Debatte über Maskenpflicht: Altmaier warnt vor Übermut

Der Wirtschaftsminister spricht von einer Lockerung der Maskenpflicht im Einzelhandel bei 100 Neuinfektionen pro Tag. Von dieser Schwelle ist Deutschland weit entfernt.

Bundeswrtschaftminister Peter Altmaier im pinken Hemd legt sich einen Mund-und-Nasenschutz an

Aktuell lieber noch mit Maske einkaufen, meint Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier Foto: Kay Nietfeld/dpa

FRANKFURT/MAIN afp | Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat eine Debatte über die Bedingungen für Lockerungen der Maskenpflicht im Einzelhandel angestoßen. Altmaier brachte am Samstag in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine Schwelle von 100 Neuinfektionen pro Tag ins Gespräch. Er warnte zugleich, für eine „generelle Abschaffung“ sei es „eindeutig zu früh“.

Altmaier sagte zu Klagen über die Maskenpflicht im Einzelhandel: „Solange wir im Durchschnitt täglich mehrere hundert neue Infizierte haben, wird sie überall bleiben müssen, wo der Mindestabstand von eineinhalb Metern nicht eingehalten wird.“ Auf die Frage, ob dies bei weniger Neuinfektionen ein Ende der Pflicht bedeute, antwortete er, es gebe keinen Automatismus.

„Übermut und dadurch ausgelöste neue Infektionswellen schaden der Wirtschaft am Ende am meisten“, warnte der Wirtschaftsminister. Zugleich stellte er Lockerungen in Aussicht: „Wenn wir bei den Infektionen dauerhaft zweistellig sind, müssen Mediziner und Politik neu nachdenken.“

Noch zu viele Neuinfektionen täglich

Noch ist Deutschland allerdings weit von einer Schwelle von 100 Neuinfektionen pro Tag entfernt: Das Robert-Koch-Institut meldete am Samstag 378 neue Corona-Infektionen. In Deutschland wird schon seit längerem darüber diskutiert, ob und wann die Maskenpflicht gelockert werden könnte. Anfang Juli waren Vorstöße aus Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen zu einem Verzicht auf die Pflicht im Einzelhandel allerdings auf breite Kritik gestoßen.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek mahnte in der Debatte um die Corona-Schutzmaßnahmen: „Wir sollten jetzt nicht alle denkbaren Möglichkeiten der Lockerungen ausreizen, sondern immer mit einem gewissen Sicherheitspuffer handeln.“ Es gebe keinen Grund zum Leichtsinn: „Wir müssen an der gegenwärtigen Maskenpflicht und den Abstandsregeln festhalten.“

Auch der Kandidat für den CDU-Vorsitz, Norbert Röttgen, wandte sich dagegen, die Maskenpflicht in Deutschland zu lockern. „Wir sind noch nicht durch mit der Pandemie, der Sommer mag da etwas trügen“, sagte Röttgen den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Distanzhalten, Maskentragen und Händewaschen seien die wirksamsten Schutzmaßnahmen. „Der Mund-Nase-Schutz mag lästig sein, wirklich belastend ist er aber nicht“, zeigte sich Röttgen überzeugt.

Auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt warnte vor zu schnellen Lockerungen. „Wir dürfen nicht übermütig werden und müssen weiter wachsam bleiben“, erklärte Göring-Eckardt. „Auch wenn die Masken manchmal nerven, sind sie gerade auch ein Zeichen von Solidarität.“

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