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Daniel Kehlmanns „Lichtspiel“Besser im Film als an der Front

Wie arrangierte sich der Regisseur G. W. Pabst mit den Nazis? Damit beschäftigt sich Daniel Kehlmann im Roman „Lichtspiel“, den es nun als Hörspiel gibt.

Im Strudel des NS: Zeichnungen zum Hörspiel „Lichtspiel“ Foto: DLF

Hat der Filmregisseur G. W. Pabst für seinen Film „Der Fall Molander“ KZ-Insassen benutzt? 1944 in Prag gedreht, gilt der Film als verschollen und wurde nie aufgeführt. Diese Lücke reizte den deutschen Schriftsteller Daniel Kehlmann so sehr, dass er den Film ins Zentrum seines so umstrittenen wie erfolgreichen Romans „Lichtspiel“ stellte.

Kehlmann beschäftigt die Frage, wie sich der Filmemacher, der zu den großen Namen der Weimarer Republik zählt und mit Greta Garbo Kassenschlager wie „Die freudlose Gasse“ (1925) drehte, in der Nazidiktatur zwischen Opportunismus und Kunst durchlavieren konnte.

In Kehlmanns Roman rumpeln Fakt und Fiktion so durcheinander wie die Wäsche in der Waschmaschine. Nicht alle fanden deshalb die Ideen des Autors gelungen und legitim: Die Enkelin von Pabst beispielsweise erwirkte vom Rowohlt Verlag, dass im Vermerk jedes Buches steht, dass der Regisseur keinen Sohn namens Jakob gehabt habe und über „Der Fall Molander“ so gut wie nichts bekannt sei.

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Nun wurde der Roman vom Deutschlandfunk als vierteiliges Hörspiel mit bekannten Schau­spie­le­r*in­nen wie Fabian Hinrichs und Bibiana Beglau produziert. Neben der angenehmen Musik – Krimigeige, Psychoklavier und die durch die TV-Serie „Babylon Berlin“ geprägte atemlose Beatbeschleunigung – besteht eine der stärksten Szenen aus dem Ende des ersten Teils: der Auflistung der Künstler rund um G. W. Pabst, die dem tödlichen NS-Terror nicht entkamen.

Eine andere stark gespielte Szene, vielleicht die beste des ganzen Hörspiels, ist die, in denen wir dem Leseklub der Ehefrauen einflussreicher Männer zuhören. Die reden zwar „nur“ von Büchern, aber dabei so gnadenlos wie die Nazis im Urteil über ihre Opfer.

Das Hörbuch

„Lichtspiel“, vier Folgen in der Mediathek des DLF

Die Stimmung, die „Lichtspiel“ durch die intensiven Szenen, die knappen, kaltblütigen Dialoge und die Musik erzeugt, vermittelt eine gespenstische Aura, die die Künst­le­r*in­nen umgibt, die mit dem NS ideologisch nichts zu tun hatten und haben wollten, aber kollaborierten, um zu überleben. „Es ist besser, als an der Front zu sein“, sagt Pabsts Assistent Franz Wilzek einmal am Set.

Das Hörspiel folgt in der Erzählstruktur dem Roman. Die sich überlappenden Ebenen von Fakten auf der einen und Einbildungen und Fieberträume auf der anderen Seite führen dazu, dass man immer wieder mal den Faden verliert.

So wie auch G. W. Pabst zwischen Nazis und Hollywood den Faden verloren hatte. Die Filme, die er im NS machte, sind kein Ruhmesblatt. Umso interessanter sind die Filme, die er nach 1945 produzierte und in denen er sich mit dem Antisemitismus und dem NS auseinandersetzte. Pabst starb 1967 mit 81 Jahren.

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