Deflation in China : Wirtschaftswunder vorerst vorbei
Chinas Wirtschaftskrise ist zum Teil hausgemacht. Das harte Vorgehen gegen Privatunternehmen hat Folgen. Viele Unternehmer schaffen ihr Geld ins Ausland.
U nberechenbar war Chinas Führung auch vor Xi Jinping. Doch von einem Credo konnte man stets ausgehen: Wirtschaftswachstum hat Vorrang. Daraus ließ sich zumindest ein Stück weit das Handeln der KP-Führung ableiten. Das ist unter Machthaber Xi Jinping anders.
Schon in der Pandemie hatte er gezeigt, dass er mit überzogenen Lockdowns bereit war, der Wirtschaft zu schaden – weil er aus nationalistischen Beweggründen keinen Impfstoff aus dem westlichen Ausland beziehen wollte. Nun ist er aus ideologischen Gründen erneut bereit, der Wirtschaft Schaden zuzufügen.
Während weite Teile der Welt unter steigenden Preisen leiden, ist die zweitgrößte Volkswirtschaft in eine gefährliche Deflation gerutscht. Die geplatzte Immobilienblase und die hohe Verschuldung vieler Privathaushalte sind Gründe für diese wirtschaftliche Misere.
Was sich jedoch ebenfalls auswirkt: Chinas hartes Vorgehen gegen Privatunternehmen nicht zuletzt auch aus dem Ausland. Sie fühlen sich zunehmend gegängelt von Machthaber Xis Bestreben, nicht mehr nur die Menschen und die Politik unter seine Kontrolle zu bringen, sondern auch die Wirtschaft. In Scharen verlassen die Unternehmer das Land und bringen ihr Kapital vor der KP-Führung in Sicherheit.
Dabei hat China wie kaum eine andere Volkswirtschaft vom globalen Handel der vergangenen Jahrzehnte und den vielen Investitionen aus dem Ausland profitiert. Zumindest den Handel mit dem Westen hat Xi nun zum Risikofaktor erklärt. Während die Deutschen über einen Abbau der Abhängigkeiten von China diskutieren, vollzieht Xi eine Entkopplung längst. Bis 2025 soll sein Land in den meisten Technologien unabhängig sein, hat er zum Ziel erklärt. Westliche Unternehmen zu vergraulen, ist Teil davon.
Kurzzeitig mag dieses Vorgehen der Wirtschaft schaden. Das nimmt Xi in Kauf, um autark und damit umso mächtiger auf der Weltbühne agieren zu können. Deutsche Unternehmer sollten sich darauf einstellen, dass es für sie mit dem chinesischen Wachstumsmarkt auf Dauer vorbei ist.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert