Corona-Strategie des Innenministeriums: Im Grundsatz leider richtig

Die Maßnahmen gehen in die richtige Richtung. Noch immer glauben zu viele, dass die Lage beherrschbar bleibt.

Bundesinnenminister Horst Seehofer

Leider hat der Innenminister mit seinen harten Maßnahmen recht Foto: dpa

Papieren aus dem Bundesinnenministerium begegnen liberale Menschen normalerweise zu Recht mit einer gesunden Skepsis. Denn Angst zu machen, um mehr staatliche Befugnisse durchzusetzen, ist dort keine unbekannte Taktik. So könnte man auch das aktuelle Strategiepapier zur Eindämmung der Corona-Epidemie interpretieren, das eine Warnung vor bis zu 1,2 Millionen Corona-Toten mit der Forderung nach verstärkten Gegenmaßnahmen verbindet.

Doch das wäre ein Fehler. Denn leider sind die Szenarien aus dem Haus von CSU-Minister Horst Seehofer keineswegs unrealistisch. Auch wenn das Worst-Case-Szenario hoffentlich nicht eintreten wird, ist es gut, deutlich zu machen, was ohne entschiedenes Handeln drohen würde.

Zu viele Menschen glauben immer noch, dass die Lage in Deutschland beherrschbar bleibt. Dabei ist längst absehbar, dass auch hier die Kapazitäten der Krankenhäuser überschritten werden – die Frage ist nur, wie sehr. Selbst im besten Szenario wird es in Deutschland viele tausend Tote geben, und vielen Überlebenden drohen bleibende Lungenschäden.

Die vom Innenministerium vorgeschlagenen Maßnahmen gehen ebenfalls in die richtige Richtung. Dass deutlich mehr Coronatests eine Voraussetzung zur effektiven Eindämmung der Epidemie sind, sagen viele ExpertInnen mit Verweis auf die erfolgreicheren Strategien etwa in Südkorea oder Taiwan schon lange. Wenn nun auch die Bundesregierung der Ausweitung der Tests eine hohe Priorität einräumt, ist das nur zu begrüßen. Auch die Forderung nach einer schnellen Ausweitung der Intensivkapazitäten in den Krankenhäusern ist völlig richtig.

Schwieriger ist die Lage bei der digitalen Nachverfolgung von Kontakten. Die Sorge, dass einmal eingeführte technische Überwachungsmöglichkeiten später weitergenutzt werden könnten, ist durchaus berechtigt. Doch auch hier sollte zumindest genau geprüft werden, ob eine datenschutzgemäß vertretbare Lösung nicht doch möglich ist.

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Jahrgang 1971, ist Korrespondent für Wirtschaft und Umwelt im Parlamentsbüro der taz. Er hat in Göttingen und Berkeley Biologie, Politik und Englisch studiert, sich dabei umweltpolitisch und globalisierungskritisch engagiert und später bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen in Kassel volontiert.   Für seine Aufdeckung der Rechenfehler von Lungenarzt Dr. Dieter Köhler wurde er 2019 vom Medium Magazin als Journalist des Jahres in der Kategorie Wissenschaft ausgezeichnet. Zudem erhielt er 2019 den Umwelt-Medienpreis der DUH in der Kategorie Print. Derzeit beschäftigt er sich neben seinen sonstigen Themen intensiv mit der Entwicklung der Corona-Epidemie, auch auf seinem Twitter-Account @MKreutzfeldt .

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