Bremen bekämpft Wetten im Amateurfußball: Platzverweis für Datenscouts
Der Amateurfußball hat ein Problem mit Manipulationen infolge von Wetten. Bremen bekämpft die zum System gehörenden Datenscouts durch eine Verordnung.
Manche Vereine scannen mit einem Fernglas ihre Tribüne, um sie zu entdecken: sogenannte Datenscouts. Die sind nicht immer leicht zu erkennen; am ehesten wohl daran, dass sie übers Smartphone permanent Infos über das gerade laufende Spiel weitergeben. Bremen hat am Mittwoch seine Sportstättenverordnung geändert: Nun können diese besonders neugierigen Zuschauenden des Platzes verwiesen werden.
Die Scouts übertragen das Spielgeschehen in Echtzeit an Datenhändler. Die geben die Infos wiederum an Wettanbieter weiter. So machen die Datenscouts Live-Wetten erst möglich – auf das nächste Tor, den nächsten Elfmeter, Halbzeit- oder Endstände, sogar auf die nächste Gelbe Karte.
In Deutschland ist das Wetten auf Jugend- und Amateurspiele unterhalb der Dritten Fußball-Bundesliga verboten. Entsprechend finden diese Partien sich in der Regel nicht auf den deutschen Seiten der Wettanbieter – anders ist das auf ihren ausländischen Seiten. Das ist nicht illegal – genauso wenig wie das Tun der Datenscouts, solange sie für ausländischen Seiten tätig sind.
Das Problem ist: Wird auf solche Spiele gewettet, wird auch deren Manipulation interessanter und also wahrscheinlicher – was die Integrität des Sports gefährdet. Zu verlockend könnte ein gutes finanzielles Angebot für Spieler mit niedrigem Verdienst sein. Vorgekommen ist dies bereits. In ganz Deutschland wehren sich daher Verbände und Vereine gegen die unliebsamen Gäste auf der Tribüne.
„Ich war überrascht, dass es so etwas überhaupt gibt“, sagt Muhammet Tokmak. „Dass bei deutschen Amateurspielen der sechsten oder siebten Liga Menschen mit Knopf im Ohr rumlaufen und das quasi live übertragen, damit Menschen im Ausland darauf wetten können.“
Tokmak ist sportpolitischer Sprecher der Bremer SPD-Fraktion und stellvertretender Vorsitzender der Sport-Deputation, die am Mittwoch die neue Sportstättenverordnung beschlossen hat. „In jüngster Vergangenheit sind Wettangebote im Ausland zu Amateurspielen in der Stadtgemeinde Bremen im Internet angeboten worden“, so steht es in der Beschlussvorlage.
Für Tokmak ist die jüngste Entscheidung wichtig. „Wir wollten ein Zeichen setzen und eine schnelle Lösung finden, innerhalb der Koalition, aber auch mit der Opposition. Das ist uns gelungen.“ Er erklärt, dass die Vereine auf städtischen Anlagen neue rechtliche Möglichkeiten erhalten: „Wenn vor der Entscheidung was gewesen wäre, hätte das Sportamt oder die Polizei eingeschaltet werden müssen. Die Vereine hätten die Personen zwar auffordern können zu gehen, hätten das aber ohne rechtliche Grundlage getan.“
Jetzt hingegen haben Vereine und ihre Platzwarte eine neue Handlungsgrundlage. „Die Mitwirkung an jeglichem Angebot von Sportwetten durch das Erfassen von Daten zu entsprechenden Sportereignissen ist verboten“, heißt es in der neuen Sportstättenverordnung. „Zuwiderhandelnde Personen oder Vereine können von den Platzwart:innen der Sportstätte verwiesen werden.“ Die neue Regelung gilt ab dem 1. März.
Das Thema ist nicht neu, hat aber besonders seit einer umfangreichen ARD-Recherche im August vergangenen Jahres an Fahrt aufgenommen: Sie zeigt die Absurdität eines internationalen Milliardengeschäfts auf, das auf der Freizeitbeschäftigung anderer fußt, die dafür kaum Geld bekommen. Laut der Recherche waren in der Saison 2023/24 bei mindestens 2.700 Amateurspielen Datenscouts anwesend.
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