Corona-Lockerungen in Deutschland: Kitas bleiben dicht

Die Notbetreuung an den Kitas soll aber ausgebaut werden. Wie die Kindertagesstättenträger überleben, wissen sie noch nicht.

Grosser weisser Teddybär schaut aus dem Fenster

Bleibt erst mal nur der Teddy zum Spielen Foto: Jussi Nukari

BERLIN taz | Kinderbetreuung bleibt weiterhin Elternsache – so haben es Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsident*innen am Mittwoch vereinbart. Damit folgt man den Empfehlungen der nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina, wonach Kitas nicht schrittweise geöffnet werden wie die Schulen, sondern vorerst geschlossen bleiben sollen.

Die derzeitige Notbetreuung werde aber fortgesetzt und auf weitere Berufs- und Bedarfsgruppen ausgeweitet werden, wie aus dem Beschluss des Bundes hervorgeht. So sollen demnach auch Beschäftigte im Finanzwesen, in der öffentlichen Verwaltung und in der Rechtsberatung einen Anspruch auf Notbetreuung erhalten. Dennoch: Zusammengenommen umfassen die Berufsgruppen, denen eine Notbetreuung zusteht, gerade mal acht Prozent der erwerbstätigen Deutschen – für viele Eltern ändert sich dadurch nichts.

Das kritisiert auch Ulrike Grosse-Röthig, Sprecherin der Bundeselternvertretung der Kindertagesstätten: „Die meisten Eltern sind nun seit Wochen im Homeoffice.“ Das sei sowohl betreuungstechnisch, als auch finanziell eine riesige Herausforderung. Die Ausweitung der Notbetreuung müsse nun systematisch mit der Öffnung von Wirtschaft und Einzelhandelsbetrieben mithalten, so Grosse-Röthig. Hierfür müsse es nachvollziehbare Konzepte und Kriterien geben. Kleinere und feste Betreuungsgruppen und viel Zeit an der frischen Luft könnten dabei erste Maßnahmen für die Betreuung sein.

Ein Konzept, wie die Kitabetreuung nach den Osterferien aussehen könnte, hat der Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger e. V. (VKMK), der rund 8.000 Kitaplätze in Berlin bereitstellt, bereits entworfen: Demnach sollen die Kinder in mehreren Kleingruppen an verschiedenen Wochentagen betreut werden. Hol- und Bringzeiten der Gruppen werden darüber hinaus getrennt, Hygienemaßnahmen verschärft. Lars Békési, Geschäftsführer des Verbandes, kritisiert die Entscheidung. Auch Kitakinder seien in der Lage, sozialadäquates Verhalten im Sinne des Infektionsschutzes zu erlernen, glaubt Békési.

Regulärer Betrieb ab August

Der Berliner Senat erklärte am Donnerstag, ähnlich wie andere Bundesländer auch die Notbetreuung schrittweise auszuweiten. Die Rückkehr zum regulären Kitabetrieb sei für August vorgesehen. Über die weitere Finanzierung der Einrichtungen informierte der Senat nicht, sehr zum Ärger der Träger.

VKMK-Geschäftsführer Lars Békési warnt vor einer „Pleitewelle“ und künftig fehlenden Kitaplätzen. Bereits im März hatten viele Kitas ihre Sorge vor Insolvenz ausgedrückt. Acht Bundesländer hatten daraufhin die Elternbeiträge für den Monat April erlassen. Ob und wie die finanzielle Unterstützung nun fortgeführt wird, ist derzeit unklar.

Für Alleinerziehende sei die Situation besonders herausfordernd, erzählt Petra Beck, Geschäftsführerin des Thüringer Landesverbandes Alleinerziehender Mütter und Väter. „Für die Kitaschließung hatten die meisten zunächst Verständnis“, so langsam sei aber eine gewisse Schmerzgrenze erreicht.

Dies hänge vor allem mit der finanziellen Situation zusammen: „Viele Eltern bekommen nun Kurzarbeitergeld, andere müssen jetzt Überstunden, oder sogar Urlaubstage abbauen.“ In Thüringen wurden die Erzieher*innen trotz Schließungen weiter bezahlt. „Da hätte man sich ja Pläne überlegen sollen, wie es nach Ostern weitergeht“, bemerkt Beck.

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