Datenbank zu häuslicher Gewalt in China: Schutz oder Pranger?

Im chinesischen Yiwu können sich Frauen bald in einer Datenbank informieren, ob ihr künftiger Ehemann wegen häuslicher Gewalt verurteilt wurde.

Zwei Frauen checken ihr Smartphone

„Und deiner?“: Straßenszene in Peking Foto: Mark Schiefelbein/ap/dpa

Wen man da eigentlich geheiratet hat, fragen sich wohl viele früher oder später nach der Eheschließung. Damit man sich künftig nicht an einen gewalttätigen Ehemann bindet, will Yiwu nun am 1. Juli eine Datenbank bereitstellen, in der alle Täter:innen des Landes erfasst werden, die seit 2017 wegen häuslicher Gewalt schuldig gesprochen, zu einer Haftstrafe verurteilt wurden oder eine einstweilige Verfügung bekommen haben. Dies wurde auf der stadteigenen Webseite bekannt gegeben, der Guardian berichtete.

Häusliche Gewalt ist ein enormes Problem: In Deutschland beispielsweise wird etwa jede vierte Frau mindestens einmal Opfer von Gewalt durch ihren (Ex-)Partner. Noch gibt es zwar keine konkreten Zahlen, doch erste Studien zeigen, dass die Fälle in der Coronakrise weltweit noch zugenommen haben: Während des Lockdowns bekommt kaum eine:r mit, was zu Hause passiert, Beratungs- und Hilfeangebote sind überlastet, Frauenhäuser überfüllt.

Das eigene Zuhause ist und bleibt der gefährlichste Ort für Frauen. Dagegen müssen Maßnahmen unternommen werden, klar, doch eine Datenbank von Straf­täter:innen kann nicht die Lösung sein.

Die künftige Datenbank ist die erste dieser Art in China und erinnert an die Praktik in den USA, wo die Wohnorte verurteilter Sexualstraftäter:innen öffentlich einsehbar sind. Recht auf Resozialisierung sieht anders aus.

Missbrauch lässt sich kaum verhindern

Um eine Datenanfrage zu stellen, wird in Yiwu zwar die eigene ID und die des Partners benötigt, doch Missbrauch lässt sich damit nicht verhindern. Denn wie soll überprüft werden, ob wirklich die Partner:in nach Informationen sucht oder doch der künftige Arbeitergeber:in oder Vermieter:in.

Die Einteilung in „gute“ und „schlechte“ Ehepartner verschleiert zudem das strukturelle Problem der Gewalt gegen Frauen und wälzt es auf Individuen ab. Die meisten Fälle von häuslicher Gewalt werden nicht polizeilich erfasst.

Viel wirksamer als eine neue Form der Überwachung wäre es also, gegen die Struktur zu kämpfen. In Form von Präventionsarbeit bei Jugendlichen, Sensibilisierung von (Polizei-)Behörden und vor allem mehr finanzielle Ressourcen für Frauenhäuser und andere Hilfsangebote. Und das weltweit.

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