Berliner Seen, nein danke: Das große Seegrausen
Warum nur wollen alle unbedingt zwischen Boomboxgedröhn und Steroid-Mücken auf toten Wurzeln herumliegen? Unser Autor bleibt lieber zu Hause.
O b ich „mit zum See“ will, quillt es beständig aus allen Kanälen in die schwüle Rekordhitze. Was alle daran finden, erschließt sich mir nicht. Allein von der Vorstellung bekomm ich Kreislauf. Ja, baden. Schön. Unterm Baum sitzen. Auf unebenem Boden, der jegliche Chance auf Bequemlichkeit im Keim erstickt, sodass du nach spätestens einer Viertelstunde Rücken hast und eigentlich nur noch Liegen kannst.
Auf Stock, Stein und ungünstig gelegenen Grashubbeln, sehr geil. Von allen Seiten krabbeln Insekten in deine Körperöffnungen und -Ritzen und von den Berlin-Brandenburgischen Steroid-Mücken fang ich besser gar nicht erst an. Weil außerdem die halbe Stadt hier ist, liegen drei Meter weiter irgendwelche Dude-Bros mit beschissener Boombox-Musik und flexen ihre Bratwurstmuskeln, damit die Frauen sich verlieben.
Okay, bei 40 Grad im kalten Wasser sein ist schon toll, klar, aber dort wirst du nun alle paar Meter von übergriffigen Algen angetanzt, trittst auf Steine, manche spitz, oder ein Fisch schwimmt dir blöde zwischen die Beine ohne jede Ankündigung. Weiter draußen bist du nur noch ein Kopf, der gespenstisch auf der Wasseroberfläche treibt, auf Augenhöhe mit Enten oder Schwänen, die plötzlich jedes letzte bisschen Respekt vor dir verlieren.
Also, Leute. Danke, aber keine Chance. Der Preis für dieses erquickende Naturerlebnis ist leider zu hoch. Schon der Fahrt im unklimatisierten Berliner ÖPNV wegen, um die du als armer Schlucker nicht herumkommst. Macht ihr mal, ich bleib zu Hause. Hier habe ich meinen Ventilator, eine Couch, ein richtiges Klo, sogar ein Klavier, und der Fisch liegt im Tiefkühlfach gleich neben den Eiswürfeln. Letztere lasse ich grinsend in meinen Kaffee oder das Gurkenwasser sinken wie auf ’ner fancy Party, bevor ich eure liebreizenden Angebote ablehne. Und zur Not ist da immer noch die Badewanne.
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