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Bombenpause gefordert

UN-Menschenrechtskommissarin fordert Stopp der Luftangriffe, um humanitäre Hilfsaktionen in Afghanistan durchführen zu können. Am sechsten Kriegstag verstärken USA Bombardement

BERLIN afp/ap/taz ■ UN-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson hat die USA zur Unterbrechung ihrer Luftangriffe auf Afghanistan aufgefordert. „Wir brauchen eine Pause, um humanitäre Hilfsaktionen in großem Rahmen starten zu können und eine große Zahl afghanischer Flüchtlinge über die Grenzen zu lassen“, sagte Robinson gestern in einem Interview mit einem irischen Radiosender.

„Der Winter beginnt um den 15. November, und alle humanitären Hilfsorganisationen sind extrem besorgt. Wir brauchen dringend Zugang zur Zivilbevölkerung.“ Dies sei während der Angriffe nicht möglich. Eine Unterbrechung der Luftangriffe könne das Leben von hunderten oder tausenden retten. Bis zu zwei Millionen Afghanen hätten auf der Suche nach Essbarem ihre Dörfer verlassen.

Die Warnung von Robinson kommt, einen Tag nachdem das UN-Welternährungsprogramm WFP eine „deutliche Beschleunigung“ seiner Hilfstransporte nach Afghanistan angekündigt hat. Mit den größten WFP-Lastwagenkonvois aus den Nachbarländern seit Beginn der US-Luftangriffe sollen die WFP-Lebensmittelbestände in Afghanistan bis zum Wochenende auf 12.000 Tonnen ansteigen – genug zur Ernährung von 3,4 Millionen Menschen in der nächsten Woche. „Allerdings sind die Verteilungsnetzwerke gestört und müssen neu aufgebaut werden“, erklärte das WFP. Dies ist während andauernder Luftangriffe schwierig.

Im benachbarten Pakistan verhindert die Sicherheitslage unterdessen immer noch, dass das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR mit seinen Vorbereitungen für den erwarteten Zustrom von einer Million Flüchtlingen aus Afghanistan nach Pakistan fortfährt. Man sei „frustriert“, hieß es in einer Erklärung des UNHCR. Eine Besserung der Lage war nicht in Sicht, da es gestern bei einem landesweiten Tag des Protests gegen die US-Luftangriffe auf Afghanistan in Pakistan zu schweren Ausschreitungen kam.

Am sechsten Kriegstag in Afghanistan haben die US-Streitkräfte ihr Dauerbombardement verstärkt. Dabei häuften sich die Meldungen über Todesopfer in der Zivilbevölkerung – allein bei einem Angriff auf das ostafghanische Dorf Karam wurden nach Angaben der Taliban-Provinzverwaltung 200 Einwohner getötet. US-Präsident George W. Bush zog einen Monat nach den Anschlägen von New York und Washington eine positive Zwischenbilanz im Kampf gegen den Terrorismus; das FBI warnte eindringlich vor neuen Anschlägen in den Vereinigten Staaten.

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