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Brandenburger WandertheaterKongenial mit Geräuschen untermalt

Das Wandertheater Ton und Kirschen aus Werder (Havel) erzählt in „Pulcinella!“ mit mal poetischen und mal recht derben Mitteln die Geschichte des gleichnamigen Disziplinverweigerers.

Der Anfang gehört ganz den tierischen Protagonisten. Erst ist nur lautes Blöken zu vernehmen. Dann stürzt etwa ein halbes Dutzend Ziegenböcke meckernd und die klassischen Bocksprünge wagend auf die Bühne. Das Ton-und-Kirschen-Ensemble hat sich neckische Ziegenbock-Masken aufgesetzt (Maskenbau: Joséphine Biereye). Die sind mal grimmig gehalten, mal staunend, mal fröhlich. Eines der wilden und seit der Antike für dionysische Enthemmungen stehenden Geschöpfe entdeckt schließlich ein großes Ei. Zwei Puppenbeweger mit langen Stäben und daran befestigten Schnüren lassen das Ei platzen und fördern schließlich ein Pulcinella-Baby zutage. Das trägt sogar in diesem frühen Stadium die aus der Commedia dell’Arte bekannte lange Nase.

Das Intro war stimmungsvoll im Premierenort, dem Potsdamer T-Werk. Danach wird episodenhaft das Leben der Figur in Szene gesetzt, teils ziemlich derb. Auf die Upskirting-Szene mit Partnerin etwa hätte man gut verzichten können. Stark werden Ton und Kirschen aber immer dann, wenn sie sich auf die Bewegungsqualitäten und das musikalische Können der Ensemblemitglieder verlassen. Dann herrscht mal Festtagsstimmung, mal wird leidenschaftlich gezankt. Das Ganze fast komplett ohne Worte, die Handlungen sind oft kongenial mit Geräuschen untermalt.

Der Wunsch, der dienenden Clownsfigur der italienischen Commedia dell’Arte einen ganzen Abend zu widmen, geistert schon seit den Tagen der Gründung des in Werder (Havel) beheimateten Wandertheaters in den Köpfen der Gründer Margarete Biereye und David Johnston (die auch jetzt Regie führen und mitspielen) herum. Bereits 1992 baute Tochter Joséphine Biereye die ersten fünf Masken für die Compagnie. „Sie traten in einer Szene unserer ersten Produktion auf und erschienen danach manchmal wieder in kleinen Szenen anderer Produktionen. Sie sind uns in ihrer geheimnisvollen Art ans Herz gewachsen“, beschrieb Margarete Biereye die Genese. Mehr als drei Jahrzehnte später gibt es nun die Protagonistenrolle für Pulcinella und die anderen Langnasen-Masken.

In der Schlussszene, als die Figur mit viel Bühnennebel und wallenden Tüchern auf einem alten Karren in jenseitige Gefilde befördert wird und sich das Tor nach außen öffnet, lässt sich erahnen, welch Zauber erst der Produktion innewohnen mag, wenn sie in der kommenden Draußenspielzeit in malerischen Open-Air-Locations wie etwa dem Hof des Jagdschlosses Grunewald gezeigt wird.

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