Attentat auf Moschee in San Diego : Nur radikaler Universalismus kann den Hass bekämpfen
Selbst bei Attentaten solidarisieren sich viele selektiv – je nachdem, welche Gruppe betroffen ist. Dabei gibt es einen gemeinsamen Nenner: Ignoranz.
Foto: John Gastaldo/epa
J e mehr Details zu dem Attentat auf eine Moscheegemeinde in San Diego bekannt werden, desto erschreckender wird das Bild. 140 Kinder befanden sich dort vor Ort. Offenbar planten die beiden jugendlichen Täter einen Terroranschlag mit vielen Toten wie im neuseeländischen Christchurch, und ihr rechtsradikales und islamfeindliches Motiv wird dabei immer deutlicher.
Schlimmeres wurde nur verhindert, weil ein Wachmann und zwei weitere Männer, die dafür mit ihrem Leben bezahlten, geistesgegenwärtig handelten und die Moschee in San Diego ähnliche Sicherheitsvorkehrungen getroffen hatte, wie es viele Synagogen und jüdische Einrichtungen in Deutschland tun. In mancherlei Hinsicht ähnelt der Fall dem rechtsradikalen und antisemitischen Angriff auf die Synagoge in Halle 2019, am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur.
Seit dem 7. Oktober 2023 hat der Antisemitismus weltweit stark zugenommen. Juden werden angegriffen, auch weil sie für Israels Vorgehen in Gaza verantwortlich gemacht werden. Aber auch der antimuslimische und antipalästinensische Rassismus haben zugenommen.
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Muslime und Palästinenser werden angegriffen, weil sie mit Islamisten oder der Hamas gleichgesetzt werden. Viele Jüdinnen und Juden haben sich nach dem 7. Oktober 2023 über fehlende Empathie beklagt – weniger von staatlicher Seite als von ihren Nachbarn und Freunden.
Palästinenser vermissen Mitgefühl
Auch viele Palästinenser und Muslime vermissen solches Mitgefühl. Die Ignoranz äußert sich auf vielfältige Weise. Nicht nur in blankem Hass, in Pauschalisierungen und Ausgrenzungen im Alltag. Oder dadurch, dass viele Politiker und Medien nur das Leid der einen Seite sehen und betrauern. Sondern auch in der großen Nachsicht gegenüber einer rechtsextremen israelischen Regierung, für die muslimische und palästinensische Leben nicht zählen.
Antisemitismus darf nicht gegen antimuslimischen Rassismus aufgewogen werden, und umgekehrt. Beides sind Geisteshaltungen, die das friedliche Zusammenleben gefährden und, ob in San Diego oder Halle, zu Gewalt und Terror führen können. Nicht selten treten sie gemeinsam auf. Bekämpfen lassen sie sich nur durch einen radikalen Universalismus, für den jedes Menschenleben gleich viel zählt.
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