Debatte um Israel-Teilnahme in Mailand : Wenn Gehirnakrobatik Olympia-Disziplin wäre
Bei jedem Großevent wird aufs Neue diskutiert, ob Israel teilnehmen soll oder nicht. Aber mal ehrlich: Es gibt nur zwei schlüssige Positionen dazu.
D ie Debatte um die israelische Teilnahme an internationalen Großevents ist wahrlich keine neue. Tour de France, Eurovision Song Contest, jetzt die olympischen Spiele in Mailand und Cortina. Jüngster Debatten-Trigger ist ein kritischer Kommentar des Schweizer Sportjournalisten Stefan Renna. Während eines olympischen Bob-Rennens stellte er infrage, dass der israelische Fahrer Adam Edelman zur Teilnahme zugelassen ist, obwohl dieser sich mehrfach öffentlich positiv über die israelische Kriegsführung in Gaza geäußert hat und somit Israels Kriegsverbrechen legitimiert.
Was danach passierte, war erwartbar. Rennas Aussagen sorgten für Negativ-Schlagzeilen inklusive Buzzwörter wie Antisemitismus und Israel-Hass, Israels Olympia-Komitee fordert Konsequenzen für den Journalisten und sein Sender, der öffentlich-rechtliche RTS, hat den Kommentar inzwischen sogar aus dem Stream entfernt.
Man mag zu dem Thema eine andere Meinung vertreten als Renna –aber so ehrlich sollte man dann doch sein: Die Frage, die er stellt, ist völlig legitim. Immer wieder haben sich etwa deutsche Kommentatoren während der Spiele minutenlang darüber ausgelassen, ob russische Sportler*innen unter neutraler Flagge teilnehmen dürften, obwohl sie in den sozialen Medien staatsnahen Content gepostet haben. So weit, so richtig. Aber warum zur Hölle sollte man die Frage nicht im Kontext von Israel stellen dürfen – einem Land, das in der Westbank und Gaza täglich das Völkerrecht bricht?
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Eigentlich gibt es doch nur zwei schlüssige Positionen zu dem Thema. Entweder man gesteht ein: Olympia ist von Grund auf politisch und wird von (allen) Ländern genutzt, um sich auf internationaler Bühne darzustellen. Ländern, die wiederholt das Völkerrecht brechen, sollte diese Möglichkeit genommen werden. Dann aber muss das für alle gelten, auch für Staaten wie Israel oder die USA.
Olympia ist durchzogen von staatlicher Selbstdarstellung
Oder man argumentiert: Olympia sollte möglichst unpolitisch sein. Deshalb sollten die Sportler*innen aller Länder die Chance auf eine Teilnahme haben, unabhängig von ihren persönlichen politischen Meinungen und der Politik ihrer jeweiligen Regierungen. Diese zweite Position ist zwar etwas realitätsfremd – denn Olympia ist durchzogen von staatlicher Selbstdarstellung –, sie wäre aber als Idealvorstellung wenigstens konsequent.
Zu behaupten, die Teilnahme russischer Sportler habe einen propagandistischen Charakter und legitimiere die russische Politik, die Teilnahme israelischer Sportler sei aber politisch neutral und deshalb unbedenklich, ist völliger Quatsch. Wäre Gehirnakrobatik eine Olympia-Disziplin, ließe sich mit dieser Argumentation sicher eine Medaille gewinnen.
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