Baumbesetzung in Flensburg: Hängematten im Bahnhofswald
Ein Wald am Flensburger Bahnhof soll für ein Parkhaus und ein Hotel plattgemacht werden. Aktivist*innen wollen das verhindern.
Foto: Andreas Arnold/dpa
Waldbesetzungen haben gerade Hochkonjunktur: Am Donnerstag überschlugen sich die Meldungen von Baumschützer*innen, die in die Äste geklettert sind, um Holzfällarbeiten zu behindern. Während am ersten Tag der Rodungssaison, dem 1. Oktober, im hessischen Dannenröder Wald schon Kettensägen angelegt wurden, ging es in Flensburg eher entspannt zu.
Dort hatten in der Nacht auf Donnerstag Umweltschützer*innen Hängematten in den Bahnhofswald gehängt und die Bäume für besetzt erklärt. Die Polizei verschaffte sich ein Bild von der Lage und zog am Mittag wieder von dannen.
Seit 2013 gibt in Flensburg den Plan, das Bahnhofsquartier dicht zu bebauen. Ein Sportplatz und ein Kulturverein mussten schon weichen, als nächstes soll der Bahnhofswald für ein Intercity-Hotel und ein Parkhaus weichen. Eine Bürgerinitiative wehrt sich dagegen und sammelt per Crowdfunding Geld für eine Normenkontrollklage. Aber weil so eine Klage eben dauert, haben aktionsorientiertere Flensburger*innen die Bäume schon mal besetzt.
„Wir verstehen nicht, wie man im Jahr 2020 einen Wald für ein Parkhaus plattmachen kann“, sagt Mike Waldmann von der Gruppe „Redd de Bahnhoffsbööm“. „Flensburg braucht weder mehr Parkplätze noch mehr Tourismus.“ Die Fixierung auf den Autoverkehr sei antiquiert und die Touri-Massen führten schon jetzt zu hohen Quadratmeterpreisen und einer aussterbenden Innenstadt.
Besetzer*innen wollen erstmal bleiben
Mit ihrer Besetzung solidarisieren sich die Flensburger*innen auch mit den Baumschützer*innen im Dannenröder Wald. Ihre Hängematten wollen sie erst mal hängen lassen, ein Baumhaus befinde sich gerade im Bau.
Die Ratsfraktion der Linken begrüßte die Besetzung. „Es kann nicht sein, dass den Profitinteressen von Investoren unsere Stadtentwicklung überlassen wird“, sagte deren Sprecher Luca Grimminger.
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