Brandenburg-„Polizeiruf“ „Hexenjagd“: Nachsitzen, alle beide!
Schauplatz: Schule. Eine Bombe explodiert im Büro der Rektorin, als die eine Lehrerin feuern will. Ein aus dem Ruder gelaufener Schülerstreich?
Hach, die lieben Kleinen. Da tapsen sie gerade noch so unschuldig durch den elterlichen Garten und stecken sich sandige Feldfrüchte in das entzückende Mündchen (die Tochter von Hauptkommissarin Olga Lenski). Und schwups, sitzen da 20 pubertierende Bratzen zusammen in einem Klassenraum und machen die – zugegeben ziemlich brillenschlangig daherkommende – Referendarin so richtig rund. Sinus, Cosinus, also echt mal, „das braucht man doch wie ’nen Loch im Kopf“, nölt Tobias (Ludwig Simon) Lehrerin Mayfeld (Kim Schnitzer) an. „Fotze“, zischelt es leise aus einer der hinteren Bänke.
Der neue Brandenburg-„Polizeiruf“ „Hexenjagd“ startet durchaus vielversprechend. Doch nur allzu schnell löst sich die atmosphärische Dichte der Anfangsszene in einem großen Knall auf, und – nein, nicht in Frau Mayfelds Kopf, wohl aber in der Fassade der Schule prangt ein ordentliches Loch.
Eine Rohrbombe ist im Büro von Rektorin Strasser (Corinna Kirchhoff) explodiert, just als die toughe Schulleiterin („Wenn man denkt, man kann nicht mehr, hat man immer noch 40 Prozent!“) die Brillenschlange feuern wollte („Manche sind für den Lehrerjob einfach nicht geschaffen.“).
Die Leiden der jungen Frau M. beiseite – ein schlichtes Whodunit muss an diesem Sonntag wohl genügen. Kommissarin Lenski (Maria Simon) überlegt also, wie alles zusammenpasst: die Bombe, die garstigen Schüler, die nahenden Abiturprüfungen, die arme Frau Mayfeld und der Feldwebel von Rektorin. Ein aus dem Ruder gelaufener Schülerstreich? Hm. Der Chemielehrer, der scharf auf den Rektorposten ist? „Nee, ist zu einfach, oder?“, fragt Lenski.
Brandenburg-„Polizeiruf 110:“ „Hexenjagd“; So., 20.15 Uhr, ARD
Und weil das wirklich ein bisschen zu einfach wäre, ist das Ende auch so unwahrscheinlich geraten, dass es gerade noch für ein „ausreichend“ langt. Kristin Derfler (Buch) und Angelina Maccarone (Regie): Einmal nachsitzen, alle beide!
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen
meistkommentiert