Debatte über FFP2-Masken: Bloß nicht überschätzen

Fast alle Maßnahmen gegen das Virus sind inzwischen ausgereizt. Eine FFP2-Maskenpflicht verfährt allein nach dem Prinzip Hoffnung.

fünf FFP2 Masken hängen auf der Wäscheleine

Die FFP2-Maske ist eine trügerische Hoffnung auf mehr Sicherheit Foto: photonews/imago

Es war von der Bundesregierung sicher gut gemeint, das Bund-Länder-Treffen auf den Dienstag vorzuziehen. Die meisten Menschen sehnen sich in dieser andauernd schwierigen Lage nach nichts so sehr wie nach klaren Informationen. Wann wird wieder Normalität einkehren? Wann kann ich meinen Laden wieder öffnen? Meine Kinder wieder in die Schule schicken? In den Urlaub fahren?

Keiner weiß es, und doch sollen diesen Dienstag Antworten geliefert werden: darauf, was zu tun ist, um die Pandemie in den Griff zu bekommen, die Ausbreitung der mutierten Variante einzudämmen, Ansteckungen wieder nachvollziehbar zu machen. Mi­nis­ter­prä­si­den­t*in­nen wie Kabinettsmitglieder lassen sich damit zitieren, dass an der Verlängerung des Lockdowns kein Weg vorbeiführe.

Aber die eigentliche Frage ist: Wird es Verschärfungen geben? Und in welchen Lebensbereichen sind diese überhaupt noch möglich? Die meisten Maßnahmen betreffen das Privatleben. Aber da geht noch was: nächtliche Ausgangssperren bieten die Möglichkeit, Bür­ge­r*in­nen ohne viel Aufwand auf verbotene Besuche außerhalb des eigenen Hausstandes hin zu kontrollieren. Doch auf der anderen Seite der Gleichung steht das Szenario der schwindenden Akzeptanz der Maßnahmen in der Gesellschaft. Die Kosten-Nutzen-Rechnung dürfte gegen eine solche Ausgangssperre sprechen.

Eine weitere Möglichkeit betrifft das Homeoffice. Hier sind die Betriebe und Behörden gefragt. Denn die Zahlen zeigen, dass weniger Menschen im Homeoffice arbeiten als noch im ersten Lockdown. Vor allem Linke fordern deshalb, man müsse endlich die Betriebe zwingen, die bislang davor zurückscheuten, ihre Mitarbeitenden mit der nötigen Infrastruktur zu Hause auszustatten. Doch auch da schlägt Po­li­ti­ke­r*in­nen Abwehr entgegen, etwa von Arbeitgebervertretern.

Da scheint die FFP2-Maske ein Objekt zu sein, auf das sich alle einigen können – der kleinste gemeinsame Nenner. Sie scheint für die meisten eine so niedrige Hürde darzustellen, dass ein Ministerpräsident Söder sie mit der Verve des wild Entschlossenen fordern kann. Doch Ex­per­t*in­nen warnen davor, die FFP2-Maske zu überschätzen. Auch wenn längst belegt ist, dass das Infek­tionsrisiko drastisch sinkt, hängt das immer noch davon ab, ob die Maske richtig getragen, regelmäßig getauscht wird, die Kopfform nicht zu sehr von der Norm abweicht oder ob man einen Bart trägt.

Die Maske ist nicht mehr als eine bloße Hoffnung: besser als nichts, aber kaum mehr als eine Zwischenforderung, die den Menschen nicht zu viel abverlangt und ihnen gleichzeitig das Gefühl vermitteln soll: Wir tun was für Ihre Gesundheit.

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Interessiert sich für Brasilien, Bayern, Balkan. Studium Lateinamerikanistik in Berlin und Buenos Aires, danach Ausbildung an der DJS.

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