Atomkraft in Deutschland: Ein Herz für Zombies

Die Atomkraft in Deutschland ist tot und begraben. Wer ihre Wiederauferstehung fordert, der stört die Totenruhe. Das ist nicht hinnehmbar. Eine Glosse.

Ein Freizeitpark, im Hintergrund die Bauruine eines Atomreaktors, der mit einem Landschaftspanoroma bemalt ist

Der Freizeitpak Wunderland in der Bauruine des nie in Betrieb gegangenen Atomreaktors in Kalkar Foto: Markus von Offern/imago

Der Ökodiktator verkündet folgende Entscheidung:

Beschluss: Die Gesetzgebung zum deutschen Zombiewesen wird reformiert. In Zukunft dürfen Untote nur noch in Filmen, Büchern oder sonstigen kulturellen oder religiösen Zusammenhängen erwähnt werden. Ihre derzeitige Verwendung im politischen Bereich („Atomkraftwerke länger laufen lassen, um das Klima zu schützen“) wird untersagt. Die Straftatbestände § 168 StGB (Störung der Totenruhe) und § 189 StGB (Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener) werden entsprechend angepasst.

Begründung: Der Zombie ist ein wichtiger Teil der deutschen Kultur. Er sorgt für Innovation und Artenvielfalt, schafft Wachstum, Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Doch in letzter Zeit häufen sich vor allem aus konservativen Grüften die Fälle von Leichenfledderei: Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall fordert die Rückkehr Deutschlands zur Atomkraft. Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer hält den Wiedereinstieg in die Nukleartechnik für denkbar.

Friedrich Merz, CDU-„Wirtschaftsexperte“, bedauert, seine Partei habe sich zu einem viel zu frühen Atomausstieg drängen lassen. Und CDU-„Kanzlerkandidat“ Armin Laschet erklärt, man hätte vor zehn Jahren lieber aus Kohle als aus Atom aussteigen sollen – auch wenn er immer für die Kohle gekämpft hat.

Ein solcher Angriff auf das Andenken Verstorbener ist nicht hinzunehmen. Die Atomkraft ist in Deutschland mit viel Mühe und noch mehr Geld beerdigt worden. Ende 2022 gehen die letzten Meiler vom Netz. Für längere Laufzeiten fehlen Genehmigungen, Brennstäbe, Techniker und Lust: Auch AKW-Betreiber wie RWE finden diese Vorschläge eine Gespensterdebatte.

Der Neubau von AKWs ist ökonomischer Selbstmord. Das funktioniert nur in regulierten Strommärkten mit staatlichen Konzernen und Regierungen, die Atomwaffen bauen. Überall sonst sind Erneuerbare und Gas einfach zu billig. In Deutschland könnte ein Atom-Revival einen ökopolitischen Bürgerkrieg auslösen. Das wird der Ökodiktator nicht zulassen.

Durchführung: Paragraf 189 StGB wird ergänzt: „Wer das Andenken eines Verstorbenen verunglimpft, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren bestraft. Außerdem muss er die lebendigen Energien (Wind, Sonne, Wasser, Biomasse) zehn Jahre lang verglimpfen.“ § 168 StGB wird dahingehend geändert, dass auch Halb- und Viertelwahrheiten und die Ignoranz gegenüber der Realität in dieser „Debatte“ um die Wiederauferstehung der Atomkraft (siehe Beispiele oben) als „beschimpfender Unfug“ im Sinne dieser Norm gelten.

Schlussbestimmung: Wer vorsätzlich oder fahrlässig weiterhin der Rückkehr der mausetoten Atomkraft in Deutschland das Wort redet, wird haftbar gemacht: Unter seinem/ihrem Wohnsitz wird das derzeit gesuchte Endlager für den hochradioaktiven Abfall der deutschen AKWs errichtet. Ab 2035 werden die 30.000 Kubikmeter hochgefährlichen Strahlenmülls dort eingelagert.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bei wieviel Prozent liegen die Parteien? Wer hat welche Wahlkreise geholt?

▶ Alle Zahlen auf einen Blick

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Wir würden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden, ob sie dieses Element auch sehen wollen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de