Coronademo in München: Eingekesselt auf dem Marienplatz

Eigentlich sind in München jegliche Versammlungen mit Coronabezug verboten. Trotzdem gingen am Mittwochabend Tausende auf die Straße.

Am Marienplatz in München kesselt die Polizei ein

Eingekesselt am Marienplatz: Demonstranten gegen Coronamaßnahmen Foto: Thomas Vonier/imago

MÜNCHEN taz | Mittwochabend auf dem Odeonsplatz. Während sich die Impf­geg­ne­r*in­nen zu einem erneuten „Spaziergang“ auf Telegram organisieren, hat das Bündnis „München solidarisch“ zu einer Gegendemonstration aufgerufen. Es versammeln sich über 400 Menschen, sie halten Schilder, schwenken Fahnen.

Als die Veranstaltung beginnt, tönen schon die ersten Störrufe von der Seite, dazwischen Kindergeschrei. Der „Spaziergang“ scheint sich durch die Stadt zu bewegen, kleinere Gruppen sind Richtung Marienplatz unterwegs. „Freiheit“ schreit jemand in die Nacht, „Widerstand “schallt es hinterher. Gegenreaktionen von der anderen Seite des Absperrbandes.

Der Protest gegen die „Querdenker*innen“ ist vielfältig. Johannes vom jungen Forum der deutsch-israelischen Gesellschaft betont an diesem Mittwochabend, dass eines aber alle eine: man wolle gemeinsam und solidarisch durch die Pandemie kommen. Lärmende „Spaziergänger*innen“ rechts und links, sie rufen Freiheit, Widerstand und Beleidigungen. Eine Polizeikette stellt sich zwischen sie und die Demonstrant*innen, über der Stadt ein kreisender Hubschrauber, gegen 19 Uhr das erste Mal Blaulicht. Mehrere Einsatzwagen verschwinden in den Gassen.

Seit mehreren Wochen gehen in München zahlreiche Menschen „spazieren“. Sie demonstrieren für „Frieden und Demokratie“ und sie sind unzufrieden mit den Coronamaßnahmen, der Impfung, der Politik. In der vergangenen Woche sind in München einige dieser „Spaziergänge“, wie die Teil­neh­me­r*in­nen ihre Proteste selbst nennen, eskaliert. Hunderte Menschen waren auf der Straße, die Polizei mit Großaufgebot unterwegs.

Mehrere Verletzte

München hat alle Versammlungen mit Coronabezug verboten. Zu groß ist die Zahl der Menschen ohne Masken. Trotzdem versammelten sich schon am Montag viele Menschen in der Münchner Innenstadt. Die Demonstration, die für diesen Mittwoch auf dem Königsplatz durch die Gruppe „München steht auf“ angemeldet wurde, war verboten worden. Die Ver­an­stal­te­r*in­nen sind auf eine Versammlung für nur fünf Leute auf der Theresienwiese ausgewichen.

Trotzdem zogen am Mittwochabend 3.000 Menschen durch die Innenstadt. Allerdings gelang es den Einsatzkräften, die meisten von ihnen schon am Marienplatz einzukesseln. Die Stimmung war aufgeladener als in den Wochen zuvor. Mehr als 1.200 Anzeigen, davon 1.130 Verstöße gegen die Allgemeinverfügung und 35 Strafanzeigen wegen Beleidigung oder Angriffs auf Beamte zählte die Polizei. Bei Handgemengen zwischen De­mons­tran­t*in­nen und Polizei wurden zwei Po­li­zis­t*in­nen verletzt.

Die Einsatzkräfte setzten Schlagstöcke und Pfefferspray gegen die De­mons­tran­t*in­nen ein, drei Personen wurden verletzt. Die „Spaziergänger*innen“ selbst schienen ebenfalls mäßig zufrieden mit dem Ausgang des Abends. Die Aktion habe nicht die erwartete Schlagkraft gehabt, heißt es im Anschluss im Telegram-Kanal – anderen sei es nicht weit genug gegangen. Gemäßigte Impf­geg­ne­r*in­nen und der radikale Kern scheinen sich in München aufzuspalten – mit offenem Ausgang.

„Mal nach den Rechten sehen“

Die Theatinerstraße ist gesäumt mit Polizeiautos. Menschenmassen sind unterwegs, viele auf dem Heimweg, andere haben Schilder dabei. Einige Nebenstraßen sind abgesperrt. „Freiheit“ rufen manche. Autos stehen quer, einige davon mit Blaulicht. Auf einer Tafel läuft in Leuchtschrift weiß auf blau ein Text, eine Lautsprecherstimme spricht. Die Versammlung sei aufgelöst, wer sich nicht vom Platz bewege, müsse seine Daten abgeben. Aus der eingekesselten Menge tönt es immer wieder „Widerstand“.

Vor dem Testzentrum daneben stehen Aktivist*innen, sie tragen ein Banner, „Mal nach den Rechten sehen“. Ein alter Mann ruft „Diktatur“, einige schütteln den Kopf. Viele Menschen sind unterwegs, Familien, Paare, sie suchen einen Nachhauseweg ohne Quer­den­ke­r*in­nen oder Absperrungen. Menschen sehen sich ungeduldig und unsicher um. Die „Spaziergänger“ haben Unruhe gestiftet, hinterlassen Feindseligkeit.

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