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Ex-Hotel wird Heim für WohnungsloseAufruhr im Villenviertel

Ein leerstehendes Hotel soll zum Heim für wohnungslose Familien und Kranke werden. Ein Jung-CDUler wittert rot-grüne Ideologie und zieht in die Meinungsschlacht.

Das alte Waldhotel auf dem baumbestandenen Grundstück hat schon bessere Tage gesehen. Seit Jahren ist es geschlossen, die alte Besitzerin hat nie einen Nachfolger gefunden. Überall setzt Moos an, von den Klettergeräten im Garten blättert die Farbe. Nur der Bauzaun ringsum ist neu und zeigt an, dass in der Idylle am nördlichen Stadtrand, wo der Wald zwischen Frohnau und Hohen Neuendorf beginnt, wohl bald etwas passiert.

Ein Heim für 54 wohnungslose Pflegebedürftige und Familien soll daraus werden, die Eröffnung ist für das zweite Quartal 2027 geplant. Die Öffentlichkeit erfuhr von dem Plan in der letzten Bezirksverordnetenversammlung vor der Sommerpause durch eine Anfrage des CDU-Bezirksverordneten Richard Gamp, der auch Frohnauer Wahlkreiskandidat für die Abgeordnetenhauswahl ist.

Seither macht der 23-jährige Jurastudent gegen die Pläne mobil, verteilt Flugblätter in der Umgebung, in denen er Zweifel äußert, ob so eine Einrichtung in die „Wohnstruktur Frohnaus“ passe, und ruft zur Teilnahme an einer Umfrage auf. Der taz sagte er, rund drei Viertel der Teilnehmer hätten sich gegen die Einrichtung ausgesprochen, daher „ist es meine Aufgabe als demokratisch gewählter Mandatsträger, diese Position zu vertreten“.

Die Bürger vor Ort sind geteilter Meinung. Viel ist an einem Werktag mittags nicht los vor den Geschäften gegenüber des ehemaligen Hotels, als da wären eine Reinigung, ein Blumenladen, ein Späti mit Postshop, ein Friseur und eine Pizzeria. Aber die paar Menschen, die die taz antrifft, geben bereitwillig Auskunft. Die Gerüchteküche brodelt: Eine Frau hat gehört, dass „psychisch Kranke und Drogenabhängige“ kommen würden, das macht ihr Angst. Sie und eine Mittfünfzigerin, die vor dem Blumenladen raucht, sind zudem der Meinung, dass dies nicht die „passende Gegend“ für eine Obdachloseneinrichtung ist.

Nicht alle sind gegen die Einrichtung

„Aber irgendwo müssen die ja auch hin“, sagt eine alte Dame, die zunächst dasselbe gesagt hat, dann aber ins Grübeln kommt. Sie selbst sei so glücklich, in diesem schönen Viertel zu leben mit den villenartigen Ein- und Zweifamilienhäusern mit großen Gärten und dem nahen Wald. Das sei vielleicht gerade das richtige für Familien, „die sich erholen müssen“, meint eine andere. Sie hätte nichts gegen die neuen Nachbarn, sagt sie, ebenso wenig ein junger Mann, der vorbeikommt.

CDUler Gamp hat dagegen eine Menge Argumente. Zuerst: die schlechte Verkehrsanbindung. „Ohne eigenes Auto ist dieser Teil Frohnaus nur schwer erreichbar“, schreibt er der taz. Dabei ist der Bus 125 nur 20 Meter vom Ex-Hotel entfernt. Zwar fährt er nur alle 20 Minuten, aber bis zur S-Bahn Frohnau und den Einkaufsmöglichkeiten am Zeltinger Platz sind es nur 1,6 Kilometer.

Zudem fehlen Gump in der Nähe die „sozialen Einrichtungen, Therapieangebote oder sonstige Anlaufstellen“, die Obdachlose seiner Meinung nach brauchen. Darauf erwidert Thomas Mertens, Geschäftsführer der Firma Home Care Berlin, die in Berlin mehrere Obdachloseneinrichtungen betreibt und die Immobilie gekauft hat: Man habe die Hilfsangebote „24/7 im Haus“ – in Gestalt von mehreren Sozialarbeitern und -betreuern, die sich um alle Belange der Bewohner kümmern würden.

Und natürlich befürchtet Gump „Nutzungskonflikte“, sprich: „Polizeieinsätze, Gewaltdelikte, Lärmbeschwerden und Klagen von Anwohnern“. Mertens entgegnet: „Dieses Schreckgespenst von Betrunkenen, das gemalt wird, ist unberechtigt. Es geht um ganz normale Leute.“ Die einen seien sehr krank – „auf der Straße kann man niemanden pflegen“ – und die Familien würden nach Absprache mit dem Bezirk eigens ausgesucht – „niemand, der Ärger macht, sondern Familien, die sich anderswo schon bewährt haben, aber einfach keine Wohnung finden“.

Informationsveranstaltung in Frohnau geplant

Genauso eine Einrichtung betreibe man übrigens auch in Lankwitz, so Mertens. „Da gibt es keine Probleme mit Anwohnern, die merken nichts.“ Nach den Sommerferien will er eine Informationsveranstaltung in Frohnau organisieren.

Ob das Gamp beruhigt, ist zu bezweifeln. Schließlich ist Wahlkampf – und der Jungkonservative hat SPD und Grüne im Bezirk als Gegner ausgemacht, die aus „ideologischen Wunschvorstellung heraus diese Einrichtung in Frohnau mit der Brechstange durchsetzen wollen“, wie er meint. Den Verdacht, dass er selbst ideologiegetrieben handelt und sichtbare Armut aus seinem Wohlfühlwahlkreis raushalten will, weist er weit von sich: Dies entspreche nicht seinem „christlichen Menschenbild“.

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