Besetzte GKN-Fabrik bei Florenz: Der Fabrikbesetzung folgt ein Neuanfang
Fünf Jahre hatten Arbeiter*innen ein GKN-Werk bei Florenz gekapert. Nun geben sie es frei – gegen ausstehende Löhne und mit einem neuen Plan.
Foto: Giorgio Pica/aal photo/imago
Nach fünf Jahren endet das wohl längst dauernde Projekt einer Fabrikbesetzung in Italien: die Besetzung der GKN, eines Automobilteilezulieferers, in Campi Bisenzio vor den Toren von Florenz.
Die Aktivist*innen, die seit fünf Jahren den Eigentümern die Stirn bieten, haben jetzt beschlossen, ihre Zelte in der GKN-Fabrikhalle abzubrechen, da die Pläne der Umwidmung zugunsten einer von ihnen getragenen Genossenschaft in einer Sackgasse geendet sind. Doch diesen Schritt sehen sie nicht als Niederlage: Sie wollen ihren Kampf in anderen Formen weiterführen.
Dieser hatte im Juli 2021 begonnen. Die GKN – ein britischer Automobilteilemulti, der im Jahr 2018 von dem Kapitalfonds Melrose Industries übernommen worden war – setzte damals von einem Tag auf den anderen die 422 Arbeiter*innen vor die Tür, um die Gewinne des Unternehmens zu steigern. Doch die Beschäftigten reagierten mit der sofortigen Fabrikbesetzung.
Sie verlangten ein Zukunftsprojekt, das den Standort und ihre Arbeitsplätze sicherte – und als die Eigner nicht reagierten, machten sie sich selbst an die Ausarbeitung des Projekts. Es sah und sieht auch heute noch zwei Fertigungslinien vor, einerseits die Fertigung und Wiederverwertung von Solarpanels, andererseits den Bau von Lastenfahrrädern.
Intensives Netzwerken
Zugleich suchte das Kollektiv der Besetzer*innen von Beginn an die Unterstützung sowohl der Öffentlichkeit als auch der politischen Institutionen, der Region Toskana ebenso wie der Kommunen Florenz, Campi Bisenzio und zwei weiterer Städte. Über die Jahre wurden diverse Demonstrationen mit Tausenden Teilnehmer*innen, Zeltcamps, Konzerten, Dutzenden Veranstaltungen nicht nur in Italien, sondern auch in Deutschland organisiert. Über die Jahre wurden auch intensive Verhandlungen mit den lokalen und regionalen Entscheidungsträger*innen geführt.
Diese Verhandlungen schienen zunächst von Erfolg gekrönt. Die Region und die beteiligten Kommunen riefen im Jahr 2025 ein Konsortium ins Leben, das die Zukunft der Ex-GKN per Ankauf des Firmengeländes sichern sollte. Doch im Lauf des letzten Jahres zeigte sich, dass dieses Konsortium eher eine Totgeburt war, dass die Versprechen auf dem Papier blieben.
Derweil aber war das Kollektiv nicht untätig geblieben. Es gründete die Kooperative GFF (GKN For Future), die ihrerseits Volksaktien ausgab, um den Kapitalstock für zukünftige produktive Aktivitäten zu schaffen. Insgesamt konnten nach Angaben der GFF Aktien in Höhe von 1,15 Millionen Euro abgesetzt werden; außerdem erklärte sich die Banca Etica bereit, eine Kreditlinie bereitzustellen.
16 Millionen Euro ausstehende Löhne
In der Zwischenzeit war das Eigentum an der Fabrikimmobilie an den Privatunternehmer Francesco Borgomeo verkauft worden, der es wiederum an zwei im Immobiliensektor tätige Tochterunternehmen abtrat. Diese zeigten sich nie zu Verhandlungen mit der GFF bereit und forderten stattdessen die Beendigung der Besetzung – und erhielten sie jetzt auch.
Konkreter Anlass für den Rückzug des Kollektivs war, dass die gegenwärtigen Eigentümer die Zahlung von noch ausstehenden Löhnen an die früheren GKN-Beschäftigten an die ultimative Forderung gekoppelt haben, im Gegenzug müsse die Fabrikbesetzung beendet werden. Hier geht es um die stolze Summe von 16 Millionen Euro. Um die vielen früheren Arbeiter*innen, die nicht (mehr) im Kollektiv aktiv sind, nicht gegen sich aufzubringen, fiel die Entscheidung, die Fabrik zu verlassen.
Zugleich aber stehen Verhandlungen zur Anmietung einer anderen Fabrikhalle am Stadtrand von Florenz kurz vor dem Abschluss; die GFF hofft auf eine Unterschrift im September. Dort soll dann von Anfang 2027 die Cargo-Bike-Fertigung aufgenommen werden, mit zunächst 24 Arbeiter*innen, deren Zahl sich in den Folgejahren verdoppeln soll. Und auch die Solarpläne will die GFF weiterverfolgen.
Das GKN-Kollektiv will aber auch weiter im politisch-gesellschaftlichen Raum wirken – mit einem Wohnmobil, das in der Region unterwegs sein soll, um überall dort präsent zu sein, wo Arbeiter*innen für ihre Rechte kämpfen.
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