Buch über Pflanzen und Räusche: Flower Power

Nüchternheit ist von der Natur nicht vorgesehen: Jakob Hein und Kat Menschik haben ein Buch über „Psychoaktive Pflanzen“ herausgebracht.

Eine Illustration in wilden Farben, auf der ein Schimpanse Weintrauben isst

Die Natur selbst ist psychedelisch. Illustration zu Menschik/Hein: „Psychoaktive Pflanzen“ Foto: Kiwi-Verlag

Dieses kleine Buch ist dem Rausch gewidmet. „Der Mensch“, schreibt Jakob Hein im Vorwort, „liebt den Rausch.“ Und um sich zu berauschen, haben die Menschen „zu allen Zeiten und auf allen Erdteilen auf jede erdenkliche Art Pflanzen konsumiert“.

Als der Schriftsteller und Psychiater einmal mit der Illustratorin Kat Menschik in deren Garten saß, all das Blühen um sie herum wahrnahm und Kuchen aß, kam also die Idee auf, ein kleines Kompendium der psychoaktiven Pflanzen zu schreiben. Und das haben die beiden dann auch gemacht – ein wunderbares Geschenkbuch kam dabei heraus.

Man lernt in ihm so einiges, nicht nur über Cannabis und Opium, sondern auch etwas über Tee, Kakao, Lavendel, Johanniskraut, Tabak, Salbei, Absinth, Coca-Sträucher, Kat, Betelnüsse, Weintrauben, Muskatnüsse, Malven, Fingerhut, Engelstrompete, Rittersporn, Goldregen und manche Pflanze mehr. Jakob Hein hat das alles sorgfältig und ganz ernsthaft recherchiert.

Dass die Grenze zwischen Rausch und Vergiftung nicht immer klar zu ziehen ist, kann man seinem Text entnehmen, und zum Beispiel auch, dass Affen gezielt alkoholische Getränke zu sich nehmen und dass selbst in so einem harmlosen Gewürz wie der Petersilie psychoaktive Stoffe vorhanden sind. Nüchternheit, denkt man sich beim Lesen, ist in der Natur nicht vorgesehen.

Kat Menschik, Jakob Hein: „Kat Menschiks & des Psychiaters Doctor Medicinae Jakob Hein illustriertes Kompendium der psychoaktiven Pflanzen“. Galiani-Verlag, Berlin 2022. 110 Seiten, 22 Euro

Angemischte Echtfarben

Vor allem aber hat Kat Menschik aus dem Buch ein farbenpralles Illustrationskunstwerk gemacht. Das Buch wurde mit sechs einzeln angemischten Echtfarben gedruckt, und das sieht man auch.

Die sich an keine Begrenzungen haltenden, manchmal über den Text reichenden, auf manchen Seiten die Schrift auch überwuchernden Zeichnungen sind in ihrer leuchtenden Grellheit ein Trip für sich und gleichzeitig ein schöner Kommentar über die Vielfalt und Kraft der Pflanzen und überhaupt der blühenden Natur.

Stengel, Blüten, Blätter, Räusche – es gibt da nichts, was es nicht gibt. Die Natur selbst erscheint hier psychedelisch.

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