären Blockade leben. Die Straßen rund um die Stadt sind vermint; nach ukrainischen Angaben weigert sich Russland, die Ein­woh­ne­r*in­nen evakuieren zu lassen.

Mileriya Afanasiievska gehört zu denjenigen Einwohnerinnen von Oleschky, die noch die Möglichkeit hatten zu fliehen. Sie ist in der südukrainischen Stadt geboren, hat ihr ganzes Leben dort verbracht und knapp anderthalb Jahre russischer Besatzung überlebt, erzählt sie. Damals sei sie Opfer eines queerfeindlichen Verbrechens der Besatzer geworden. Russische Soldaten hätten sie schwer geschlagen, dabei habe sie mehrere Zähne verloren, so Afanasiievska. Nachdem ihr Haus nach der Sprengung des Kachowka-Staudamms im Juni 2023 überflutet worden sei, habe sie Oleschky verlassen und sei nach Berlin gekommen. Die Demo ist die erste Aktion zur Unterstützung der Ukraine, an der sie in Berlin teilnimmt.

Auch die aus Prag stammende Philosophin Tereza Hendl ist am Montagabend auf der Demo anzutreffen. Sie hat sich bei der Ruta Association mit anderen Wis­sen­schaft­le­r*in­nen zusammengeschlossen, die aus Gesellschaften stammen, die von Russland oder der UdSSR besetzt waren. Für sie steht fest: „Es ist äußerst wichtig, jetzt für Oleschky zu protestieren, wo Menschen im Grunde genommen zu Tode gehungert werden.“

Ukrainisches Militär wirft Lebensmittel mit Drohnen ab

Chris Knickerbocker vom gemeinnützigen Verein Bravery e. V., der Evakuierungsteams in Cherson mit gepanzerten Fahrzeugen und Schutzausrüstung ausstattet, berichtet: „Bis zum Sommer konnten wir Einzelpersonen aus Oleschky noch evakuieren, aber seitdem werden die Menschen dort gefangengehalten.“ Nach eigenen Angaben hat Bravery zusammen mit Partnern vor Ort über 1.000 Menschen aus der Region evakuiert.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag hat das ukrainische Militär insgesamt vier Tonnen Lebensmittel über Oleschky abgeworfen – mithilfe von Fracht- und Aufklärungsdrohnen. „Das ukrainische Militär nutzt Drohnen, die für militärische Zwecke gedacht sind, für humanitäre Missionen – etwas, was eigentlich die UN und andere Organisationen machen müssten“, sagt Knickerbocker.

Doch die Unterstützung durch das ukrainische Militär reiche nicht aus, meint Vladyslava Vorobiova, Vorstandsmitglied von Vitsche und Mitorganisatorin der Demo. Auch andere Organisationen, die sich für Menschenrechte starkmachen, müssten sich für Oleschky einsetzen, so Vorobiova. Die Menschlichkeit stehe gerade auf dem Prüfstand.

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