CumEx als Krimihörbuch: Die Armen ausquetschen
Im Krimi „Die Summe aller Dinge“ greift Oliver Bottini den CumEx-Skandal auf. Das liest sich nicht nur spannend, sondern hört sich auch sehr gut an.
Vor Jahren kam eine Klasse einer italienischen Privatschule zu Besuch in die taz. Als Italienischsprachiger durfte ich etwas über unsere kleine Zeitung erzählen. In der Fragerunde wollte die Lehrerin wissen, wie denn wir Linken auf die Schuldenkrise der Staaten blickten. Wie es manchmal so ist, war ich nicht geistesgegenwärtig genug, die Frage an sich zu hinterfragen. Darüber ärgere ich mich noch heute.
Denn ich weiß ganz genau, was ich hätte antworten sollen: dass nämlich nicht von einer Schulden-, sondern von einer Einnahmekrise zu sprechen sei, die u. a. dadurch verursacht werde, dass Eltern, wie die der vor mir sitzenden supersymapthischen Schüler:innen, ihr Geld in private Schulen steckten, anstatt angemessen Steuern zu bezahlen, damit alle Kinder in den Genuss einer so hervorragenden Bildung kämen.
Und der politische Diskurs hat seitdem nicht aufgehört, sich ums Sparen bei den eh schon Armen und Ohnmächtigen zu drehen anstatt ums Einnehmen von denen, die den Hals nicht voll bekommen.
„Die Summe aller Dinge“
21 Folgen bei ARD Sounds
Der Schriftsteller Oliver Bottini richtet nun in seinem Kriminalroman „Die Summe aller Dinge“ den Blick auf den CumEx-Skandal. Und eine SWR/HR-Produktion lädt dazu ein, weiterzuhören, wenn einem beim Lesen die Augen zufallen.
Zulasten der öffentlichen Hand
Finanzverbrechen sind selten Thema der Kriminalstatistik, obwohl sie die Justiz stark beschäftigen. Besonders deutlich, schreibt Ex-Staatsanwältin Anne Brorhilker, die von der Sache mehr versteht als die allermeisten, werde das „bei sogenannten Tax Trades, zu denen CumEx- und CumCum-Geschäfte zählen. Ihre Profite stammen einzig aus Steuervorteilen zulasten der öffentlichen Hand.“
Bottini steigt hart mit Mord und Selbstmord ein, bringt seine Figuren uns nahe. Die Opfer sind Täter, und die Kinder haben Menschen geliebt, die wenig Liebenswertes getan haben. Womit wir wieder bei unseren Privatschülern sind, die, wenn sie für eine bessere Welt eintreten wollen, bei sich zu Hause anfangen müssen.
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