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Saisonkräfte in ItalienMord an Erntehelfern

Italiens Gesetz gegen illegale Arbeitsvermittlung enttäuscht. Zu schnell entwickeln sich die Strukturen der Ausbeutung in der Landwirtschaft weiter.

Ein grausamer Vierfachmord erschüttert Italien. Am Montag verbrannten vier Erntehelfer, drei von ihnen Afghanen, einer aus Pakistan, bei lebendigem Leib in einem Auto, in dem sie unterwegs waren. Die zwei Täter hatten an einer Tankstelle im süditalienischen Amendolara Benzin in den Wagen geschüttet und angezündet. Nur ein Mann konnte sich aus dem brennenden Fahrzeug retten.

Auch die Täter sind Pakistani, sie waren gemeinsam mit ihren Opfern unterwegs. Unklar ist, ob sie zu einem Ernteeinsatz fuhren. Klar aber ist laut dem Überlebenden, dass es auf der Fahrt Streit gab. Die Opfer, seit April in Kalabrien, hatten verlangt, endlich bezahlt zu werden.

Schnell fand die Polizei heraus, dass jedoch alle – Täter wie Opfer – auf dem Papier ganz regulär bei einem Landwirtschaftsbetrieb beschäftigt waren. Dies steht für die die Entwicklung der illegalen Ausbeutung in der italienischen Landwirtschaft.

Weiterhin schaffen die sogenannten Caporali die Arbeitskräfte heran, doch sie werden nicht mehr schwarz beschäftigt. Die Löhne aber fließen wiederum an die illegalen „Arbeitsvermittler“, und die Ausgebeuteten sehen oft genug nur ein Stundensalär von höchstens drei Euro. Oder eben gar nichts, wegen der Abzüge für Unterkunft und Verpflegung.

Auch andere Sektoren betroffen

Etwa 450.000 Ern­te­hel­fe­r*in­nen sind in Italien tätig, 80 Prozent davon Immigrant*innen. Allein in Kalabrien sollen mindestens 11.000 Opfer härtester Ausbeutung sein. Zwar stellt Italien mittlerweile illegale Arbeitsvermittlung unter Strafe und sieht Opferschutz vor. Zugleich aber sind viele der „Vermittler“ heute nicht mehr italienisch, sondern gehören den gleichen Nationen an, aus denen die Ausgebeuteten stammen. Formal reguläre Arbeitsverhältnisse erschweren die Kontrollen weiter.

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Dies zeigte auch ein spektakulärer Fall aus dem Bausektor. In Mailand errichtet der US-Konzern Caddell das neue Konsulat der USA. Auch hier gab es auf dem Papier reguläre Anstellungen, reguläre Lohnabrechnungen – rund 1.500 Euro netto pro Monat. Dann aber wurden 1.000 Euro für Kost und Logis eingezogen. Die migrantischen Arbeitskräfte schufteten also über 200 Stunden pro Monat für 500 Euro. Der Italien-Chef von Caddell wurde deshalb jetzt in Haft genommen.

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