Burschtyn in der Ukraine: Leise rieselt der Dreck

In der ukrainischen Stadt Burschtyn ist der Schnee schwarz. Verdächtigt wird ein Kohlekraftwerk, die Betreiber weisen jede Verantwortung von sich.

Ansicht des Kraftwerks Burschtyn mit Förderbändern und Schloten

Burschtyn gilt als das größte und schmutzigste Kohlekraftwerk der Ukraine Foto: Raimond Spekking via Wikimedia Commons

KIEW taz | Die Menschen in der Nachbarschaft des Kohlekraftwerkes in der westukrainischen Stadt Burschtyn im Gebiet Iwano-Frankiwsk sind wütend. Seit Tagen hat der Schnee eine schwarze Schicht, aber niemand will es gewesen sein.

„So was Schwarzes habe ich in der Natur noch nicht gesehen“, zitiert das ukrainische Portal Suspilne.media Roman Ziniak, einen Bewohner von Burschtyn. „Ich bin vorgestern aus dem Krankenhaus entlassen worden. Dort kann man nicht aus dem Fenster sehen. Nein, so etwas habe ich noch nicht gesehen“, sagt er.

Ganz im Gegensatz zu Ziniak wundert sich eine Nadeschda, die nicht mit Nachnamen genannt werden will, überhaupt nicht über den schwarzen Schnee. „Der Schnee ist jeden Winter schwarz in unserer Stadt“, so Nadeschda zu Suspilne.media.

Sie vermutet, dass das Kraftwerk einfach nachts die Filter abgeschaltet habe. Ständig müsse sie die Fenster putzen. Lange schon habe sie aufgehört, ihre Wäsche vor dem Haus aufzuhängen. „Die Bäume sind alle gestresst – die Apfelbäume, Kirschbäume, Pfirsichbäume, Aprikosenbäume. Und dann diese Schwärze unten im Brunnen. Und niemand fühlt sich dafür zuständig“, schimpft sie.

Burschtyn gilt als schmutzigstes Kraftwerk in der Ukraine

Beim Betreiber des Kraftwerkes, der Firma DTEK des Oligarchen Rinat Achmetow, weist man jegliche Schuld von sich. Man habe keine Verletzung der Vorschriften in den letzten Tagen feststellen können, heißt es in einer Presseerklärung zu den Meldungen über den schwarzen Schnee. Alle Kraftwerksblöcke in Burschtyn seien mit Elektrofiltern ausgestattet. Man achte darauf, dass die zugelassenen Höchstwerte nicht überschritten werden. Schmutziger Schnee, so der Konzern, entstehe beim Heizen von festen Brennstoffen wie Kohle, Holz oder Pellets aus Heizkesseln, Fabriken und anderen Gebäuden der Region.

Unterdessen hat der ukrainische Premierminister Denys Schmyhal eine Bestrafung der Schuldigen des Unfalls im Kohlekraftwerk Burschtyn gefordert. Dort waren am 28. November 2021 bei einem Rohrbruch heißer Dampf, ein Wassergemisch und Gase ausgetreten. Ein Mitarbeiter starb, drei wurden verletzt. Wenig später wurde Kraftwerksdirektor Walerij Chomjakow entlassen.

Burschtyn, in den 60er Jahren gebaut, gilt als das größte und schmutzigste Kohlekraftwerk der Ukraine. Der derzeitige Premier Denis Schmygal war 2018 und 2019 Direktor dieses Kraftwerkes. Burschtyn ist das einzige ukrainische Kraftwerk, das mit der Energieerzeugung in westlichen Ländern synchronisiert ist und Strom nach Rumänien, Ungarn und in die Slowakei exportiert und auch von dort importieren kann. Die Ukraine bezieht darüber hinaus nur von Russland, Belarus und der Republik Moldau Strom. Spätestens 2023 mit dem Anschluss der Ukraine an das europäische Netz ENTSO-E soll sich das ändern. Die dafür erforderlichen Testläufe sind für 2022 geplant.

In den ersten acht Monaten 2021 ging knapp ein Drittel des in Burschtyn produzierten Stroms nach Ungarn, Rumänien und die Slowakei, berichtet der betreibende DTEK-Konzern. Im gleichen Zeitraum 2020 war es sogar knapp die Hälfte. Das westukrainische Portal varianty.Iviv.ua wartet noch mit anderen Daten auf: 2018 habe das Kohlekraftwerk mit seinen 12 Blöcken und einer Kapazität von 2.400 MW insgesamt 183.000 Tonnen Schadstoffe in die Luft abgegeben.

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