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CSD In BerlinLänger und größer denn je

Hunderttausende werden zum CSD erwartet, der sich erstmals auf zwei Tage erstreckt. Hinter dem Motto: Haltung ist hot, verbirgt sich ein politisches Programm.

Es wird ein Megaevent, so viel steht fest. Erstmals findet der CSD an zwei Tagen, dem 24. und 25. Juli, statt. Erwartet werden zum größten CSD-Wochenende in der CSD-Geschichte Berlins, wie es heißt, Hunderttausende Menschen.

Auf einer Pressekonferenz stellte der fünfköpfige CSD-Vorstand am Donnerstag das Programm vor. Mit dem Motto „Haltung ist hot“, habe man diesem ganz bewusst einen politischen Anstrich gegeben. Es gehe darum, ein Zeichen für Menschenwürde und Vielfalt zu setzen, sagte Marcel Voges vom Vorstand: „Wir lassen uns nicht zurückdrängen.“ Die Kampagne sei auch eine Aufforderung, im September zur Wahl des Abgeordnetenhauses zu gehen.

Die CSD-Hauptdemonstration startet am Samstagmittag an der Leipziger Straße und wird wie gewohnt über den Potsdamer Platz, dem Nollendorfplatz zur Siegessäule führen. Mit 83 Trucks und 55 Fußgruppen werde es der längste CSD ever in Berlin sein, auch die taz wird erstmals mit einem eigenen Truck dabei sein. Die Anmeldung der Trucks habe man begrenzen müssen, damit die Fußgruppen mehr Platz haben. Auch Startnummern werde es diesmal geben, damit die Leute im Zug zueinander finden.

Angeführt wird der Zug vom Wagen der Veranstalter, auf dem auch die Spitzenkandidaten von Grünen und SPD mitfahren werden. Stefan Evers (CDU) habe seine Teilnahme am CSD aus familiären Gründen abgesagt.

Tags zuvor, am Freitag findet zum ersten Mal in Berlin der Drag* March statt. Ab nachmittags geht es vom Platz der Republik zum Brandenburger Tor, wo mit einem Mix aus Politiktalks, Kultur und Musik auf mehreren Bühnen ein Demokratieabend startet.

Auch der CSD am Samstag endet am Brandenburger Toren, „dem Herzstück des CSD“. Auf acht Bühnen erwartet die Be­su­che­r:in­nen das bislang größte Programm der Vereinsgeschichte. Auf der Hauptbühne werde es einen besonderen „Surprise Support Act“ geben, der Name werde aber erst kurz vorher bekanntgegeben. Nachts geht die Party in den Clubs weiter, die offizielle Pride Main Party findet im Ritter Butzke statt.

Konfetti streuen: No-Go

Inklusion, Awareness und Nachhaltigkeit seien wichtige Bestandteile des CSD, heißt es. Die BVG stellt erneut einen Bus für Menschen mit eingeschränkter Mobilität bereit. Am Brandenburger Tor und Potsdamer Platz gibt es Podeste für Rollstuhlfahrer. Mobile und stationäre Awarenessteams, zu erkennen an orangen Westen, unterstützen Menschen, die sich nicht wohlfühlen oder belästigt werden. Auch wenn der CSD ein Ort des Respekts und der Vielfalt sei, werde es natürlich auch zu Diskriminierungen und Grenzüberschreitungen kommen, so CSD-Vorständin Carolina Philipps.

Wer am Sonntag noch Energie hat, kann ab 14 Uhr bei einem Clean-up helfen, den Tiergarten wieder sauberzumachen, sagte Vorstand Thomas Hoffmann – Treffpunkt ist an der Siegessäule. Während der Demonstration würden Umweltbotschafter auch Taschenaschenbecher verteilen. Klassiker der No-Gos beim CSD sei, Konfetti zu streuen. Seit 2020 habe sich die von der BSR beseitige Müllmenge des CSD um zwei Drittel reduziert, da wolle man weitermachen. Der illegale Getränkehandel entlang der Route werde von den Ordnungsämtern inzwischen auch stärker verfolgt.

Der Botschaft, wählen zu gehen, werde sich an dem Wochenende kaum jemand entziehen können, prophezeite Voges. Sie sei an alle gerichtet, Queere und nicht Queere. Viele Menschen in der queeren Community seien aber bequem geworden, im Glauben, man müsse nichts mehr tun. Voges aber sagt: „Das ist ein Irrglaube. Alle sind gefordert, sich den zunehmenden queerfeindlichen Tendenzen entgegenzustellen.“ Und Philipps ergänzt; „Um junge Menschen buhlt die AfD ja besonders.“

Wie berichtet hat die Senatskanzlei des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) einen Truck beim CSD angemeldet, der 380.000 Euro kostet. „Auch wir waren sehr verwundert über die Summe“, sagte Hoffmann. Denn der CSD berechne für diesen Truck lediglich 6.250 Euro. „Wofür der Rest ausgegeben wird, entzieht sich unsere Kenntnis.“ Grundsätzlich habe man sich aber gefreut, dass die Senatsverwaltung mit einem eigenen Wagen dabei sein werde.

Und was, wenn CDU-Politiker im Zug vom Publikum, wie in den Vorjahren, ausgebuht werden? Der ganze Parteienblock stehe unter besonderem Polizeischutz, so Hoffmann. Meinungsäußerungen beim CSD seien natürlich legitim, „aber wir wollen auch, dass alle heil nach Hause kommen“.

Nazis haben Gegendemo angemeldet

Die Polizeipressstelle bestätigte am Donnerstag, dass am Samstag zum Zeitpunkt des CSD auf derselben Route eine Nazidemo angemeldet worden ist. Das Motto: „Nein zum CSD – Schluss mit den Gendern – Es gibt nur zwei Geschlechter, Mann und Frau“. Angemeldet seien 100 Teilnehmer. Mit den Anmeldern werde es noch Gespräche geben, weil die Route vom CSD belegt sei, so der Polizeisprecher.

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