Blutbad in Al-Daein in Sudan: Dutzende Tote bei Drohnenangriff auf Krankenhaus
Hilfswerke bestätigen Drohnenangriff von Sudans Armee auf das wichtigste Krankenhaus der Stadt Al-Daein in Darfur. Mindestens 64 Menschen sterben.
Selbst nach den brutalen Maßstäben des fast drei Jahre alten Krieges in Sudan ist der jüngste Angriff der Armee auf die Stadt Al-Daein außergewöhnlich. 64 Tote, davon 13 Kinder, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO am Montag als Ergebnis eines Drohnenangriffs auf das wichtigste Krankenhaus der Stadt bestätigt. Medienberichte nennen mindestens 73 Tote und 113 Verletzte. Der Angriff ereignete sich am vergangenen Freitag, am islamischen Zuckerfest, einer der wichtigsten Feiertage Sudans und der Muslime weltweit.
Der Angriff auf das Al-Daein Teaching Hospital am Freitag war nach Angaben der Hilfsorganisation Care, die das Krankenhaus unterstützt, der zweite Drohnenangriff auf die Stadt binnen zwei Wochen. Laut der unabhängigen zivilgesellschaftlichen Gruppe Emergency Lawyers setzten die Regierungsstreitkräfte zwei Drohnen türkischen Fabrikats ein. Die RSF erklärte, der Angriff habe die pädiatrischen und gynäkologischen Abteilungen getroffen und erhebliche Zerstörungen angerichtet.
Das Krankenhaus war das letzte noch funktionsfähige in der Stadt, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme der in Al-Daein tätigen internationalen Hilfswerke. „Dieser Angriff hat das Krankenhaus komplett funktionsunfähig gemacht“, erklärten sie. „Die Notaufnahme, die Kinderabteilung, die Chirurgie und ein Stabilisierungszentrum für Kinder mit schwerer Unterernährung und damit verknüpften medizinischen Komplikationen wurden zerstört.“ Hunderttausende Menschen stünden jetzt ohne lebensrettende Versorgung da, während das Gesundheitssystem ohnehin vor dem Zusammenbruch stehe.
Al-Daein mit einer Vorkriegsbevölkerung von rund 300.000 Menschen ist die Hauptstadt der Provinz Ost-Darfur und steht unter Kontrolle der aufständischen RSF (Rapid Support Forces), eine paramilitärische Miliz aus dem sudanesischen Sicherheitsapparat, die sich im April 2023 gegen Sudans Militärregierung auflehnte und seitdem um die Macht im Land kämpft. Die RSF hat im Laufe des Krieges sukzessive fast ganz Darfur unter ihre Kontrolle gebracht.
Al-Daein fiel im November 2023 wenige Tage vor Nyala, Hauptstadt von Süd-Darfur. Bei der Einnahme der Stadt kam es zu Plünderungen durch die RSF und Bombenangriffe durch die Armee. Als letzte Provinzhauptstadt Darfurs fiel Ende Oktober 2025 El Fasher, Hauptstadt der Provinz Nord-Darfur, an die Miliz; die Einnahme der Millionenstadt war von blutigen Massakern mit möglicherweise Zehntausenden Toten begleitet, die internationale Experten als Völkermord werten.
Die Drohnenangriffe, mit denen sowohl Sudans Armee als auch die RSF die Zivilbevölkerung im Gebiet des jeweiligen Gegners überziehen, haben in vergangenen Monaten zugenommen. Erst am 12. März schlug UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk Alarm: In der Woche seit dem 4. März seien allein in Darfurs Nachbarregion Kordofan in Zentralsudan und der Provinz White Nile 200 Zivilisten durch Drohnenangriffe getötet worden. 152 davon gingen auf das Konto von Attacken der Armee auf Marktplätze in der heftig umkämpften Provinz West-Kordofan. Auch Schulen und Gesundheitseinrichtungen werden regelmäßig getroffen. Al-Daein ist seit der Eroberung durch die RSF sechsmal angegriffen worden.
Seit Kriegsbeginn haben Sudans Kriegsparteien laut WHO 213 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen verübt, bei denen insgesamt über 2.000 Menschen getötet worden sind. Inzwischen seien bis zu 80 Prozent aller Gesundheitseinrichtungen des Landes zerstört oder funktionsunfähig. Internationale Appelle zu einer humanitären Feuerpause oder auch einem Ende von Waffenlieferungen an Sudans Kriegsparteien verhallen bis heute ungehört.
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