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Das IOC und TrumpVor dem Despoten in den Goldstaub schmeißen

Nicht nur die Fifa, auch Kirsty Coventry und ihr IOC geben sich demütig gegenüber Donald Trump. In politische Dinge könne man sich nicht einmischen.

Herz und Arme weit offen für Donald Trump: IOC-Präsidentin Kirsty Coventry Foto: Cyril Zingaro/KEYSTONE/dpa

E rst kommt dieses Jahr die Fußball-WM in die USA und zwei Jahre später die Olympischen Spiele. Die Frage liegt nahe, wie IOC-Chefin Kirsty Coventry die Faschisierung der USA durch Trump beurteilt; und auch, was sie zur Katzbuckelei ihres Fifa-Kollegen Gianni Infantino zu sagen hat.

Die Antwort ist schnell erzählt: Nichts. Mit dem Weißen Haus gebe es „keine formale Kommunikation“ über Venezuela oder Grönland, sagt Coventry. Und was Gianni Infantino anbelangt: „Er hat ja in ein paar Monaten seine Weltmeisterschaft. Da wäre ich überrascht, wenn es keine gute Beziehung geben würde.“ Dazu erstens: „seine Weltmeisterschaft“? Ist das jetzt so eine private Partyveranstaltung von so ein paar Scheckheftwedlern und ihrer Claqueure?

Zweitens: „gute Beziehung“? Was soll man sich darunter vorstellen? Gianni Infantino könnte nur dann noch unterwürfiger sein, wenn er auf einer eigens dafür inszenierten Pressekonferenz im Blitzlichtgewitter an einem von Trumps alten Hausschuhen lecken würde. Er hat einen extra Friedenspreis erfunden, um diesem selbstbesoffenen alten Mann das Ego zu pudern.

Da Trump jedes Mal ausflippt, wenn auf Fotos seine Hände zu klein aussehen, ist davon auszugehen, dass die Trophäe derart entworfen wurde, dass Trumps Fingerchen wirken wie von Michelangelo geformt. Noch 2025 sagte Infantino, dass Trump den amerikanischen Traum Wirklichkeit werden lasse und dass dieser Traum nicht nur für Ame­ri­ka­ne­r*in­nen unerlässlich sei, sondern für alle Menschen. Seit Trump diesen Traum nach Venezuela gebracht hat, nach Portland, nach Michigan, ihn nach Grönland zu bringen droht, sagt Gianni Infantino was genau?

„Nicht einmischen“

Er sagt nichts. Dafür wird ihm aber sicher Kirsty Coventry aus der Seele sprechen, wenn sie verlautbaren lässt, das IOC könne sich gar nicht „direkt in politische Angelegenheiten oder Konflikte zwischen Ländern einmischen, da diese nicht in seinen Zuständigkeitsbereich fallen“. Natürlich, es geht nur um die Spiele. Und was das anbelangt, laufe in den USA „alles in die richtige Richtung“.

IOC und Fifa haben sich schon in der Vergangenheit einen Wettbewerb darum geliefert, wer sich am demütigsten vor irgendwelchen Despoten in den Goldstaub schmeißen kann. Denkbar, dass Trump auf die Idee kommt, er sei ja der größte Athlet aller Zeiten, und dass er deswegen bei der Eröffnung der Spiele in Los Angeles das Feuer entfachen darf. Wahrscheinlich werden sie ihm zu dem Anlass eine extrakleine Fackel anfertigten, damit auch dann seine Hände glorious aussehen.

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