Care-Arbeit in Beziehungen: Wer macht das Bett?
Das Konzept der Hausfrau ist noch gar nicht so alt. Und trotzdem scheinen wir uns nicht davon lösen zu können. Oder müssen Frauen einfach fauler werden?
I mmer wenn ich bei einem Mann übernachte und er vor mir aufsteht, stelle ich mir die Frage: Soll ich das Bett machen? Die Antwort ist überraschend kniffelig. Natürlich wäre es nett und zuvorkommend, und bei einer guten Freundin würde ich keine Sekunde überlegen. Aber bei einem Mann, mit dem ich etwas habe: Will ich da wirklich signalisieren, dass ich so kümmerfreudig bin?
Lieber nicht. Also lasse ich es meistens. Immerhin gibt es Männer, die bei sich zu Hause so tun, als würden sie im Hotel wohnen. Bei Instagram habe ich neulich ein amüsantes Video dazu gesehen. Darin hat eine Frau jede liegen gelassene Boxershorts ihres Freundes abfotografiert und ihn mit einer kleinen, aber feinen Ausstellung aus ganz besonderen Stillleben überrascht.
Ein andermal parodierte eine „Cleanfluencerin“ einige denkbare Reaktionen von Männern, wenn sie auf Haushaltsdinge angesprochen werden: „Spülmaschine ausräumen? Wusste nicht, dass das gemacht werden muss.“ – „Der Müll soll weg? Hab' ich nicht gesehen.“ Klar ist das klischeehaft, aber leider oft auch wahr.
Dabei ist die Rolle der Hausfrau kein Naturzustand, sondern eine relativ moderne Erfindung. Denn blickt man auf die Anfänge der Menschheit zurück, sammelten Frauen dort nicht nur Fred Feuersteins Unterhosen ein, sondern gingen auch zur Jagd. Im Mittelalter lag selbst die ach so männliche Braukunst außerhalb von Klostermauern fest in ihrer Hand. Doch im Laufe der Zeit schubste man sie aus den Handwerkszünften und zementierte diesen zivilisatorischen Rückschritt mit dem Gesetz der Hausfrauenehe. Die Frau als unentgeltliches Zimmermädchen.
Wer putzt was?
Wie praktisch! Seitdem kommen wir Frauen aus dieser Nummer irgendwie nicht mehr richtig raus. Zumindest kenne ich fast keine Frau in einer heterosexuellen Beziehung, die diesbezüglich keine Konflikte mit ihrem Partner hätte.
Wer putzt was – und vor allem wie oft? Die einen klagen über die vielen blinden Flecken ihres Liebsten. Andere erledigen die Putz-Parade lieber gleich selbst, weil sich ihr Partner dabei extra immer so schrecklich ungeschickt anstellt. Und Besserverdienende machen den Marie-Kondo-Move: „Does it spark joy?“ – „Nope.“ Also zaubert man eine Reinigungskraft herbei, die dann meistens auch wieder eine Frau ist.
Und bei mir? So wie einige andere habe auch ich mir geschworen: Ich räume keinem Mann hinterher. Das funktioniert meistens prima. Nur manchmal muss ich den übervollen Müll ziemlich lange ertragen oder eine muttihafte Ansage machen. Gleichzeitig muss ich zugeben, dass sich das Ungleichgewicht im Verlauf meiner eigenen Beziehung mal wieder in die entgegengesetzte Richtung entwickelt hat – zumindest, wenn ich bei ihm zu Besuch bin.
Dann steht in der Regel er auf und macht Frühstück, startet die Waschmaschine und räumt saubere Gläser weg. „Kann ich noch was helfen?“, frage ich. – „Nö, bin gerade fertig geworden.“ –„Ach so …“ Deshalb kommen mir manchmal leise Zweifel: Bin ich in solchen Momenten wirklich eine Vorkämpferin für Frauenrechte – oder einfach nur faul?
Denn das fairste Modell wäre ja eigentlich 50/50. Nun könnte man natürlich so argumentieren, dass nach Jahren weiblicher Ausbeutung jetzt grundsätzlich mal die Männer dran sind. Aber was haben meine häufig fleißigen Boyfriends mit der haushaltsfaulen Vätergeneration zu tun? Im Übrigen ist mir ihr Verwöhnprogramm nie ganz geheuer. „Sag mal, machst du das alles nur, damit ich irgendwann mit dir zusammenziehe – und dann hinter dir her räume?“, frage ich misstrauisch. Man hört ja die wildesten Sachen.
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