Surfwelle in Hamburg : Die Bullshit-Welle darf nicht über Hamburg hineinbrechen
Mit einer stehenden Welle will eine private Firma künftig Elbwasser für 49 Euro pro Stunde pro Person vermieten. So einen Bullshit brauchen wir nicht.
Foto: Floating Wave Hamburg GmbH
W ir brauchen keine weitere Eventisierung der Innenstadt. Eine stehende Welle mag eine coole Sache sein für Tourist*innen, die kurz mal vorbeischauen. Für Menschen, die dauerhaft in den von teuren Attraktionen gebeutelten Stadtvierteln leben, ist sie eine Zumutung.
Solche Prestigeprojekte bieten Hamburger*innen keine Lebensqualität, wie es Parks, Grünflächen oder gemeinschaftlich genutzte Stadtteilzentren würden. Stattdessen bedeuten sie die weitere Kommerzialisierung des öffentlichen Raums.
Für 49 Euro pro Person pro Stunde will eine private Firma das zur Welle aufgepumpte Elbwasser vermieten. Für 499 Euro pro Stunde können alternativ total sympathische Großverdiener*innen oder Werbefirmen den ganzen Pool mieten.
Eigentlich ist es nicht nötig, zu erwähnen, dass das nicht das Freizeitangebot ist, auf das durchschnittlich verdienende Hamburger*innen gewartet haben.
Mehr Touris, mehr Verkehr, mehr Müll
Dabei gäbe es ja Bedarf an Möglichkeiten der Freizeitgestaltung. Vor allem für Jugendliche wird die Stadt immer unattraktiver, wenn alles Geld kostet oder man seinen Aufenthalt mit Konsum bezahlen muss.
Okay, es soll einen Bereich geben, von wo man der Welle zugucken kann, ohne zu zahlen. Aber haben Sie mal Jugendliche auf der Elbphilharmonie-Plaza chillen gesehen? Freier Eintritt allein macht noch keine Aufenthaltsqualität. Und die großzügigen, schönen Sonnenplätze werden sicher den zahlenden Kund*innen im Tapas-Restaurant vorbehalten sein. Denn natürlich kommt auch dieses Prestigeprojekt nicht ohne Gastronomie und Eventflächen aus.
Die Floating Wave, wird, wenn sie gut läuft, zu mehr Tourismus-Aufkommen, also mehr Verkehr, mehr Hotels und mehr Müll führen. Mit nachhaltigem Tourismus hat das Projekt überhaupt nichts zu tun. Die Stunde Surfen ist nur ein weiterer Programmpunkt für ein Hamburg-Wochenende zwischen Musicalbesuch, Elbphilharmonie und Reeperbahn – ein Tourismus, der auf schnellen Konsum abzielt.
Zwar sind die Projektplaner bemüht, das ganze möglichst grün zu frisieren. Geht ja auch heutzutage nicht mehr anders. Und kann ja auch sein, dass sie in ihrem Herzen ein Fleckchen für Pflanzen und Tiere reserviert haben.
Allerdings verbraucht eine solche Anlage sehr viel Strom im Verhältnis dazu, dass nur wenige Menschen sie nutzen. Die Angabe der zukünftigen Betreiber, die Welle werde mit hundert Prozent CO₂-neutraler Energie rollen, stimmt nicht. Da die Anlage keinen eigenen Strom erzeugt, nimmt sie eben das, was aus der Steckdose kommt. Und das ist derzeit ein Strommix von 57 Prozent erneuerbarer und 43 Prozent fossiler Energie.
Bitte nicht falsch verstehen: Auf jeden Fall kann Surfen glücklich machen! Sich mit dem Board gegen die Wellen aufs Meer hinauszukämpfen, dann mit den anderen auf den richtigen Moment zu warten, und wenn er da ist mit viel Kraft in den Armen loszupaddeln und in der Welle aufs Board zu springen – richtig geil! Aber nicht im Goldfischglas.
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