Bauernhof-Effekt: Kuhrülpser senken das Allergierisiko von Kindern
Kinder in bäuerlicher Umgebung bekommen seltener Asthma, Heuschnupfen oder Allergien. Eine neue Studie findet erstmals die verantwortlichen Bakterien.
Foto: David McLain/Aurora Photos/imago
Forschende nennen es den Bauernhof-Effekt: Wachsen Kinder in einer bäuerlichen Umgebung auf, bekommen sie deutlich seltener Asthma, Heuschnupfen oder Allergien als zum Beispiel Kinder aus Städten. Studien weltweit haben diesen Unterschied bestätigt. Die ganz genauen Gründe waren aber bisher nicht geklärt.
Die langjährige Hypothese: Wenn Kinder auf Höfen mehr mit Umweltkeimen konfrontiert sind und ihr Immunsystem dadurch trainiert wird, läuft es weniger Gefahr, später zum Beispiel harmlose Blütenpollen als gefährlichen Feind zu sehen, wie das etwa bei Heuschnupfen der Fall ist. Welche Bakterien es aber genau sind, die vor Allergien und Asthma schützen, konnten Forschende nun zum ersten Mal in einer Studie identifizieren.
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Die Studie
Markus Ege, Professor für Epidemiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, leitete das internationale Forschungsteam, das seine Ergebnisse in der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine veröffentlichte. Grundlage der Studie waren Daten von über 1.000 Kindern aus europäischen Studien, die 2006 und 2007 in ländlichen Regionen durchgeführt wurden.
Die Forschenden untersuchten Staubproben von ihren Matratzen und Nasenabstriche. Bei 47 Bauernhofkindern analysierten die Wissenschaftler*innen außerdem Staubproben aus deren Kuhställen. Dabei notierten sie, welche Mikroben, also Bakterien und Pilze, in den Proben vorkommen. „Wir haben die Bakterien voneinander unterschieden und untersucht, welche wie stark mit dem Bauernhof-Effekt zusammenhängen“, sagt Studienleiter Markus Ege.
Dabei sind die Forschenden auf die sogenannten grampositiven Bakterien gestoßen. Solche Erreger kommen unter anderem im Magen-Darm-Trakt von Kühen vor, wo sie beim Zersetzen des Futters helfen. Währenddessen entstehen Moleküle, die die Kühe durch Rülpsen oder Pupsen in die Luft abgeben. Die Kinder wiederum atmen diese Stallluft ein. Rezeptoren auf den menschlichen Atemwegszellen erkennen die Bakterien dann. Die Wissenschaftler*innen vermuten, dieses Zusammenspiel verhindert, dass das menschliche Immunsystem übermäßig reagiert.
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Was bringt’s?
Forschende im Labor können die neuen Erkenntnisse nutzen, um die molekularen und zellulären Mechanismen des Bauernhof-Effekts genauer zu entschlüsseln. Das lässt darauf hoffen, dass sie ein Medikament entwickeln können, das den Bauernhof-Effekt nachahmt, ohne dass Kinder Zeit im Kuhstall verbringen müssen.
Zahlen des Robert-Koch-Instituts zufolge sind in Deutschland 4 Prozent der Kinder im Alter von drei bis vierzehn Jahren von Asthma betroffen. Laut Forscher Markus Ege könnte ein künftiges Medikament möglicherweise auch vorbeugend eingesetzt werden. Ob das wirklich funktioniert, wird aber erst in mehreren Jahren klar sein − so lange dauert die Entwicklung neuer Medikamente.
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