piwik no script img

Bauernhof-EffektKuhrülpser senken das Allergierisiko von Kindern

Kinder in bäuerlicher Umgebung bekommen seltener Asthma, Heuschnupfen oder Allergien. Eine neue Studie findet erstmals die verantwortlichen Bakterien.

Forschende nennen es den Bauernhof-Effekt: Wachsen Kinder in einer bäuerlichen Umgebung auf, bekommen sie deutlich seltener Asthma, Heuschnupfen oder Allergien als zum Beispiel Kinder aus Städten. Studien weltweit haben diesen Unterschied bestätigt. Die ganz genauen Gründe waren aber bisher nicht geklärt.

Die langjährige Hypothese: Wenn Kinder auf Höfen mehr mit Umweltkeimen konfrontiert sind und ihr Immunsystem dadurch trainiert wird, läuft es weniger Gefahr, später zum Beispiel harmlose Blütenpollen als gefährlichen Feind zu sehen, wie das etwa bei Heuschnupfen der Fall ist. Welche Bakterien es aber genau sind, die vor Allergien und Asthma schützen, konnten Forschende nun zum ersten Mal in einer Studie identifizieren.

wochentaz

Dieser Text erschien zuerst in der wochentaz, unserer Wochenzeitung von links!

In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.

Die Studie

Markus Ege, Professor für Epidemiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, leitete das internationale Forschungsteam, das seine Ergebnisse in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlichte. Grundlage der Studie waren Daten von über 1.000 Kindern aus europäischen Studien, die 2006 und 2007 in ländlichen Regionen durchgeführt wurden.

Die Forschenden untersuchten Staubproben von ihren Matratzen und Nasenabstriche. Bei 47 Bauernhofkindern analysierten die Wis­sen­schaft­le­r*in­nen außerdem Staubproben aus deren Kuhställen. Dabei notierten sie, welche Mikroben, also Bakterien und Pilze, in den Proben vorkommen. „Wir haben die Bakterien voneinander unterschieden und untersucht, welche wie stark mit dem Bauernhof-Effekt zusammenhängen“, sagt Studienleiter Markus Ege.

Dabei sind die Forschenden auf die sogenannten grampositiven Bakterien gestoßen. Solche Erreger kommen unter anderem im Magen-Darm-Trakt von Kühen vor, wo sie beim Zersetzen des Futters helfen. Währenddessen entstehen Moleküle, die die Kühe durch Rülpsen oder Pupsen in die Luft abgeben. Die Kinder wiederum atmen diese Stallluft ein. Rezeptoren auf den menschlichen Atemwegszellen erkennen die Bakterien dann. Die Wis­sen­schaft­le­r*in­nen vermuten, dieses Zusammenspiel verhindert, dass das menschliche Immunsystem übermäßig reagiert.

Team Zukunft – der Newsletter zu Klima, Wissen, Utopien

Du liest einen Text aus unserem Zukunfts-Ressort. Wenn Du Lust auf mehr positive Perspektiven hast, abonniere TEAM ZUKUNFT, den konstruktiven Newsletter zu Klima, Wissen, Utopien. Jeden Donnerstag bekommst du von uns eine Mail mit starken Gedanken für dich und den Planeten.

Was bringt’s?

Forschende im Labor können die neuen Erkenntnisse nutzen, um die molekularen und zellulären Mechanismen des Bauernhof-Effekts genauer zu entschlüsseln. Das lässt darauf hoffen, dass sie ein Medikament entwickeln können, das den Bauernhof-Effekt nachahmt, ohne dass Kinder Zeit im Kuhstall verbringen müssen.

Zahlen des Robert-Koch-Instituts zufolge sind in Deutschland 4 Prozent der Kinder im Alter von drei bis vierzehn Jahren von Asthma betroffen. Laut Forscher Markus Ege könnte ein künftiges Medikament möglicherweise auch vorbeugend eingesetzt werden. Ob das wirklich funktioniert, wird aber erst in mehreren Jahren klar sein − so lange dauert die Entwicklung neuer Medikamente.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema
Ein Packshot der Wochentaz-Zeitung mit einer neutralen Illustration auf der Titelseite.

10 Ausgaben für 10 Euro

Unsere wochentaz bietet jeden Samstag Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die man woanders nicht hört. Jetzt zehn Wochen lang kennenlernen.

  • Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die man woanders nicht hört
  • Jeden Samstag als gedruckte Zeitung frei Haus
  • Zusätzlich digitale Ausgabe inkl. Vorlesefunktion
  • Mit Zukunftsteil zu Klima, Wissen & Utopien
  • Mit Regionalteil „Stadtland“ für alles Wichtige zwischen Dorf und Metropole

10 Wochen für nur 10 Euro

wochentaz ausprobieren

0 Kommentare